Die Mönch-Orgel in der evangelischen Kirche in Linkenheim. Vom Prädikat „Weltkulturerbe“ erhofft sich Organist Mario Guigas positive Effekte bei der Nachwuchswerbung.
Die Mönch-Orgel in der evangelischen Kirche in Linkenheim. Vom Prädikat „Weltkulturerbe“ erhofft sich Organist Mario Guigas positive Effekte bei der Nachwuchswerbung. | Foto: Alexander Werner

Weltkulturerbe Orgel

Mit dem Organisten-Nachwuchs sieht es nicht so gut aus

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Von Alexander Werner
Es entsprang einer Initiative aus der badischen Landeskirche, und sie hatte Erfolg: Zum Jahresende kürte die Unesco die Orgel, die „Königin der Instrumente“, die im Südwesten qualitativ und quantitativ eine besonders reiche Tradition hat, zum Weltkulturerbe. Eine Auszeichnung, die allerdings weniger rein praktische als ideelle Wirkung zeitigen kann, sagen Johannes Link und Mario Guigas. Link ist Kantor im evangelischen Kirchenbezirk Karlsruhe-Land und Beauftragter für Popularmusik, Guigas Organist der Kirchengemeinde in Linkenheim. In deren Gotteshaus – und darüber hinaus – sind beide Hauptamtlichen aktiv.

Eine richtige Orgel kostet leicht 200 000 Euro

Die Orgel habe einen ganz wichtigen Stellenwert in der Kirche, betont der Friedrichstaler Link. Es sei toll, dass sie in solcher Weise bestätigt und wertgeschätzt werde. Ein gewichtiger Aspekt ist für ihn dabei, dass damit das Bewusstsein für „richtige“ Orgeln gestärkt werde. Komme eine alte Orgel in die Jahre, so würden sich nicht wenige Gemeinden in Diskussionen um Restaurierung und Neuanschaffung für den Kauf einer elektronischen Orgel entscheiden. Bekomme man eine solche in adäquater Qualität für um die 25 000 Euro, so koste eine richtige Pfeifenorgel 200 000 Euro und mehr.

Orgel hat wichtigen Stellenwert in der Kirche

Guigas ist froh, dass die Linkenheimer Kirche nach 20 elektronischen Jahren vor einer Dekade endlich wieder eine hochwertige Pfeifenorgel erhielt. Ein Anliegen, dass er bei divergentem Meinungsbild sehr engagiert vertrat und das nach wie vor bei weiterlaufenden Spendenaktionen von Gemeindemitgliedern unterstützt wird.
Hanna Ernst ist glücklich und stolz, in der evangelischen Kirche Leopoldshafen seit 50 Jahren auf ihrer von 1853 datierenden, unter Denkmalschutz stehenden und renovierten Merklin-Orgel spielen zu können. Vom Unesco-Entscheid, der auf die Instrumente aufmerksam mache, fühlt sie sich bestärkt. „Ich bin immer wieder begeistert vom für die Kirche idealen Klang“, schwärmt sie. Zwar habe die Orgel nur ein Manual, aber zwölf Register und 592 Pfeifen und erfülle die Kirche voll zum Lob Gottes.

Elektronik bietet nur „jämmerlichen Ersatz“

Bekräftigt auch sie, welch Unterschied das im Vergleich zu einer elektronischen Orgel sei, so formuliert das Walter Bauer sehr deutlich. Er spricht da gar von einem „jämmerlichen Ersatz“. Ehrenamtlich begleitet er nicht nur in der katholischen Kirche Sankt Albertus Magnus in Leopoldshafen Gottesdienste, sondern gab dort auch gerade wieder das traditionelle Orgelkonzert zu „Dreikönig“.

Klangfülle der Orgel ist einmalig

Die Würdigung könnte vielleicht dazu beitragen, dass die Kirchen ein bisschen mehr überlegen, was für Orgeln sie in Gotteshäusern aufstellen, resümiert er. Ein Weltkulturerbe sei die Orgel sicherlich, wobei er die Musik allgemein und speziell die des 16. bis 19. Jahrhundert zur Weltkultur zählt. Der Orgel komme dabei mit ihrer einmaligen Klangfülle und -vielfalt eine herausragende Rolle zu.
Für Mario Guigas könnte die Wertschätzung von Orgelbau und -spiel, die mit dem Weltkulturerbe zum Ausdruck gebracht wird, noch mehr anstoßen. „Vielleicht trägt es dazu bei, bei jungen Leuten stärkeres Interesse zu wecken“, erklärt er. Denn mit dem Organistennachwuchs sehe es nicht so gut aus, und es wäre traurig, wenn es irgendwann zwar tolle Orgeln, aber keine Menschen mehr gebe, die sie spielen.