Einige Parkplätze von Schulleitungen bleiben leer. Mehr als 100 Stellen waren in Baden-Württemberg zum Schuljahresbeginn im Sommer noch unbesetzt. | Foto: Becker/dpa

Ein erster Schritt

Kultusministerium will das Gehalt von Leitern an kleinen Grundschulen erhöhen

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Einen guten Unterricht für ihre Kinder ist Eltern ein wichtiges Anliegen. Häufig müssen auch die Schulleiter an kleinen Bildungseinrichtungen selbst im Klassenzimmer wirken. Die Verwaltungsarbeiten bleiben dann liegen und müssen später erledigt werden. Auch wegen der immer weiter steigenden Arbeitsbelastung will das Kultusministerium nun mehr Geld überweisen.

Von Klaus Müller

Dass es mehr Geld für die Leitung einer kleinen Grundschule geben könnte, sei ein erster Schritt, meint Yasmin Panto, Leiterin der Grundschule in Pfinztal-Wöschbach. Bislang erhalten Schulleiter einer Grundschule mit bis zu 80 Kindern die Besoldungsstufe A12. Hinzu kommt eine überschaubare Zulage.

Das soll sich laut Kultusministerium ab dem kommenden Schuljahr ändern. Mehr Geld für die Schulleitung von Grundschulen – insbesondere von sogenannten Kleinschulen – will das Land ab dem Schuljahr 2020/2021 auf das Konto der Betroffenen überweisen.

Die Besoldung für die Schulleitung soll bei A13 beginnen. Das entspricht einem monatlichen Salär von mindestens rund 4.380 Euro brutto. Sicher, mehr Geld ist in jedem Fall eine gute Sache. Ob es damit freilich getan ist, die Leitung von kleinen Grundschulen attraktiver zu machen, bleibt abzuwarten.

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Die BNN fragten beim Staatlichen Schulamt Karlsruhe und bei Schulleitern von Grundschulen nach. Genauso wie seine Wöschbacher Kollegin Panto bewertet Rolf Nold, Leiter der Anne-Frank-Grundschule in Waldbronn-Busenbach, die geplante Erhöhung der Besoldung als einen „ersten Schritt“.

Ein dringend notwendiger Schritt, zumal etliche Schulleiterstellen an Grundschulen in Baden-Württemberg zum Schuljahresbeginn nicht besetzt werden konnten. Das Kultusministerium sprach damals von mehr als 100 Stellen. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. Gleichwohl hält sich der Ansturm auf freie Stellen in Grenzen.

Manche Grundschule hat kommissarische Leitung

Beispiel Langensteinbach: Zwei Mal sei die Stelle vergeblich ausgeschrieben worden, berichtet Nold. So manche Grundschule hat seit Jahr und Tag eine kommissarische Leitung. Rein materiell gesehen ist das übrigens kein „lohnenswerter Job“.

Auch das soll sich ändern. Das Ministerium will eine Zulage zwischen 120 und 365 Euro ab dem dritten Monat der Vertretung für kommissarische Schulleitungen einführen. Was bei der ganzen Diskussion, einschließlich der Schaffung neuer Anreize, etwas verwundert, ist der Zeitpunkt.

Wenn man das richtig machen möchte, braucht man einfach mehr Zeit dafür

Yasmin Panto, Grundschulleiterin

Das Problem gibt es nicht erst seit gestern. Zwar wird immer wieder – und das parteiübergreifend zumeist in Wahlkämpfen – die wichtige Arbeit in den Grundschulen hervorgehoben. Entsprechende Anerkennungen, zum Beispiel in Form einer, auch im Vergleich zu anderen Schularten adäquaten Bezahlung, blieben bisher aus.

Und jetzt, nachdem sich ein tatsächlicher Mangel abzeichnet, beginnt die Politik aktiv zu werden. Nach Ansicht von Nold und Panto müsse aber mehr geschehen. Es gehe dabei wohlgemerkt nicht allein ums Geld.

Viel mehr Gewichtung müsse auf den „Schulmanagement-Bereich“ gelegt werden, befindet Rüdiger Stein, Leiter des Staatlichen Schulamtes Karlsruhe. Die dabei anfallenden Aufgaben werden immer mehr und komplexer. „Wenn man das richtig machen möchte, braucht man einfach mehr Zeit dafür“, sagt Panto.

Die Zeiten für „Verwaltungsarbeiten“ sind allerdings festgelegt. Für Grundschulen bis zu acht Klassen gibt es laut Stein dafür zehn Stunden – Faktor 1,2 mal acht. Die Anzahl besagter Stunden steigert sich dann mit der Anzahl der Klassen.

Im Landkreis gibt es 51 Kleinschulen

Wenig von dieser Regelung halten Nold und Panto. Sie orientiere sich zu wenig an der Praxis. Zusätzliche Aufgabenbereiche wie Datenschutz, Inklusion, Evaluation, um nur einige Beispiele zu nennen, kommen zum Alltagsgeschäft hinzu. Auch das wird erfahrungsgemäß nicht einfacher.

Eltern, Schüler, das Kollegium – alle fordern ihren Tribut, ihre Aufmerksamkeit. Dass ein Schulleiter überdies unterrichten soll und muss, stellen Nold und Panto gar nicht infrage. Mit an erster Stelle sollte für eine Schulleitung aber das Schulmanagement stehen. Es müsste „mehr Gewichtung“ erhalten, urteilt ebenfalls Schulamtsleiter Stein. Die Arbeit als Schulleiter werde oftmals unterschätzt, fügt er obendrein an.

Kurzum: Es muss deutlich mehr passieren, damit sich weiterhin – oder überhaupt – Bewerber für die Schulleitung an Grundschulen finden. Damit auch weiterhin an Kleinschulen kompetente und engagierte Schulleitungen tätig sind.

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Im Landkreis gibt es 51 Kleinschulen. In Bretten-Büchig befindet sich derzeit mit 34 Schülern die „kleinste“ Kleinschule. Insgesamt gesehen, angesichts der Fülle an Aufgabenstellungen, könnten die Schulen in der jetzigen Form nicht noch mehr Aufgaben meistern, mahnt Nold eindringlich.

Intern wie extern bräuchten sie mehr Unterstützung. „Nebenbei“ ließe sich das Amt eines Schulleiters längst nicht mehr ausüben. Dem will das Kultusministerium Rechnung tragen. So jedenfalls lautet der Tenor entsprechender Absichtserklärungen. Ausgebaut werden sollen Assistenzsysteme für Schulleitungen, verbunden mit der Vorgabe, Leitungsaufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Mehr Geld, auch für Konrektoren, mag da ein erster Schritt sein – mit Blick auf die Grundschulen ein längst überfälliger Schritt.