unterricht per Laptop, wie hier Querflötenlehrerin Laura Paulu von der Jugendmusikschule Bretten mit einer ihrer Schülerinnen, ist zurzeit beim Musikverein „Freundschaft“ in Berghausen angesagt. | Foto: pr

Unterricht per Skype

Musiker üben in der Corona-Krise den Umgang mit digitalen Medien

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Egal ob Fußball, Handball oder Musik – das Coronavirus hat das Vereinsleben weitestgehend lahmgelegt. Von abgesagten Proben und Auftritten erzählt Katrin Bonnal, die beim Musikverein Lyra in Eggenstein für die Jugendarbeit und die musikalische Arbeit zuständig ist.

110 bis 120 Kinder und Jugendliche werden in dem Verein unterrichtet, begonnen bei der musikalischen Früherziehung über Blockflötenunterricht bis hin zur weiterführenden Ausbildung an den Blasinstrumenten und am Schlagzeug. Doch der Unterricht mit den Musiklehrern kann zurzeit nicht in gewohnter Weise nicht stattfinden.

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Die Lösung des Problems? Die derzeitige Situation bringt nicht nur Schulen oder Unternehmen dazu, digital zu denken, sondern auch Vereine. Der MV Lyra fängt dort bei den ganz Kleinen an, die mit Arbeitsblättern versorgt werden und dann Rückmeldung per Bild, Voicemail oder kleinen Filmchen geben, erklärt Bonnal.
Weiter geht’s bei den Blockflötenkindern. Dort sei man dabei, ein Online-Modul zu entwickeln. De facto eine Art Video-Tutorial, wie man es von der Plattform Youtube kennt, in dem die Kinder Noten oder Rhythmus lernen.

Unterricht über neue Medien funktioniert gut

Bei den weiterführenden Instrumenten funktioniere der Musikunterricht „weitestgehend über Skype“, wie Bonnal berichtet – also Videotelefonie. Das klappe soweit gut, obwohl nicht alle Lehrkräfte mit dabei seien. Allerdings gebe es auch da verschiedene Stadien – während beispielsweise der Drummer Circle in Neureut ab der ersten Woche der Schulschließung mit einem digitalen Unterricht begonnen habe, zögen die Musikschulen erst jetzt nach.

Gute Resonanz auf digitales Angebot

Und die Rückmeldung? „Mein Sohn findet es großartig“, sagt Bonnal. Aber auch sonst sei die Resonanz auf das Angebot gut. Durch die gute Bild- und Tonqualität ließen sich unter anderem Auffälligkeiten im Ansatz erkennen. „Es ersetzt den Einzelunterricht nicht ganz, aber es ist eine super Alternative, damit die Kinder ihrem Hobby nachgehen können“, sagt sie.
Ob der digitale Unterricht eine Zukunft hat, ist sie skeptisch. Bei einem Hobby spielten Sozialkontakte eine große Rolle. Über alle Orchester des Vereins hinweg seien Auftritte abgesagt worden. „Proben werden wir erst wieder, sobald das Kontaktverbot gelockert wird und sich wieder 40 bis 50 Leute in einem Raum treffen dürfen“, betont Bonnal.

Verwaltungsarbeit läuft digital

Digital wird derzeit in der Verwaltung des Musikvereins Freundschaft in Berghausen (MVFB) gearbeitet. Die vergangene Sitzung des Hauptvorstands am 16. März habe als Online-Meeting stattgefunden, erzählt der Vorsitzende Stefan Wippert. „Die nächste Online-Sitzung ist für den 19. April terminiert“, sagt er. Anders als in Eggenstein kann die musikalische Früherziehung in Berghausen zurzeit nicht online beziehungsweise digital weitergeführt werden. Die Beiträge dafür habe man ausgesetzt.
Ebenso hat das Coronavirus dem Start der Bläserkids, dem Schülerorchester des Vereins, einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Allerdings wird der Einzelunterricht beim MVFB über Skype organisiert. Sowohl die Ausbilder der Jugendmusikschule Bretten, mit denen der Verein zusammenarbeitet, als auch die vereinseigenen Ausbilder setzen auf den digitalen Unterricht. „Nach ersten Gehversuchen klappt diese Methode erstaunlich gut und hält das musikalische Niveau der Schüler hoch“, so Wippert. Der Ton und die Tonqualität über Videotelefonie seien gut, die Korrekturen, die die Lehrer zu Ansatz und Grifftechnik geben, seien über dieses Medium ebenfalls sehr gut machbar. Der Musikverein sei ebenfalls dabei, „vermehrt die sozialen Medien zu füttern, damit die Leute auf dem Laufenden bleiben“.

 

Für mehr als fünf bis sechs Personen ist das nicht machbar.

Stefan Wippert, Vorsitzender MV Freundschaft Berghausen

Zu Beginn der Initiative habe man sich die Frage gestellt, wie man die Probenarbeit des Vereins aufrechterhalten könne. „Für mehr als fünf bis sechs Personen ist das nicht machbar“, urteilt der Vorsitzende über die Arbeit mit den Neuen Medien – allein schon wegen der Bandbreite und der verschiedenen technischen Voraussetzungen.

Dirigentinnen verschicken Mails

Aber: Beim Jugendorchester gibt es für die Musikerinnen und Musiker von Jugenddirigentin Katrin Denner eine Mail mit den Musikstücken, die geübt werden sollen, und dazu Hörbeispiele, die man auf Youtube findet. Und beim großen Orchester setzt Dirigentin Evelyn Majewski ebenfalls auf Mails, damit die Musiker fit bleiben. Darin enthalten sind Tipps zu Technik und zur Tonkultur und „Hörbeispiele für die Stücke unseres Herbstkonzerts im November“, so Wippert. Ein Konzert im Herbst, für das die Musiker bereits proben. Das Steinwiesenfest in Berghausen jedoch, das unter normalen Voraussetzungen vom 20. bis zum 22. Mai stattfinden würde, steht kurz vor der Absage, sagt der Vorsitzende des Musikvereins.