Bald sind wieder die Sternsinger unterwegs: So motiviert wie diese Jungs und Mädchen hier auf diesem Bild sind Kinder und Jugendliche aber nicht überall. Immer weniger von ihnen wollen – auch in der Region – in die Rolle der Heiligen Drei Könige schlüpfen, die als Sternsinger Segen und Gesang an die Haustür bringen.   | Foto: Carsten Rehder/dpa

„Begeisterung hat abgenommen“

Sternsinger: Immer weniger Kinder wollen mitmachen

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Als Caspar, Melchior und Balthasar durch die Straßen zu ziehen und mit Liedern und Gebeten Segen zu überbringen hat lange Tradition. In vielen Gemeinden ist es allerdings gar nicht so einfach, den Brauch der Heiligen Drei Könige zu erhalten. Denn Caspar, Melchior und Balthasar haben es schwer, Nachfolger für die Sternsinger zu finden – auch im Gebiet der BNN-Hardtausgabe.

„Die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen hat abgenommen“, sagt Johanna Wurz. Gemeinsam mit Amelie Fetzner betreut sie die Sternsinger-Aktion in Linkenheim-Hochstetten. „Vergangenes Jahr hatten wir etwa 20 Teilnehmer, sodass wir sechs Gruppen mit je drei Kindern aussenden konnten“, berichtet die 18-Jährige, die selbst auch noch als Sternsinger unterwegs ist. „Jedes Haus zu besuchen ist dann schon eine Herausforderung.“

Früher konnte jedes Haus besucht werden

„Früher konnte jedes Haus besucht werden“, weiß Pastoralreferent Thomas Trzebitzky, der die Dreikönigsaktionen in Pfinztal organisiert. „Heute besuchen wir nur die, die etwas damit anfangen können und es wollen“, sagt Trzebitzky, fügt aber hinzu: „In der jüngeren Vergangenheit wünschten sich allerdings wieder immer mehr Familien, wieder besucht zu werden.“ Im Allgemeinen sei er zufrieden mit der Situation in den vier Gemeinden, die gesammelten Spenden hätten rückblickend eher zugenommen.

Sternsinger sammeln Geld für Hilfsprojekte

„In diesem Jahr geht das Geld an ein Hilfsprojekt, das in Peru Kinder und Jugendliche mit Behinderung unterstützt, aber auch anderen Projekten kommt die Spende zu Gute“, erklärt Johanna Wurz. Wie viele Sternsinger am 6. Januar in Linkenheim-Hochstetten laufen würden, wisse man erst bei den Proben am 4. und 5. Januar. Das Problem sieht Wurz nicht in der Begeisterung der jüngeren Kinder, sondern mehr durch das Fehlen der Älteren ab 14 Jahren, die eine solche Aktion leitend unterstützen und kleinere Gruppe führen könnten, verdeutlicht sie. „95 Prozent der Sternsinger bei uns sind Ministranten“, macht Johanna Wurz deutlich.

Ministranten und Erstkommunionkinder

Den Großteil der Sternsinger decken auch in den anderen Orten Ministranten und Erstkommunionkinder ab. Dass die Erstkommunionkinder in Eggenstein-Leopoldshafen nicht mehr zum Sternsingen verpflichtet sind, ist laut Koordinator Jean-Pierre Messmer ein Grund dafür, dass dort die Zahl der Kinder und Jugendlichen abnimmt. Zehn bis 15 Kinder werden wohl unterwegs sein. Am 2. und 3. Januar in Leopoldshafen, am 4. und 5. Januar in Eggenstein. Ein erstes Treffen der Sternsinger gibt es laut Messmer am 23. Dezember um 12 Uhr in der katholischen Kirche in Leopoldshafen.

Es hängt stark von der Meinung der Eltern ab

„Ich denke es ist aber auch ein generelles Problem. Es besteht weniger Interesse an Jugendvereinigungen, das sieht man ebenso bei Pfadfindergruppen“, meint Jean-Pierre Messmer. „Oft wollen auch die Eltern nicht, dass ihre Kinder so viel zu tun haben“, fügt der Leiter der Ministtranten in Eggenstein-Leopoldshafen hinzu. Das bestätigt Thomas Trzebitzky, Pastoralreferent aus Pfinztal: „Es hängt stark von der Meinung der Eltern zu diesem Thema ab, ob Kinder sich dazu entscheiden.“ Die Besonderheit im Pfinztal sei, dass die Erstkommunion nur alle zwei Jahre gefeiert werde. Deshalb sei in den Jahren dazwischen mit weniger Beteiligung zu rechnen.

In Graben-Neudorf viele Sternsinger unterwegs

Ein anderes Bild bietet sich in Graben-Neudorf, wo laut der Verantwortlichen Silke Dworschak allein im Ortsteil Neudorf 36 Teilnehmer unterwegs sind. Auf Probetermine wird hier verzichtet, da die Gruppen schon fertig zusammengestellt seien und der Ablauf allen klar wäre. Unterwegs sind die Sternsinger in Graben-Neudorf am 5. Januar.

„Werbung“ im Religionsunterricht

In allen Gemeinden soll durch Werbung im Religionsunterricht der Schulen die Beteiligung gesteigert werden. Auch Kinder anderer Konfessionen dürfen sich den Sternsingern anschließen. „Außerdem fragen wir bei Familien nach, deren Kinder schon mal mitgemacht haben, ob sie uns wieder unterstützen“, sagt der Pfinztaler Pastoralreferent Thomas Trzebitzky.

Info: Kinder, die bei den Sternsingern mitmachen möchten, können sich an die jeweiligen Ortsgruppen, nicht nur in den genannten Gemeinden, wenden oder bei den Probeterminen vorbeischauen.

 

Von Patrick Stritesky