Fakten klar vor Augen führen sollte eine Begehung von Elisabethenwört mit Ulli Hockenberger, Stefan Martus, Joachim Kößler, Peter Hauk und Ute Göbelbecker (von links). | Foto: Alexander Werner

Peter Hauk auf Elisabethenwört

„Katastrophenfall darf nicht alles bestimmen“

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„Jetzt ist es wichtig, Tacheles zu reden und mit Fakten deutlich zu machen, worum es geht.“ So formulierte Ulli Hockenberger das Ziel einer vom Bootshaus Huttenheim ausgehenden Tour durch Elisabethenwört, die er gemeinsam mit Joachim Kößler initiiert hatte. Einen Schwerpunkt legten die beiden CDU-Landtagsabgeordneten der Wahlkreise Bruchsal und Bretten auf die Landwirtschaft. Dafür hatten sie den zuständigen Landesminister Peter Hauk eingeladen. In dessen Ressort fällt auch der Forst, der ebenso stark im Fokus stand.

Massiver Widerstand

Die Hintergründe waren klar. Seit dem Entscheid des Regierungspräsidiums im Februar, bei Elisabethenwört allein mit der Variante einer „Kleinen Dammrückverlegung“ ins Planfeststellungsverfahren für den Rückhalteraum zu gehen (wir berichteten), regt sich massiver Widerstand in den betroffenen Kommunen Philippsburg und Dettenheim einschließlich der dortigen Bürgerinitiativen „Wir sind Heimat“ und „Rußheimer Altrhein“.
Die Gemeindeoberhäupter Stefan Martus und Ute Göbelbecker untermauerten im Werben um politische Unterstützung nochmals ihr Votum gegen die in „einsamer und undemokratischer Entscheidung von oben herab“ auserkorene Variante für einen gesteuerten Polder. Hockenberger erläuterte, dass er sich mit Kößler bei Staatssekretär André Baumann im „grünen“ Umweltministerium bemüht habe, eine Gesprächsbasis mit allen Beteiligten zu eröffnen. Letzter Stand sei, dass diese Möglichkeit verwehrt werde. Argumentiert worden sei, dass es viele Verfahren gebe und man nicht mit jedem reden könne.

Alternativen sollen Gewicht erhalten

Landwirtschaftsminister Hauk indessen hob hervor, dass es eine Diskussion um Varianten und entsprechende Vorschläge im Verfahren geben müsse. Der Landwirtschaft komme dabei eine bedeutsame Rolle zu. Er sei sicher und optimistisch, dass Alternativen Gewicht erhalten würden. Wie die Landtagsabgeordneten und die kommunalen Vertreter bekräftigte er, dass der Hochwasserschutz maßgeblich sei, wenn es darum gehe, Retentionsräume zu schaffen. Entscheidend sei, die Hochwasserspitze zu kappen. Man müsse für den Katastrophenfall planen, aber dieser dürfe nicht alles bestimmen. Die Frage, welcher Nutzen dem Naturschutz entstehe, müsse in der Variantendiskussion überzeugend beantwortet werden. Er werde sich in Fachaufsicht seines Ministeriums darum kümmern, dass die Belange der Land- und Forstwirtschaft ebenso geprüft werden.

Hochwertige Bestände im Naturschutzgebiet

Im Gebiet bewirtschaften drei Landwirte 200 Hektar Fläche ökologisch. Dass sie ihre Existenzgrundlage verlören, war ein Argument. Die Vorstellung, den höher gelegenen Wald in einen Auenwald umzuwandeln, hatte Stefan Martus als topografisch unsinnig und „realitätsfernen Trip“ des Umweltministeriums bezeichnet. Berücksichtigt werden müssten nicht nur Maximal-, sondern auch Minimalwasserstände. Wie das Wasser den höheren Wald erreichen sollte, wertete Hauk in einer für ihn schlüssigen Argumentationskette als spannenden Punkt, der gleichermaßen zu klären sei. Revierförster Christian Hautz beschrieb neben den Folgen für den Wald mit perspektivisch nur 15 Prozent verbleibenden Weichholzbeständen auch die extrem hochwertigen Bestände von Pflanzen und Tieren im Naturschutzgebiet.

 

Alexander Werner