Heizöllieferanten trifft der Klimapakt besonders. | Foto: Patrick Pleul/dpa

Ende der Ölheizung?

Lieferanten so ratlos wie Hauseigentümer

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Das in Berlin beschlossene Klimapaket scheint zumindest eine Marschrichtung in eine saubere Zukunft vorzugeben. Und alles scheint vermeintlich klar zu sein, auch für Hausbesitzer. Man habe sich verständigt, dass „der Einbau neuer Ölheizungen bereits ab dem Jahr 2026 verboten wird“, heißt es beispielsweise im Nachrichtenmagazin Stern. „Stimmt nicht“, sagen die betroffenen Branchen. Nicht generell. Man musste sich aber auch erst einmal schlau machen.

Fehlinfos kursieren

Ein „Verbot“ von Ölheizungen würde zuerst einmal Heizöllieferanten treffen. Und zwar hart. „Ich kann dazu noch gar nichts sagen“, heißt es bei Roth Brennstoffe in Dettenheim-Liedolsheim. „Das wäre der Todesstoß für die Branche“, sagt Silvia Heil, Mineralöllieferantin in Rheinstetten-Forchheim. Als die ersten Nachrichten über das Klimapaket kursierten, sei sie zunächst einmal geschockt gewesen. Sie denke an Mineralöl-Lieferanten, Mittelständler, bei denen vielleicht ein Generationenwechsel anstehe. Wovon soll die nächste Generation leben? „Mehr wissen wir aber auch noch nicht.“ – „Man muss abwarten“, sagt Bernd Nagel vom gleichnamigen Brennstoffhandel in Graben-Neudorf. Er gibt aber auch einen wichtigen Tipp: „Vielleicht wissen die Energiehandelsverbände mehr.“

 

Heizung mit Hybrid

Tatsächlich hat man sich beispielsweise beim Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) in Mannheim intensiv mit dem Klimapaket beschäftigt und kann sowohl Heizölhändler als auch verunsicherte Hauseigentümer beruhigen: „Ölheizungen können nach jetzigem Stand unbegrenzt weiterbetrieben werden – auch über 2026 hinaus“, heißt es dort unmissverständlich. Das hänge nicht nur damit zusammen, dass das Klimapaket noch gar kein Gesetz sei, sondern zuerst einmal ein Eckpunktepapier. Vor allem gelte aber: Es soll nur „in Gebäuden, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist, der Einbau von Ölheizungen ab 2026 nicht mehr gestattet sein“, zitiert der VEH, Interessensvertreter von rund 430 vorwiegend mittelständischen Mitgliedsfirmen des Brennstoff- und Mineralölhandels, aus dem Klimapaket.
„Hybridlösungen sollen jedoch sowohl im Neubau als auch im Bestand weiterhin eingebaut werden können“, teilt der Verband mit. Hybrid heißt: Öl-Brennwertheizungen in Kombination beispielsweise mit Solarthermie auf dem Dach könne auch bei einem Heizungstausch nach 2026 eingesetzt werden. VEH-Geschäftsführer Hans-Jürgen Funke kritisiert im Gespräch auch die allgemeine Berichterstattung zum Klimapaket: „Wenn man das schlagwortartig herausposaunt, wird es falsch.“ Die Ölheizung werde vorerst nicht „verboten“. Punkt.

 

Öl ist „Auslaufmodell“

Im Moment herrsche tiefe Unsicherheit: „Die Leute wissen nicht, was sie tun sollen.“ In einem Gespräch mit Schornsteinfeger-Innung und Vertretern des Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerks (SHK) habe man ihm bereits berichtet, dass Kunden den Einbau einer neuen Ölheizung abbestellt hätten, so Funke.
Bei der SHK-Innung in Karlsruhe relativiert Obermeister Frank Zöller: „Solche Fälle sind bei uns so noch nicht durchgedrungen“, sagt er und ergänzt: „Die Ölheizung an sich ist aber ein Auslaufmodell.“ In Neubauten habe sie im Grund schon jetzt „nichts zu suchen“, erklärt er. Seine Branche fordere, statt Rasenmähermethoden mehr Technologieoffenheit. „Die größte Forderung von unserer Seite ist, dass es Wahlmöglichkeiten gibt“, betont Frank Zöller. Auf die Verunsicherung der Kunden angesprochen, sagt Zöller: „Man kann nicht pauschal etwas raten.“ Alternativen zur Ölheizung gebe es bereits jetzt, von der Wärmepumpe bis zur Brennstoffzelle.

