Kinder, Kinder: Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist vielerorts groß. So sind in Graben-Neudorf die 2017 neu geschaffenen Kapazitäten schon wieder ausgereizt.     | Foto: dpa

„Wir sind auf Kante genäht“

Graben-Neudorf wächst – und braucht mehr Kindergartenplätze

Anzeige

Es ist nicht nur das größte Hochbauprojekt der Gemeinde Graben-Neudorf. Es ist auch ein Projekt mit Alleinstellungsmerkmal: Einen neungruppigen Kindergarten, wie er kürzlich vom Gemeinderat auf den Weg gebracht worden ist, gibt es im Gebiet der BNN-Hardtausgabe noch nicht.

Erster Schritt zum neuen Kindergarten St. Josef Neudorf mit neun Gruppen

Bis in den neuen, von der Kommune gebauten und von der katholischen Kirchengemeinde betriebenen neungruppigen Kindergarten St. Josef in Neudorf Leben einzieht, geht zwar noch etwas Zeit ins Land; 2020/2021 soll es soweit sein. Die alte Einrichtung aus den frühen 1960er-Jahren mit ihren vier Gruppen ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. „In diesen Tagen wird das Projekt EU-weit ausgeschrieben“, erklärt Bürgermeister Christian Eheim. Und er ist froh. Denn Graben-Neudorf braucht dringend Platz für die Kleinen. „Wir sind auf Kante genäht“, beschreibt Eheim die aktuelle Situation.

2017 geschaffenen Kapazitäten schon wieder ausgereizt

2017 wurde der Kindergarten „Arche Noah“ in Graben um eine auf sieben Gruppen aufgestockt. Außerdem wurden ein niederschwelliges Angebot für drei- bis sechsjährige Flüchtlingskinder sowie durch die Eröffnung des „Tigers“ in der Magdeburger Straße (mit dem Tageselternverein Bruchsal als Träger) Betreuungsmöglichkeiten für unter Dreijährige geschaffen. Doch auch die neue Kapazität stoße bereits wieder an ihre Grenze, betont der Bürgermeister: „Wir haben mittel- und langfristige Prognosen aufgestellt. Mit einem neungruppigen Kindergarten orientieren wir uns am Bedarf.“

Der neue St. Josef ist für maximal 167 Kinder konzipiert

Konzipiert ist der neue neungruppige Kindergarten St. Josef Neudorf für mindestens 152 und maximal 167 Kinder. Offen bleibe zunächst die Gruppeneinteilung. Der neue St. Josef sei „grob ausgelegt für sechs Ü3- sowie drei U3-Gruppen“. Baulich sei aber auch eine andere Aufteilung möglich. „Wir verschaffen uns in regelmäßigen Abständen einen Überblick und setzen auf Flexibilität, da gibt es dann noch Luft“, sagt Eheim. Dass es aber neun Gruppen werden, das steht fest. „Dann haben wir in Graben mit dem Arche Noah und in Neudorf mit dem St. Josef jeweils eine große Einrichtung.“

Nicht alle können im laufenden Kindergartenjahr aufgenommen werden

Insgesamt gibt es in Graben-Neudorf fünf Kindergärten. Einen kommunalen, vier konfessionelle. 506 Betreuungsplätze (100 für Kinder unter drei Jahren, 406 für Drei- bis Sechsjährige) stehen derzeit zur Verfügung – die bis Ende des Jahres voll belegt sind. Einige Kinder können im laufenden Kindergartenjahr nicht aufgenommen werden und stehen auf der Warteliste.

Kindergarten St. Josef wird im Sommer umquartiert

Zuerst wird der alte, 1963 eröffnete, St. Josef in der Neudorfer Fröbelstraße abgerissen. Um Platz für das Kita-Projekt zu schaffen, muss auch das alte Schwesternhaus daneben weichen. Während der Arbeiten heißt es für Kinder und Personal: Umziehen. In sogenannte mobile Einheiten auf den Neudorfer Festplatz, also nur einen Steinwurf entfernt. Eheim: „Die Umquartierung erfolgt im Sommer 2018, also deutlich vor Baubeginn des neuen neungruppigen Kindergartens. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Der alte St. Josef ist längst nicht mehr auf der Höhe und wir können im Ausweichquartier bis zu sechs Gruppen unterbringen.“

Wir nehmen viel Geld in die Hand

Zunächst werden es fünf Gruppen mit 89 Ü3- und 15 U3-Plätzen sein. Bisher gibt es im St. Josef vier Gruppen (64 Ü3- und acht U3-Plätze). „Die Situation wird dann schon besser als bisher“, erklärt Eheim und fügt hinzu: „Wir nehmen viel Geld in die Hand, bauen zum Beispiel für 170 000 Euro auf dem Neudorfer Festplatz einen Spielplatz, der später allen Graben-Neudorfer Kindern zur Verfügung steht.“ Auslagerung und Neubau schlagen übrigens im Haushalt mit rund 1,3 Millionen Euro 2018 sowie weiteren 6,8 Millionen Euro in den Folgejahren zu Buche.

