Tausende von Zuschauern findet heutzutage Gaming. Unser Archivbild zeigt den E-Sport-Event „ESL One Hamburg“.
Tausende von Zuschauern findet heutzutage Gaming. Unser Archivbild zeigt den E-Sport-Event „ESL One Hamburg“. | Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Vortrag in Weingarten

Gamerin Melek „m3lly“ Balgün hat sich im E-Sport durchgesetzt

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„Nichts für Mädchen“: Mit diesem Vorurteil in puncto Computerspiele sah sich Gamerin Melek „m3lly“ Balgün als Schülerin konfrontiert. Von wegen: Balgün hat sich durchgesetzt und Counter-Strike bei nationalen und internationalen Turnieren gespielt. Über ihre Erfahrungen hat sie jetzt in Weingarten einen Vortrag gehalten.

Von unserem Mitarbeiter Rüdiger Homberg

Größer hätten die Unterschiede in Weingarten kaum sein können. Einerseits das in den Felsen gehauene Gewölbe, andererseits das höchst aktuelle Thema. Eine Ritterrüstung, antike Waffen und ausgestopfte Tiere an der Wand, dazwischen der große Flachbildschirm.

Einerseits die Mitglieder der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe und des zugehörigen Freundeskreises, die kulinarische Köstlichkeiten genossen, andererseits die 31 Jahre alte Gamerin, Journalistin und Moderatorin, die den Gästen in der alten Brauerei erzählte, was es mit E-Sport, Gaming und ähnlichen Themen auf sich hat.

Vorurteile in der Informatik-AG

Melek „m3lly“ (sprich: Melly) Balgün war in der neunten Klasse in der Informatik-AG ihrer Kölner Schule. Sie stammt aus einer sehr technikaffinen Familie und hat sich deshalb schon früh für Computerspiele interessiert.

Die Jungs in dieser AG hatten aber behauptet, das sei „nichts für Mädchen“. Denen wollte sie es zeigen. So hat sie mit ihrem Bruder zu Hause an zwei Computern gespielt. Und natürlich gegen ihn gewonnen. Diesen Sieg konnte sie dann auch bei der nächsten AG-Sitzung gegen ihre Mitschüler feiern. Und so reifte schnell der Entschluss, aus der Leidenschaft mehr zu machen.

Profispielerin Melek „m3lly“ Balgün spricht bei den Wirtschaftsjunioren über Gaming und E-Sport.
Profispielerin Melek „m3lly“ Balgün spricht bei den Wirtschaftsjunioren über Gaming und E-Sport. | Foto: Rüdiger Homberg

Erster Profivertrag im Jahr 2004

2004 unterzeichnete „m3lly“ ihren ersten Profivertrag, der es ihr ermöglichte, auf Turniere zu fahren, Zuschüsse zu Reise- und Hotelkosten und gelegentlich ein kleines Taschengeld zu bekommen.
Seinerzeit waren Veranstalter stolz, wenn sie in kleinen Sälen ein paar Zuschauer zusammen bekommen haben, die sich dafür interessierten, wie einige Gamer gegeneinander spielten und sich über Siege freuten.

Heute, so berichtete Balgün, füllt die Gaming-Szene die größten Hallen und Arenen. Die Kölnerin ist etwa stolz darauf, dass beim Turnier „ESL One Cologne 2019“ alle 15.000 Plätze der Kölner „Lanxess-Arena“ besetzt waren, mit heißerer Atmosphäre als bei Eishockey-Spielen der Kölner Haie.

Feinmotorische Abläufe

Heute ist Gaming und E-Sport ein Millionengeschäft. Die – ganz wenigen – besten Spieler können es auf Monatseinkommen von bis zu 35.000 Dollar bringen, wie Melek Balgün im Gespräch anmerkte.

Ihr eigenes Spiel sind die verschiedenen Ausgaben von Counter-Strike. Ein Game, das die perfekte Beherrschung feinmotorischer Abläufe und strategisches Denken wie etwa beim Schach erfordere.