Ein bisschen mehr darf es schon sein - nur Schnitzel/Pommes auf der Speisekarte ist oft nicht ausreichend, damit eine Vereinsgaststätte gut läuft. | Foto: dpa

Angebote in Vereinslokalen

Nur „Schniposa“ zieht nicht

Anzeige

Vereinsgaststätten von Sportvereinen laufen vornehmlich dann, wenn sie ein besonderes Angebot im Programm haben. Was einst sehr gut ging wie die Klassiker „Schniposa“ (Schnitzel mit Pommes frites und Salat) oder Wurstsalat mit Brot, das geht – von wenigen Ausnahmen abgesehen – offenbar heute kaum noch.

Neu in Blankenloch

So jedenfalls ist das Ergebnis einer kleinen (nicht repräsentativen) Umfrage in der nördlichen Hardt.
Anlass war eine Anzeige des SV Blankenloch, der über die Wiedereröffnung seiner SVB-Gaststätte (Waldgaststätte) informierte. Nach zwei Monaten Leerstand und dem Einbau neuer sanitärer Einrichtungen ist das Lokal seit Anfang März unter neuer Leitung wieder eröffnet worden. Pächterin ist jetzt die Philippina Rhyien Lohse. Sie kochte zuvor in ihrem Heimatland im deutschen Restaurant ihres Ehemanns Jörg und lernte dort die deutsche Küche kennen. Deutsch zu kochen, war Bedingung für die Neuvergabe, wie der SVB-Vorsitzende Jan Cordes betont. Das Ehepaar Lohse habe den Verein unter zehn Bewerbern überzeugt, fügt er hinzu. Zuvor hatte Patrick Blocher knapp vier Jahre lang in der Waldgaststätte seine Gäste gut bürgerlich bekocht und wurde kürzlich vom SVG Weingarten als neuer Pächter der Germania-Gaststätte im Obergeschoss der Mineralix-Arena vorgestellt.

Gutes Verhältnis

Was die Umfrage deutlich machte: Bei vielen Vereinslokalen zieht ein Konzept mit besonderen Angeboten. Wichtige Voraussetzungen sind außerdem immer ein gutes Verhältnis und Vertrauen zwischen Wirt und Verein. So betont etwa der Vorsitzende des FV Linkenheim, Michael Ratzel, dass der Wirt des Vereinslokals, Christian Pudlo, ohne viel Aufhebens Handwerker bestellt und bezahlt, wenn kleinere Reparaturen zu erledigen sind. Das Restaurant gehört seit fünf Jahren zu einer kleinen Flammkuchen-Kette mit Lokalen in Mittelbaden und in der Pfalz. Nach aufwendigeren, vom Verein finanzierten, Renovierungsarbeiten (unter anderem der Einbau einer neuen Theke) wurde kürzlich wieder geöffnet – und die FVL-Gaststätte war sofort, wie gewohnt, gut gebucht. Obwohl sie nur abends offen hat und damit Beschäftigten im benachbarten KIT-Nord kein Mittagstisch-Angebot machen kann, wie das bei einem der vielen früheren Betreiber der Fall war. Doch Wirt-Ehefrau Stefanie freut sich über den Zuspruch. Und auch darüber, dass der Vertrag gerade um weitere fünf Jahre verlängert wurde.

Keine „normale“ Sportkneipe

Auch das Restaurant „Spalato“ des FV Liedolsheim ist von Montag bis Samstag erst nachmittags ab 17 Uhr geöffnet. Nur an Sonn- und Feiertagen öffnet es auch am Mittag. Vereinsvorstandsmitglied Frank Aumüller ist dennoch vom Konzept des Kroaten Stipe Selak überzeugt. Denn es sei keine „normale“ Sport-Kneipe, sondern ein Restaurant mit einem gewissen Anspruch. Die Familie Selak betreibt das „Spalato“ seit zehn Jahren. Der Vertrag wurde jetzt verlängert – und zwar gleich weitere zehn Jahre. Neben vielen anderen Gründen auch deshalb, weil Verein und Wirt übereingekommen sind, dass der Club bei Spielen die Bewirtung draußen selber stemmt. So „stürmen“ bei Spielen des FVL keine hungrigen Fußballfans das Lokal, die Gäste, die wegen der Qualität des Angebots auch aus der weiteren Umgebung kommen, können in Ruhe genießen.

Reservierung nötig

Schon nach einem Jahr wollten die thailändischen Betreiber des Restaurants Chang Tong den erst in vier Jahren auslaufenden Vertrag mit dem FC Alemannia Eggenstein verlängern. Vereinsvorstand Reiner Ehrmann hat aber keine Eile. Er weiß, dass das Lokal mit seinem Thai-Angebot so gut besucht ist, dass immer Tischreservierungen nötig sind. Selbst für ihn, wenn er die Gruppe zusammenruft, die sich alle drei Wochen trifft, um das alljährlich stattfindende Rock am Wald zu organisieren.

Nicht optimal

Nicht so ganz zufrieden ist dagegen der FC Spöck mit seinem Vereinslokal, bekennt der Vorsitzende Bernd Hofheinz. Die Vereinsgaststätte mit italienischer Küche sei nicht so ausgelastet, wie es wünschenswert wäre, verdeutlicht er. Zuvor hatte ein kroatisches Ehepaar das Lokal betrieben, doch das ist in den Ruhestand gegangen.

Von Rüdiger Homberg