Ab dem Sommer gibt’s einen Waldkindergarten

20 neue Plätze für Kinder ab drei Jahren werden 2018 außerdem mit einem Waldkindergartens in Graben geschaffen. Die Eröffnung sei „spätestens nach den Sommerferien“, verdeutlicht der Bürgermeister. „Träger ist der Verein Postillion. Da sind viele Städte und Gemeinden aus dem Rhein-Neckar-Kreis dabei, das ist ein sehr erfahrener Betreiber mit mehr als 20 solcher Einrichtungen“, so Eheim. „Unsere Gemeinde hat seit jeher einen besonderen Bezug zu ‚ihrem‘ Wald. Ein Waldkindergarten passt zu Graben-Neudorf und ist ein wichtiges Angebot für viele Familien.“

 

 

In Graben-Neudorf steigt die Zahl der zu betreuenden Kinder – und der Bedarf an Betreuungsplätzen. Wie sieht es sonst in der Region aus? Ein Überblick – Dettenheim: In Dettenheim gibt es fünf konfessionelle Kindergärten (4 evangelisch/1 katholisch) mit jeweils zwei bis drei Gruppen. Betreut werden derzeit 230 Kinder. Es gibt Wartelisten, die Kinder bekommen aber schnellstmöglich einen Betreuungsplatz, heißt es. Man geht davon aus, dass künftig mehr Plätze gebraucht werden. Die „Sternschnuppe“ (zwei Gruppen) wird erweitert. – Eggenstein-Leopoldshafen: Es gibt acht Kitas (Kommunal: 5 / Evangelisch: 1 / Katholisch: 1 / Betriebskindergarten KIT: 1). Die meisten Gruppen (7) haben der „Märchenwald“ (Eggenstein) und die „Rheinpiraten“ (Leopoldshafen). Im Dezember 2017 waren 610 Plätze belegt, im Juli 2018 werden es voraussichtlich 715 (maximal möglich: 750) sein. Die Kapazitäten „reichen soweit absehbar aus“. Immer gefragter ist die Ganztagsbetreuung. Darauf würde flexibel reagiert und das Angebot angepasst. – Linkenheim-Hochstetten: Es gibt acht Kita-Einrichtungen (Träger: Diakonie/6; AWO/2) mit je drei bis vier Gruppen. Betreut werden etwa 450 Kinder. Es gebe gelegentlich „kleine Wartezeiten“ heißt es, die Eltern bekämen aber binnen ein, zwei Monaten einen Betreuungsplatz für ihre Kids. Die Gemeinde geht davon aus, dass die Kinderzahl weiterhin stabil bleibt. Weil die Ganztagsbetreuung vermehrt nachgefragt werde, müsse diese gegebenenfalls in Zukunft stärker ausgebaut werden. – Pfinztal: Es stehen 14 Kindergärten (Kommunal: 2; Konfessionell: 11; Freie Träger: 2) sowie eine zweigruppige Großtagespflege zur Verfügung. Größte Einrichtung ist die „Rasselbande“ (kommunal) mit sieben Gruppen. Aktuell sind in den Kindergärten 608, in der Großtagespflege 17 Kinder. Das Platzangebot wird erweitert. Geplant sind der Neubau einer Kindertagesstätte in Söllingen sowie weitere Einrichtungen in Berghausen und Kleinsteinbach. – Stutensee: Stutensee verfügt über 14 Kindergärten (Kommunal: 5; Konfessionell: 8; Freier Träger: 1). Die Einrichtung mit den meisten Gruppen (8/davon 5 Kleinkinder) ist der städtische Kindergarten Lachwald. Aktuell (Januar 2018) werden rund 1 000 Kinder betreut, Wartelisten gibt es nur, wenn es um Wunscheinrichtungen geht. Stutensee erwartet steigende Kinderzahlen in den nächsten fünf bis zehn Jahren. – Walzbachtal: Es gibt sechs Kindergärten (Kommunal: 4; Konfessionell: 2) mit ein bis sechs Gruppen (Kinderhäuser Arche und Regenbogen in Jöhlingen). Belegte Plätze 2008: 262; 2017: 469. Es werden auch künftig mehr Kitaplätze benötigt. Der Anstieg wird aber deutlich weniger stark prognostiziert als in den letzten zehn Jahren; auch weil keine weiteren Neubaugebiete in Planung sind. – Weingarten: 412 Kinder werden derzeit in Weingarten betreut (keine Wartelisten). Es gibt sieben Kindergärten (sechs konfessionelle, ein freier Träger). Gruppenstärkste Einrichtung (6) ist St. Franziskus. Betreuungsplätze 2017: 431. Tendenz: Durch den Zuzug von Familien in die Neubaugebiete und die Belegung der Gebäude für die Anschlussunterbringung von Asylsuchenden werden in Weingarten künftig mehr Kindergartenplätze benötig. Außerdem werden immer mehr Ganztagesplätze oder Plätze in VÖ-Gruppen (verlängerte Öffnungszeiten) nachgefragt.