So voll wirds lange nicht mehr in der Zehntscheuer: Ab Oktober sollen dort wieder Kulturveranstaltungen stattfinden, allerdings im kleineren Rahmen. | Foto: privat

Veranstalter in Corona-Krise

Kulturbetrieb in Linkenheim-Hochstetten wird voraussichtlich im Oktober starten

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Nach „Bullshit ist kein Dünger“ war die Welt eine andere: Als am späten Abend des 6. März in der Zehntscheuer in Linkenheim der Vorhang fiel, ahnten nur wenige, dass das Kabarett von Frederic Hormuth die letzte Kulturveranstaltung in Linkenheim-Hochstetten für lange Zeit sein würde.

„Damals war noch nicht von einer Verordnung die Rede“, erinnert sich Katja Stieb, die im Rathaus den Kulturbetrieb der 12.200-Seelen-Gemeinde managt.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Die Folgewochen stellten dann alles auf den Kopf – und die quirlige Rathausbedienstete vor neue Herausforderungen. Die nächsten Veranstaltungen, für April terminiert, fielen quasi dem Coronavirus zum Opfer. „Dann“, erzählt Stieb, „brach ein Sturm von Künstleragenturen los. Die haben hier das Telefon belagert – und da wusste ich, es geht um Existenzen“.

Die Kulturmanagerin musste sich etwa Ansagen wie „Angst vor dem Virus ist keine höhere Gewalt“ anhören – und da es bis etwa Mitte März noch keine offiziellen Regelungen und Verordnungen gegeben habe, „musste ich verhandeln“. Das Rechnungsamt der Gemeinde hatte nämlich auf Nachfrage eine klare Position bezogen: Für eine nicht erbrachte Leistung werde kein Geld bezahlt.

„Da war sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt“, sagt Stieb heute, denn sie wollte natürlich nicht, dass die Verwaltung in juristische Auseinandersetzungen verwickelt wird.

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Viel Verständnis für die Künstler

Andererseits habe sie sehr viel Verständnis für die Künstler, mit denen sie oft jahrelang zusammengearbeitet habe, bekommen. „Ich habe mindestens ein Dutzend Telefonate mit Menschen geführt, die wegen der aktuellen Situation richtig verzweifelt waren.“ Weil die Monate März und April komplett wegbrachen, hätten „viele Künstler ihre Durststrecke noch vor sich“, weiß Stieb. Zumal ja von Juni bis September ohnehin Sommerpause sei.

Ich kann doch nicht alles in den Boden stampfen, was Kultur betrifft

Katja Stieb, Kulturmanagerin in Linkenheim-Hochstetten

Mit Engelsgeduld überzeugte Stieb die Agenten der Künstler und die Verantwortlichen der Tourneetheater, dass man die Termine auf die Zeit im Spätjahr verlegen könne. „Ich habe versucht, eine Gratwanderung zu machen. Ich kann doch nicht alles in den Boden stampfen, was Kultur betrifft, habe ich gedacht.“

Einnahmen werden durch reduzierte Zuschauerzahl geringer sein

Normalerweise gibt es von Oktober bis April 13 bis 15 Veranstaltungen in den beiden „Kulturtempeln“ des Orts, der Zehntscheuer und dem Bürgersaal. Dafür steht der Kulturmanagerin ein Budget von etwa 15.000 Euro zur Verfügung.

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Und die Einnahmen werden, auch wenn es wieder los gehen darf, geringer sein, da beispielsweise die 100 Plätze der Zehntscheuer wahrscheinlich auf die Hälfte reduziert würden.

Abend mit Musik für 9. Oktober in der Zehntscheuer geplant

Die hygienischen Vorgaben sowie die Erfassung der Besucher könne sie „leicht managen“, sagt Stieb. Sie freut sich, wenn es endlich wieder losgeht mit der Kultur in Linkenheim-Hochstetten.

Das ist für den 9. Oktober geplant, wenn es einen Otto-Reuter-Abend mit Musik und Anekdoten in der Zehntscheuer geben soll. Oder besser: wird.