 

Ressourcen schonen

Ungewöhnlich diplomatisch geht Ursula Hurst-Kiefer, Mineralöllieferantin in Pfinztal, an das Thema Klimapaket heran. Sie hat sich in das Thema eingelesen und befindet für ihre Branche: „Es ist nichts, was uns den Boden nimmt, weil der Altbestand an Ölheizungen existiert“, sagt sie. Selbst wenn dieser Altbestand „angetastet“ werde, „läuft so eine Anlage ja eine Weile“, also auch über 2026 hinaus.
Ökologischer Wahnsinn wäre es, eine funktionierende Heizungsanlage aus reinem Aktionismus heraus zu ersetzen. „So was wirft man doch nicht einfach auf den Müll“, findet sie. Kurz: „Die nächsten 20 Jahre ändert sich für uns nichts“, ist sie überzeugt.

Und dann fügt sie etwas hinzu, was man von dieser Seite gar nicht erwartet hat: „Persönlich bin ich dafür, etwas zu tun“, also die Umwelt zu entlasten. Das hätte dann aber geschickterweise bereits vor zehn Jahren passieren sollen, und nicht als „Schnellschuss“. Schließlich sei sie auch zweifache Mutter und wolle, dass Kinder und Enkel unbeschwert leben können. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen wäre für sie heute wünschenswert. Die Weichen hätten dafür schon früher gestellt werden können.

 

Kommentar
Es ist ja nicht so, dass der Klimaschutz niemanden interessiert. Gerade Häuslebauer träumen ja davon, eine unbeschwerte Zukunft zu erleben, den Ruhestand auf dem eigenen Grund und Boden zu genießen, Werte zu schaffen, die auch der nachfolgenden Generation gute Dienste tun. Und tatsächlich wird bei der Wahl von Baumaterialien, der Anlage von Gärten und beim Pflanzen von Bäumchen immer mehr an die Ökologie gedacht. Aufs Dach soll später eine Solar- oder Fotovoltaikanlage. Dass die üppige Förderung der Vergangenheit schon längst eben jener angehört – ganz egal. Doch wie bitteschön sollen die vier Wände im Winter beheizt werden?
Gas? Auch ein fossiler Brennstoff und trotz wunderbarem Gasnetz nicht überall verfügbar. Wärmepumpe? Eine hohe Investition und auch nicht ganz frei von Folgekosten. Zusammen mit dem Nachbarn ein Blockheizkraftwerk bauen? Viel Spaß mit dem Versuch, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen. Und während all dieser Überlegungen wird die Ölheizung im Keller nicht jünger. Irgendwann wird sie die Vorgaben nicht mehr erfüllen. Soll sie noch vor 2026 ersetzt werden, solange es noch geht?
Immerhin: Was an Kohlendioxid aus bundesdeutschen Schornsteinen qualmt, hat erheblich Anteil an der Kohlendioxid-Bilanz. Deshalb soll der Ausstoß aller Ölheizungen bis 2030 um 40 Prozent reduziert werden gegenüber 2018. Bei etwa 5,4 Millionen Ölheizungen, die laut Schornsteinfeger-Innungen in Deutschland im Betrieb sind, würde nur die Erneuerung aller über 20 Jahre alten Anlagen eine Einsparung von 20 Prozent bringen, die Umstellung auf Gas nur wenig mehr, haben Fachleute ausgerechnet.
Das reicht aber nicht. Und es reicht auch Hausbesitzern nicht. Es fehlen echte Alternativen und deutlich vereinfachte Verfahren in den Genehmigungen, wenn Hauseigentümer innovative Lösungen wollen. Die generelle Verteufelung von Öl jedenfalls bringt nichts als Unsicherheit. Das Hilft dem Klima am wenigsten.