Was auf der Wiesn oder dem Wasen geht, geht auch in Blankenloch: "Pirat" Daniel Schimbeno stemmt acht Maßkrüge. | Foto: Kuld

Warum auf den Wasen?

Oktoberfest der Piraten in Blankenloch

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Auf den Wasen oder nach Blankenloch? Bierpreisökonomisch ist das gar keine Frage. Auf der Stuttgarter Festwiese muss man 10,30 bis 10,80 Euro für die Maß zahlen, auf der Festwiese in Stutensee langen 8,50 Euro. Und wie ist der Funeffekt? Auch das ist keine Frage, denn am Freitagabend kommt die Musik aus der Landeshauptstadt. Die „Wasenrocker“ mischen das Festzelt auf. Kurzum: Einen Grund nach Stuttgart zu fahren gibt es nicht, denn das Oktoberfest der „Piraten“ ist auch bei seiner 34. Auflage Garant für gute Laune.

1.600 Maßkrüge

Für die braucht es nicht viel. Die Musik passt. Dann brauchen die Damen lediglich noch ein Dirndl (wer langes Haar trägt, flicht dieses), die Herren wenigstens ein blau-weiß- oder rot-weiß-kariertes Hemd. Und dann braucht es natürlich Bier. Da ist bei „Piraten“, dem örtlichen Fastnachtsverein, der Kellermeister zuständig. Stefan Schmidt ist der Chef hinter der Zapfanlage. „Das sind alles Vereinsmitglieder, die hier schaffen“, sagt er, „allein elf sind zuständig fürs Bier.“ Zwar gibt es auch die „Halbe“, aber „das meiste geht als Maß über den Tisch.“ 1.600 Krüge hat der neue Brauereipartner angeliefert, die Spülmaschine läuft auf Hochtouren angesichts der Nachfrage.

Die „Wasenrocker“ auf der Bühne

Auf Hochtouren läuft derweil auch die Stimmung in dem großen, frei tragenden Zelt, das beim Oktoberfest für 1.750 Besucher zugelassen ist. Auf der Bühne die „Wasenrocker“, die lange noch nicht „Atemlos“ sind, davor das meist junge Publikum – über 40 und ohne Lederhose fällt man auf.

Teams für den Jugendschutz

Stichwort Jugendliche: Die „Piraten“ arbeiten mit den Jugendschutzteams des Landkreises zusammen und versuchen, auch durch unterschiedlich bunte Armbänder, für die teilweise jungen Gäste die Regeln des Alkoholverkaufs einzuhalten. „Das klappt eigentlich ganz gut“, sagt Melanie Reinschmidt, die am Eingang – nach der Ticketkontrolle durch die Security – die Bändel ausgibt und kontrolliert. „Insgesamt“, so sagt sie, „ist das Thema Alkoholmissbrauch unter Kontrolle.“ Totalausfälle habe es zuletzt nur ganz selten gegeben. Die recht stark be- setzte Notfallstation des DRK habe kaum mehr „Alkoholleichen“ zu versorgen.

Um eins ist Feierabend

Versorgt werden müssen die Besucher. Da fahren die „Piraten“ einen hohen Aufwand. Es gibt eine breite Getränke- und Speisenauswahl, was die Arbeit für die Helfer nicht vereinfacht. „500 Schichten haben wir für das Fest eingeteilt“, sagt Reinschmidt, rund 150 Vereinsmitglieder machen mit. Und eine Schicht hat es in sich, sagt Stefan Schmidt. Die Männer hinterm Zapfhahn fangen am Freitag um fünf an. Eine halbe Stunde nach Mitternacht heißt es „last order please“, und um eins ist Feierabend im Zelt. „Bis man da zu Hause ist, wird es locker zwei Uhr.“

Bänke sind zum Stehen da

Bis dahin wogt das Geschehen nicht atem-, sondern fast pausenlos. Gerade zwei kurze Unterbrechungen gönnen sich die „Wasenrocker“. Die nutzen die Gäste, um die Bänke ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen: Man kann tatsächlich darauf sitzen. Solange „Sweet Caroline“ oder der „Wahnsinn“ oder ein anderer Mitsingklassiker läuft, steht man auf den Bänken – oder gleich auf dem Tisch. Überhaupt scheint das der Sinn der populären Oktoberfeste zu sein: Man trinkt gemütlich Bier mit Freunden und singt dabei auf Bänken stehend das Repertoire des klassischen Schlagers hoch und runter.