Für Dettenheimer ist die Hochstettener „Grenzstraße“ ein zentraler Anschlusspunkt. Bedient werden soll er nun (wie der Graben-Neudorfer Bahnhof auch) im „On Demand"-Verkehr. | Foto: Alexander Werner

Verkehrsexperiment

Kostenlose Testphase für „On Demand“-Verkehr in Dettenheim

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Der öffentliche Nahverkehr wird in Dettenheim seit Jahren immer wieder kritisch diskutiert. Ohne Anschluss an die Hardtbahn ist die Gemeinde auf einen gut funktionierenden Busverkehr mit reibungslosen Übergängen an Knotenpunkten in Hochstetten und Graben-Neudorf angewiesen. „Wir sind froh um jede Verbesserung“, betonte Bürgermeisterin Ute Göbelbecker jetzt im Gemeinderat. Sie zeigte sich erfreut, dass die Kommune im nördlichen Landkreis für das Pilotprojekt „On Demand“-Verkehr ausgewählt wurde. Sammeltaxis, die per Smartphone-App gerufen werden.

Von unserem Mitarbeiter Alexander Werner

Ein Testversuch läuft bereits in der Stadt Ettlingen auf Initiative des Landkreises in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV). Nun soll das moderne System mit Sammeltaxis auf Abruf in einem zweiten sogenannten Reallabor im ländlichen Raum in der Praxis geprüft werden. Im Prinzip gedacht ist das Verfahren als Ergänzung des bestehenden festen Liniensystems. Dürftig oder gar nicht genutzte Busfahrten an Wochenenden und in den Abendstunden sollen mit dieser Weiterentwicklung des weniger erfolgreichen AST-Sammeltaxi-Angebots wegfallen.

Das On-Demand-Angebot „My Shuttle“  läuft seit Pfingsten in Ettlingen. Foto: KVV/Gärtner | Foto: KVV/Paul Gärtner

80 virtuelle „Bedienpunkte“ geplant

Kreiskämmerer Ragnar Watteroth stellte im Gemeinderat das Projekt vor. Gegenüber bislang wenigen starren Haltestellen würden in der Testphase von drei Fahrzeugen rund 80 virtuelle Bedienpunkte im Raum Dettenheim bei Bedarf und Abruf per Smartphone-App angesteuert. Virtuell bedeutet dabei, dass es keine festen Haltestellen gibt, Haltepunkte auch nicht vor Ort markiert werden, sondern dem Nutzer bei der Buchung mit Standortbeschreibung und dreidimensionaler Darstellung mitgeteilt werden.  Zumindest in der Anfangsphase soll eine Anforderung eines „On-Demand“-Fahrzeugs zudem auch per Anruf möglich sein.

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Nach Testphase gelten KVV-Tarife

Gegenüber dem Ast-Verfahren soll es bei der Beförderung keinen Aufschlag zu den KVV-Tarifen geben. Starten wird die bis zu 24-monatige Testphase mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 vorerst als Gratisangebot bis zum 2. Februar 2020. Danach gelten dann die KVV-Tarife. Bei der Buchung per App können Dauerkarten eingegeben oder Einzelkarten mit unterschiedlichen Zahlvarianten wie EC-Karten über Kreditkarte bis Paypal erworben werden. Bei Buchung über Anruf werden Karten beim Fahrer erhältlich sein. An den Anschlussstellen müssen dann jeweils neue Fahrscheine gelöst werden.

Zielpunkte sind als Knotenpunkte die Bahnhaltestelle „Grenzstraße“ in Hochstetten sowie Graben-Neudorf. Hol- und Bringdienst erfolgt über die virtuellen Haltestellen. Falls beispielsweise ein Rollstuhlfahrer bucht und in einem bereits kursierenden Fahrzeug kein Platz mehr ist, wird ein zweites Taxi geordert, erläuterte Watteroth.

Hochschule wertet Daten aus

Betreiber ist mit Subunternehmen die Firma „ioki“, eine Tochter der Deutschen Bahn. Bereits in der Probephase soll je nach Kundenverhalten flexibel angepasst werden. Eine finale Auswertung wird dann die Hochschule Karlsruhe (HsKA) vornehmen. Diese wird dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Wie Watteroth betonte, sei nun sehr wichtig, das Angebot und seine Funktionsweise öffentlich bekanntzumachen.

Start des „on demand“-Verkehrs
Projektstart ist am 15. Dezember. Bedienzeiten des „On Demand“-Verkehrs sind Montag bis Donnerstag,  19 bis 24 Uhr, Freitag und Samstag von 19 Uhr bis 2 Uhr nachts, sowie sonntags und feiertags von 8 Uhr bis 24 Uhr.