In dunkelblau und weiß gehalten sind die Räume in der Tierklinik Weingarten. Am Empfang: Amelie Grossmann, daneben Klinikchef Christian Nees. | Foto: Kampf

Zehn Tierärzte vor Ort

Weingartener Tierklinik heilt Bello und Mieze

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Über 34 Millionen Haustiere leben in deutschen Haushalten, darunter etwa elf Millionen Katzen. Nicht selten ersetzen Bello und Mieze und andere Vierbeiner fehlende Freunde. Die wachsende Zahl hat zur Folge, dass die Nachfrage nach medizinischer Versorgung der Vierbeiner von Jahr zu Jahr steigt. Das spürte auch Christian Nees, der seit über drei Jahrzehnten eine Tierarztpraxis in Weingarten betreibt.

„Wir hätten unsere Praxis am bisherigen Standort erweitern können, aber das wäre nur Stückwerk geblieben“, erzählt Nees beim Rundgang durch den Neubau auf der grünen Wiese, Am Eisweiher. Hier, am Rande eines Gewerbegebietes, ließ der Veterinär eine 1.200 Quadratmeter große Tierklinik hochziehen, die zur AniCura-Gruppe gehört. „Wir haben keinen Nachfolger“, sagt Nees, „und haben deshalb vor drei Jahren unsere Praxis in der Bahnhofstraße verkauft.“

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Tierklinik gehört zum weltweiten Verbund AniCura

Der Vorteil von AniCura, Anbieter für die Versorgung von Haustieren mit weltweit 4.000 Tierkliniken, darunter 50 in Deutschland, ist laut Nees, dass „wir uns komplett auf unsere Kompetenz als Tierärzte konzentrieren können“. Die Unternehmensgruppe ist auch für die technische Ausstattung zuständig – und hat dem Weingartener Diagnostik-Experten etwa ein hochmodernes MRT bewilligt. „Das hat nicht jeder, da sind wir besonders stolz drauf.“

 

Für Christian Nees ist die so genannte Bildgebung, also Diagnose mittels modernster Geräte, enorm wichtig. | Foto: Kampf

Hell und freundlich ist der Empfang, wenn man die Tierklinik betritt. Von dort geht es mit Bello, Mieze und Co in verschiedene Wartezimmer. Der für die Katzen ist mit stressmindernden Kuscheldecken ausgestattet, die spezielle Duftstoffe enthalten. Vorteil: Die Katze wird auch bei den Behandlungen mit gleich riechenden Decken versehen und hat dadurch weniger Angst. Und vor allem sieht sie keinen Hund, denn der ist mit Herrchen oder Frauchen in einem eigenen Wartezimmer mit TV.

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Logischerweise dürfen die beiden Behandlungsräume für Katzen auch nicht nach Hund riechen, weshalb es auch für diese zwei eigene Behandlungsräume (inklusive einer Kardiologie) gibt.

 

Hunde und Katzen werden streng getrennt voneinander behandelt. | Foto: Kampf

Das Haus bietet zudem einen großen Physiotherapiebereich mit Unterwasser-Laufband, eine zahnärztliche Abteilung und einen Tierfutter-Shop mit Ernährungsberatung. „Alles wurde so geplant, um das Stresslevel von Tier und Tierhalter zu reduzieren“, erklärt Nees. „Weniger Stress bedeutet größeres Wohlbefinden der Tiere – die stehen schließlich im Mittelpunkt.“

Für Hunde mit Gelenkproblemen gibt es in der physiotherapeutischen Abteilung ein Unterwasser-Laufband. Mit im Bild: Physiotherapeutin Ilka Voegeding. | Foto: Kampf

Mich nimmt jedes Schicksal mit, vor allem, wenn man das Tier jahrelang kennt.

Christian Nees, Tierarzt

Dazu zählt auch die liebevoll eingerichtete Euthanasie-Abteilung. Einem leidenden Tier die erlösende Medizin zu verabreichen, fällt dem erfahrenen Tierarzt auch heute noch schwer. „Mich nimmt jedes Schicksal mit, vor allem, wenn man das Tier jahrelang kennt.“ Allerdings gibt es auch  Besitzer, die wollen, „dass wir ihr Tier einschläfern, weil es ihnen zu viel Mühe macht. Das machen wir aber nicht, sondern reden mit den Leuten. Oftmals mit Erfolg“.

Wenn Bello oder Mieze die erlösende Spritze bekommen haben, gibt es viele liebevolle Möglichkeiten des Andenkens. | Foto: Kampf

Gut ein Jahr haben Planung („Das haben wir nach unseren Bedürfnissen selbst geplant“) und Bau der Tierklinik in Anspruch genommen. Ein Team von 30 Mitarbeitern, davon zehn Tierärzte, arbeitet hier sieben Tage die Woche – auch an Feiertagen. Im Schnitt werden zwischen 50 und 100 tierische Patienten pro Tag behandelt, erläutert der Chefarzt.

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Etwa jedes sechste Tier hat eine Hautkrankheit, weiß Nees, auch wenn viele mit anderen Symptomen kommen. Haben die Tiere entzündete Ohren, kann das oft auf eine Allergie hindeuten. „Das kann alles mögliche sein, eben, was wir Menschen auch haben.“ Bei der Desensibilisierung von Tieren liege übrigens die Erfolgsquote mit um die 80 Prozent deutlich höher als beim Menschen. Die Tiere sollten so früh wie möglich behandelt werden, denn die meisten „Allergikerkarrieren“ würden am Ende des ersten Lebensjahres beginnen.

Viele futtermittelbedingte Erkrankungen

Hinzu kommen zunehmend futtermittelbedingte Erkrankungen. Schwein, Rind und Huhn seien am unverträglichsten, es werde vermehrt Reh, Känguru oder Rentier als Futter nachgefragt, sagt Nees. Zur Tierklinik gehört denn auch neben einer Apotheke eine Abteilung mit Ernährungsberatung.

 

Blick in einen der beiden OP-Säle. | Foto: Kampf

So ausführlich die Diagnose und so modern die Therapie – Tiermedizin hat ihren Preis: Da kann ein angefahrenes Kätzchen mit doppeltem Beckenbruch schon mal 1.500 Euro kosten. Eine Augen-OP kostet zwischen 400 und 800 Euro. Will ein Besitzer ein MRT für sein Meerschweinchen, werden 200 Euro fällig; Katzen und Hunde sind teurer, weil sie dafür narkotisiert werden müssen.

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Nur wenige haben eine Tierkrankenversicherung

Im Gegensatz zu England mit 75 Prozent haben in Deutschland nur etwa 15 Prozent eine Tierkrankenversicherung, sagt Nees. „Das verstehe ich nicht. Ich würde das jedem Besitzer raten, schon wenn er einen Welpen hat.“

Tag der offenen Tür
Das Kleintierzentrum in Weingarten, Am Eisweiher 11, öffnet am Samstag, 7. März, von 11 bis 16 Uhr seine Pforten. Tierbesitzer werden gebeten, ihre Tier in diesem Zeitraum nicht mit in die Klinik zu bringen, um Stress zu vermeiden.