Die Mitarbeiter sind das Wichtigste: Mathias Thomas macht viel dafür, dass sich alle in seinem Unternehmen wohlfühlen.
Die Mitarbeiter sind das Wichtigste: Mathias Thomas macht viel dafür, dass sich alle in seinem Unternehmen wohlfühlen. | Foto: Fabry

Mathias Thomas

Vom Schülersprecher zum Mitarbeiter-Sprachrohr

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Mathias Thomas liebt Kunst. Zu Hause hat der geschäftsführende Gesellschafter des Softwaredienstleisters Dr. Thomas und Partner ein großes Ölgemälde hängen. Aber auch vor und in dem von der Vollack-Gruppe als Passivhaus gebauten Firmengebäude in Stutensee befinden sich viele Kunstwerke, unter anderem von Joachim Czichon. Thomas fördert und begleitet Künstler aus der Region.

Allerdings gibt er auch zu, selbst kein Künstler zu sein. „Höchstens im Umgang mit Menschen“, ergänzt er. Und das sieht man, wenn man beobachtet, wie herzlich er mit ihnen spricht. Er kann sich sehr gut in andere hineindenken und erkennt, wie es ihnen geht. Doch umgekehrt ist auch der sympathische Unternehmer selbst ein offenes Buch.

„Wir lösen Komplexität mit IT.“

Seit 2008 lenkt Mathias Thomas gemeinsam mit seinem älteren Bruder Simon die Geschicke des Familienunternehmens, das 1980 von seinem damals 40-jährigen Vater gegründet wurde und heute Lagerverwaltungssysteme erstellt. „Wir lösen Komplexität mit IT“, sagt Thomas.

Ideengeber und Netzwerker

Die beiden Brüder ergänzen sich perfekt. Mathias Thomas bringt neue Ideen ein. „Ich lebe nach meinem Bauch“, sagt der Jüngere. Er ist der Netzwerker. Sein Bruder agiert lieber im Hintergrund, ist analytischer und deshalb für die Finanzen verantwortlich.

Von der Diskette zur Datenbrille

Ihre Branche ist schon seit Jahren digitalisiert: Das hat 1990 mit Disketten angefangen, die noch per Post nach China geschickt wurden, und ist heute mit neuen Technologien wie Smartphones und Datenbrillen um ein Vielfaches fortgeschritten. An der Bedeutung hat sich ebenfalls einiges geändert. „Früher war Logistik ein ,Eh-da-Posten’, seit ein paar Jahren ist sie wertschöpfend am Projekt, weil der Kunde es nicht mehr akzeptiert, dass er ein Produkt später erhält“, so der Logistikfachmann.

Namhafte Firmen wie Bosch, Zalando oder Canyon zählen zu den Kunden der Software-Manufaktur, in der mittlerweile 130 Mitarbeiter arbeiten, einige davon schon seit mehr als 30 Jahren.

Work-Life-Balance ist wichtig

Ein Grund für diese geringe Fluktuation ist, dass die Mitarbeiter unheimlich viel erhalten: Vom Fitness-Studio, einer Tischtennisplatte, einem Kicker, diversen Ausflügen, Barcamps und Coachings über einen Smoker bis hin zu einem Platz für Boule gibt es auf dem Firmengelände einiges, das sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirkt.

„Die Mitarbeiter sind das Wichtigste. Ich bin das kleinste Licht“, erklärt der bodenständige Geschäftsmann. Für ihn war schon immer klar, dass er in die Fußstapfen des Vaters treten wird. Er ist ein Chef zum Anfassen und sucht den Kontakt zu seinen Kollegen: Jeweils um 10 und 15 Uhr wird gemeinsam in der Cafeteria Kaffee getrunken. Mittags wird gekocht. Außerdem gibt es regelmäßige Treffen, bei denen geschaut wird, was junge Menschen noch erreichen möchten und wie ältere Kollegen sich die Zeit später vorstellen oder ob sie dem Team weiterhin als Mentor erhalten bleiben möchten.

