Muhammad Shikani ist im dritten Lehrjahr in seiner Ausbildung zum Koch am Campus Nord.
Muhammad Shikani ist im dritten Lehrjahr in seiner Ausbildung zum Koch am Campus Nord. | Foto: Manzey

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Muhammad Shikani aus Syrien lernt am KIT kochen

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Köche gibt es nur in Restaurants oder Hotels? Weit gefehlt: Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bildet am Campus Nord in Eggenstein-Leopoldshafen auch Köche aus. Einer davon ist Muhammad Shikani. Der 32-Jährige kam im August 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Aktuell ist er im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Koch. Muhammad Shikani spricht über die Ausbildung zum Koch.

„Kochen hat mir schon immer Spaß gemacht, sagt Shikani. Sein Bruder hat ebenfalls Koch gelernt. Seit 1994 lebt der in Saudi-Arabien und hat dort in verschiedenen Hotels gearbeitet. Von seinem Bruder bekam er auch den ein oder anderen Tipp, welche Aromen beziehungsweise Geschmacksrichtungen sich besonders gut kombinieren lassen.

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KIT-Küche ist international

Die Zusammenarbeit in der KIT-Küche funktioniere gut, sagt Shikani. 15 Nationalitäten arbeiten dort zusammen. Gemeinsam kochen sie pro Tag 2.000 Essen für die Mitarbeiter, Studierenden und Doktoranden – immer fünf Hauptgerichte, dazu Suppe, Dessert und ein Salatbuffet. Shikani durchläuft dabei die Herstellungsprozesse aller Lebensmittel, wie jeder andere Auszubildende auch.

Am Anfang hatte er Probleme mit der Sprache. Man habe sich eben mit Händen, Füßen oder auf Englisch verständigt. Zum Glück ist die Küchensprache sehr international. So gibt es beispielsweise zahlreiche Ausdrücke, die aus dem Französischen stammen. Neben Arabisch spricht Shikani auch Kurdisch, Englisch, Deutsch und versteht auch etwas Türkisch.

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Shikani begann als Praktikant

Zu Beginn machte er am KIT ein Praktikum in der Küche. Seine Ausbilder stellten schnell fest, dass Muhammad eine natürliche Affinität zu Lebensmitteln und zum Kochen hat. Aus dem Praktikum wurde die Einstiegsqualifikation für Geflüchtete (EQ), die bei Shikani von Februar bis September 2017 dauerte. Im September des gleichen Jahres begann er seine Ausbildung als Koch. Er ist der erste Geflüchtete in der KIT-Kantine.

Shikanis Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr und endet um 15 Uhr. An den Wochenenden müssen die Köche des KIT nicht arbeiten, außer es finden Sonderveranstaltungen statt. Das sei ein Vorteil der Arbeit am KIT im Vergleich zu anderen gastronomischen Betrieben.

Bezahlt wird Shikani nach dem Tarifvertrag der Länder im Öffentlichen Dienst. Auszubildende im ersten Lehrjahr verdienen nach aktuellem Stand rund 1.000 Euro brutto im Monat. Als Azubi im dritten Lehrjahr erhält Shikani rund 1.150 Euro. Seit dem zweiten Lehrjahr besucht er die Berufsschule in Calw. Im ersten Lehrjahr findet der Theorie-Unterricht noch in Karlsruhe statt.

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Speisepläne stehen drei Wochen im Voraus fest

Sich in die deutsche Küche einzufinden, sei für ihn nicht schwer gewesen, sagt Shikani. Ihm schmeckt deutsches Essen, außerdem sei das Speisenangebot am KIT sehr international. Besonders gern arbeite er mit Fisch und Gemüse, verrät er. Aber grundsätzlich mag er alle Lebensmittel. Neben der Arbeit in der Küche hilft Shikani auch an den verschiedenen Ausgabe-Countern. Dort erhält er auch direktes Feedback von den hungrigen KIT-Angehörigen.

Der Speiseplan in der KIT-Kantine steht in der Regel bereits drei Wochen im Voraus fest. Im vergangenen Jahr hat Shikani gemeinsam mit einer KIT-Instituts-Mitarbeiterin eine persische Woche veranstaltet und so ein Stück Kulinarik seines Heimatlandes nach Eggenstein-Leopoldshafen gebracht.

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Sein Ziel: ein eigenes Restaurant eröffnen

Nach seiner Ausbildung möchte Shikani sich zum Küchenmeister weiterbilden. Sich die praktischen Kenntnisse anzueignen, falle ihm nicht so schwer, sagt er. Vieles lernen die angehenden Köche durchs Zusehen und Nachmachen. Nur mit der Theorie hapert es aufgrund der Sprache noch etwas. Später würde Shikani gern ein eigenes Restaurant eröffnen.

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