Ein echtes Schwergewicht: Ein Ochsenfrosch kann bis zu 20 Zentimeter groß und bis zu einem Kilo schwer werden. Weil er sehr gefräßig ist, rücken ihm Experten mit der Waffe auf den Leib. | Foto: Franz Lechner

Spezialisten auf der Jagd

Mit der Schrotflinte gegen den Ochsenfrosch

Anzeige

Als er kurz nach der Jahrtausendwende in den Rheinauen auftauchte, machte das bundesweit Schlagzeilen. Schüler aller Altersklassen warfen im Biounterricht einen Blick auf den grünen Koloss. Tierschützer sorgten sich um die einheimischen Amphibien: Der Nimmersatt, der seit 2016 auf der EU-Liste der invasiven Art zu finden ist, frisst alles, was ihm vor das Großmaul kommt: Mäuse, Fische, Schlangen. Der Ochsenfrosch war in aller Munde.

Mit Elektrokescher gegen die Kaulquappen

Zunächst rückte man seinen faustgroßen Kaulquappen mit Elektrokeschern auf den Leib. Den großen Exemplaren, die bis zu 20 Zentimeter lang und gut ein Kilo schwer werden können, ging man mit Pfeil und Bogen sowie dem Blasrohr an den Kragen. All das half nicht wirklich. Vor ziemlich genau zwei Jahren berichteten die BNN dann, dass künftig auch auf den Einwanderer geschossen werden sollte. Was ist seitdem aus ihm geworden? Und wie erfolgreich ist die Jagd auf den Ochsenfrosch?

Erfahrungen aus Frankreich

„Seit Sommer 2017 bekämpfen wir den Ochsenfrosch mit Schrot“, berichtet Silke Schweitzer, beim Regierungspräsidium im Referat für Naturschutz und Landschaftspflege tätig. Die Entscheidung der Behörde, auf den Ochsenfrosch schießen zu lassen, basiere auf guten Erfahrungen, die die Nachbarn in Frankreich mit dieser Methode gemacht haben. „Dort gibt es sogar Gewässer, die wieder frei von Ochsenfröschen sind“, sagt Schweitzer.

Spezialisten mit dem Abschuss beauftragt

Das Regierungspräsidium hat Spezialisten mit dem Abschuss beauftragt. „Unsere Biologen haben einen Jagdschein, die erforderlichen Waffen und spezielle Munition.“ Gejagt wird von Mai bis Oktober. Wenn es die Finanzierung des Landes zulässt, wird im nächsten Jahr vielleicht schon im April begonnen. Die Biologen machen sich in den Nachtstunden auf, die Baggerseen rund um Eggenstein-Leopoldshafen und Linkenheim-Hochstetten abzufahren, folgen dem dröhnenden Quaken der balzenden Ochsenfrosch-Männchen und versuchen dann, so viele Exemplare – Männchen, Weibchen, Jungfrösche – wie möglich zu erlegen. Andere Lebewesen kommen dabei nicht zu Schaden.

Der Ochsenfrosch ist schwer zu bekämpfen

Illusionen bezüglich des Ochsenfrosches macht sich Silke Schweitzer aber nicht. „Natürlich wollen wir den Ochsenfrosch langfristig aus den Baggerseen vertreiben. Kurzfristiges Ziel muss aber sein, seine Verbreitung zu unterbinden. Es wird schwierig bleiben, ihn zu bekämpfen“, sagt sie. Das liegt auch daran, dass der Ochsenfrosch seinen Laich – anders als heimische Froscharten – nicht an die Pflanzen im Uferbereich heftet. Er legt den Laichklumpen zwar am Ufer ab, der driftet dann aber ins Wasser. Das macht es fast unmöglich, ihn abzusammeln.

Auch eine Tauchgruppe ist unterwegs

„Es ist aber weiterhin eine Tauchgruppe unterwegs, die Kaulquappen und auch Jungfrösche aus den Seen entnimmt“, sagt Silke Schweitzer. Außerdem fährt ein Biologe die Seen in den angrenzenden Gemeinden ab, um sicherzugehen, dass sich der Ochsenfrosch nicht weiter ausbreitet. „Vor kurzem hatten wir eine Sichtung am Baggersee Giesen in Dettenheim. Da haben wir dann sofort eingegriffen“, so Schweitzer. Maßgeblich sei, dass der Ochsenfrosch nicht von Menschenhand in andere Gewässer umgesiedelt werde. „Das wäre fatal“, sagt sie.
Zu guter Letzt hoffen die Experten auf Hilfe aus der Tierwelt: „Wir hatten zuletzt auch Frösche, die aussahen, als ob ein Reiher oder Ähnliches auf sie eingehackt hätte. Wir hoffen, dass sich die Vögel mit den Ochsenfröschen vielleicht eine neue Nahrungsquelle erschließen. Wir glauben, dass es irgendwelche Fressfeinde geben muss, sonst wäre die Population wohl noch größer.“