Gewappnet ist das Rathaus Stutensee mit dem neuen Notstromgenerator, den Gebäudeverwalter Thomas Stiefel (links) und Feuerwehrkommandant Klaus Süß inspizieren.
Gewappnet ist das Rathaus Stutensee mit dem neuen Notstromgenerator, den Gebäudeverwalter Thomas Stiefel (links) und Feuerwehrkommandant Klaus Süß inspizieren. | Foto: Alexander Werner

Sirenen haben nicht ausgedient

Notfallpläne auf dem Prüfstand

Man denkt nicht gerne an solche Sachen, aber Notlagen nach Unwettern, Terroranschlägen oder Hackerangriffen übers Internet mit anschließenden Versorgungsnetzausfällen sind heute mehr denn je realistische Szenarien. Denkbar wären auch Pandemien, also die Ausbreitung von Krankheiten über ganze Länder und Kontinente. Entsprechende Szenarien werden auf allen Entscheidungsebenen in Bund und Ländern durchgespielt, mit dem Fokus, wie solchen Katastrophen vorgebeugt werden könnte und was zu tun ist, wenn sie doch eintreten. Beim Katastrophenschutz und bei der Versorgung der Bevölkerung sind natürlich auch die Kommunen gefordert. In Weingarten hat sich unlängst der Gemeinderat zum Thema Krisenmanagement informieren lassen – gleich zweimal (die BNN berichteten). Eine BNN-Umfrage in den umliegenden Gemeinden zeigt, dass diese ihre Pläne und Strukturen  für Notlagen entweder bereits aktualisiert haben oder dabei sind, dies zu tun.

Notfallvorsorge in allen Bereichen

Pfinztal lässt sich von einer Tochterfirma des Energieversorgers EnBW unterstützen. In dieser Gemeinde widmet sich der Feuerwehrsachbearbeiter und Kommandant Frank Bauer der Aufgabe, die bisherige Notfallvorsorge in allen Bereichen auf eine neue Basis zu stellen. Nicht nur dort kam lange der Feuerwehr eine zentrale Aufgabe zu. Durchweg aber soll sich diese in den Gemeinden konzeptionell weitaus effektiver auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Das heißt, Verantwortlichkeiten werden klar zugeordnet, und die Kommune übernimmt bestimmte Aufgaben – etwa mit Bauhofeinsatz – selbst.
Dieser Linie folgt auch Stutensee. Die Federführung obliege dem Krisenstab, an dem die Feuerwehr beteiligt sei, erklärt deren Kommandant Klaus-Dieter Süß. Wie Kommunen technisch aufrüsten, davon zeugt das neue Stromaggregat bei der Pestalozzischule. Darüber kann der Betrieb im Rathaus im Notfall nunmehr umfassend in allen Funktionen gewährleistet werden.

Krisenstab mit Bürgermeister

In Eggenstein-Leopoldshafen tritt bei Notlagen der Krisenstab mit Bürgermeister, Ordnungsamt, Bauhof und Feuerwehrkommandant in Aktion. Dass der Stab sicher mit Strom arbeiten kann, gewährleisten Noteinspeisungsmöglichkeiten am Rathaus wie an anderen öffentlichen Gebäuden, berichtet Bürgeramtsleiter Philipp Jänicke. Funk ist verfügbar, Sirenen sollen absehbar einem „echten“ Test unterzogen werden.
Vorhanden sind Sirenen auch noch in Dettenheim, wo turnusmäßig über die Signale aufgeklärt wird. Hauptamtsleiter Swen Goldberg weist zudem auf eine zentrale Einspeisungsstelle für Rundfunkübertragungen hin. Ergänzend sehen Kommunen mobile Lautsprecheranlagen oder Megafone zur Information der Bevölkerung über Verhaltensmaßregeln, Hilfsmaßnahmen oder Evakuierungsorte vor.
Sollten die Energieversorger nicht zeitnah Lösungen finden und Stromausfälle womöglich bis auf Landesebene erfolgen, wäre das gravierend, vermerkt Graben-Neudorfs Ordnungsamtsleiter Ulrich Notheis. In kleinerem Radius könne man noch auf Hilfe aus der näheren Umgebung hoffen. Die über Notaggregate betriebsfähige Wasserversorgung sei das kleinere Problem.

Konzept für Starkregen

In Linkenheim-Hochstetten ist man dabei, die Pläne mit Verantwortlichkeiten und Vorgehensweisen zu aktualisieren, sagt Ordnungsamtsmitarbeiterin Silvia Schütz. Parallel werde ein spezielles Konzept für Starkregenfälle aufgestellt. Aus Walzbachtal übermittelt die Öffentlichkeitsbeauftragte Annika Müller, dass die Kommune 2016 ein Konzept zur Vorsorge ihrer Einrichtungen beschlossen hat. Derzeit werde mit der EnBW ein neues Krisenhandbuch erarbeitet, dabei würden Alarmpläne überprüft und aktualisiert.

Alexander Werner

 

Bei Notfällen können Bürger zu Recht Hilfe erwarten. Doch sie sind gut beraten, grundsätzlich selbst vorzusorgen. Darauf weisen Kommunen ebenso wie Behörden oder Rettungsorganisationen hin.
Das fängt mit kleinen, aber wichtigen Hilfsmitteln wie Taschenlampen und anderen Leuchtmitteln an. Ein Vorrat an lagerfähigen Lebensmitteln und Getränken, eine Bargeldreserve oder ein batteriebetriebenes Radio gehören dazu. Ausführliche Hinweise gibt der „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“. Herausgeber ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK). Die Broschüre kann im Internet unter www.bbk.bund.de unter „Service“ und „Download“ bestellt oder heruntergeladen werden. Dazu stellt das BKK die Notfall-Informations- und Nachrichten-App „Nina“ zur Verfügung. Sie warnt bundesweit vor Gefahren wie Unwettern, Hochwasser und anderen Großschadenslagen.