Fehler zulassen und Fehlerkultur aufbauen

Von Begriffen wie Arbeitszeit wird bei Dr. Thomas und Partner gar nicht gesprochen. Vielmehr von Projekten, die fertiggestellt werden müssen. „Wir arbeiten im Team, müssen uns auf alle verlassen können,“ weiß Thomas. Er möchte sich selbst in der Firma wohlfühlen, Fehler zulassen und eine Fehlerkultur aufbauen. „Schließlich ist man länger bei der Arbeit als im eigenen Bett.“ Große und spannende Projekte ermöglichen, damit man nicht immer das Gleiche neu machen muss, lautet ein weiteres Ziel des Unternehmers. Auch die Lehre müsse seiner Meinung nach deutlich verbessert werden. Um das zu erreichen, engagiere er sich als Dozent und Redner.

Geschäftsführer Mathias Thomas will eine Fehlerkultur in seiner Firma aufbauen und etablieren
Geschäftsführer Mathias Thomas will eine Fehlerkultur in seiner Firma aufbauen und etablieren | Foto: Fabry

Eigeninitiative und Engagement sind Eigenschaften, die er nicht nur von seinen Mitarbeitern fordert, sondern selbst bereits früh an den Tag gelegt hat: Im Alter von fünf Jahren begann er mit „tragenden Rollen“ im Unternehmen und trug Dinge von A nach B – für 6,20 Mark die Stunde. In der sechsten Klasse ging er dann allein ins Schulsekretariat des Karlsruher Helmholtz-Gymnasiums, um einen Abmeldebogen zu holen und aufs Heisenberg-Gymnasium zu wechseln, wo sein älterer Bruder bereits zur Schule ging und er später Schülersprecher wurde.


Glaube an Karma und Buddhismus

„Ich bin von der Sonne geküsst“, sagt der Ingenieur und gibt zu, dass er Glück gehabt hat. Der 42-Jährige ist begeistert davon, möchte in keinem anderen Land leben, weil man hier alle Möglichkeiten hat. Er ist ein euphorischer Mensch, den man schnell für eine Sache gewinnen kann. Er glaubt an Karma, ist dem Buddhismus zugeneigt und erinnert sich immer daran, dass er im Leben nicht zu laut sein möchte.

Seit Januar lebt Thomas besonders bewusst und achtsam – mit Dingen wie Personaltrainer oder Ingwer-Zitronengras-Tee, um gegen Bandscheibenprobleme anzukämpfen und wieder fit zu werden. Sport fällt ihm glücklicherweise leicht: Früher hat er Handball gespielt oder war Klettern. Heute fährt er Fahrrad-, Ski- oder Snowboard. „Ich war topfit, bis das erste Kind gekommen ist“, blickt Thomas zurück, der eine ehemalige Profisportlerin im Wasserski zur Frau hat und mittlerweile Vater von zwei Töchtern ist.

DJ bei den Geburten seiner Töchter

Bei den Geburten zeigte Thomas ein anderes Talent: Er avancierte zum DJ und legte die Wunschlieder seiner Frau auf. „Meine Frau und ich sind ein gutes Team. Sie ist mein Ruhepol. Die Familie ist mein Mittelpunkt und mein größtes Hobby“, sagt er glücklich. Seine Frau habe er zum richtigen Zeitpunkt kennengelernt, als er 100 Stunden pro Woche gearbeitet und alles übertrieben hätte. In der Regel hält er sich daran, gegen 17.30 Uhr in den Feierabend zu gehen. „Ich arbeite immer noch gut und viel, aber nicht zu viel. Ich möchte Zeit mit der Familie verbringen und mit meinen Kindern toben“, sagt er mittlerweile ganz entspannt. Ähnlich wichtig sind dem geselligen Familienvater seine Freunde. In seinem „ausgezeichneten“ Freundeskreis gebe es nur wenige Unternehmer, dafür die unterschiedlichsten Berufe von Krankenpfleger bis Schauspieler. Die Freunde holten ihn immer wieder runter. Viele davon habe er schon seit über 20 Jahren. Einige arbeiteten sogar in seinen Tochterunternehmen. Wenn sie sich in der Freizeit treffen, nimmt sich Thomas bewusst zurück.