Elektroautos sind alltagstauglich, sagt Sven Jammthal. Das hänge davon ab, wie sie eingesetzt werden. | Foto: Hendel

Autohäuser in der Hardt

„Pkw mit Elektroantrieb sind durchaus alltagstauglich“

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Die Nachfrage nach rein elektrisch betriebenen Autos hält sich noch ziemlich in Grenzen. Die Kunden sind eher skeptisch – sei es wegen der Reichweiten, die zu gering sind, wegen der Ladesäulen, von denen es zu wenige gibt, oder wegen der Preise, die viel zu hoch sind. Und doch gibt es Verkehrsteilnehmer, die solche Fahrzeuge haben wollen. Pendler etwa mit überschaubaren Tagesstrecken, oder Menschen, die sich konsequent umweltfreundlich verhalten möchten. Eine punktuelle Umfrage bei Autohäusern im BNN-Hardtgebiet gibt Aufschluss über den aktuellen Sachstand.

„Pkw mit Elektroantrieb sind durchaus alltagstauglich“, sagt Sven Jammerthal, Verkaufsleiter beim Autohaus Burgstahler in Hochstetten. Er ist dort der Experte für die Automobile der Kategorie „Z.E.“ („zero emission“). Die Alltagnutzbarkeit hänge davon ab, wie ein solches Auto eingesetzt werde, räumt er ein. Es sei ein Rechenexempel, ob man mit der Kosten-Nutzen-Aufstellung hinkomme. Letztlich sei es mit von der persönlichen Einstellung abhängig.

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„Meine Frau fährt jeden Tag mit einem Zoe von Hochstetten nach Karlsruhe zur Arbeit“, berichtet Jammerthal: „Das funktioniert problemlos.“ Und er habe einen Kunden, der 30.000 Kilometer im Jahr mit einem elektrischen Renault fahre – mit sehr guten Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit. „Die Förderungen und Sonderkonditionen könnten bei der Entscheidung ebenfalls hilfreich sein“, ergänzt der Experte.

Meine Frau fährt jeden Tag mit einem Zoe von Hochstetten nach Karlsruhe zur Arbeit. Das funktioniert problemlos.

Sven Jammerthal, Verkaufsleiter beim Autohaus Burgstahler in Hochstetten

Auch für Gewerbetreibende und Kommunen, die Zuschüsse bekommen können. Das Autohaus in Hochstetten habe im vergangenen Jahr etwa zwei Dutzend Elektrofahrzeuge verkauft, sagt Jammerthal, also alle zwei Wochen eines. Unter dem Strich ist das ein relativ geringer Anteil am Gesamt-Fahrzeug-Verkauf des Kfz-Betriebs. „Dieses Jahr sollte es schon jede Woche eines sein“, wünscht sich die Geschäftsführerin, Britta Burgstahler.

Bedarf noch nicht da

Bislang seien noch keine reinen Stromer im Angebot gewesen, sagt Heike Kubach, Autoverkäuferin mit 20-jähriger Erfahrung beim Autohaus Giraud in Friedrichstal. „Der Bedarf ist einfach noch nicht da“, meint sie, „und in den Gesprächen erlebe ich immer wieder, dass die Kunden noch verunsichert sind.“

Detlev Haas fährt im Jahr etwa 30.000 Kilometer elektrisch. Der Mann aus Remchingen hat seine Stromfahrerkarriere vor sechs Jahren mit einem E-Smart begonnen. Jeden Tag bringt er fast 130 Kilometer auf dem Weg zur Arbeit nach Sindelfingen und wieder nach Hause zusammen. Dafür reiche die Batteriekapazität sehr gut aus, berichtet der 61-Jährige. „Ich habe einen E-Smart getestet und war vom Fahrgefühl sofort elektrisiert“, erzählt Haas.
Anfangs hat er alle drei Monate die Autos getauscht. Vor etwa drei Jahren ist er auf den Renault Zoe umgestiegen: „Ich wollte mehr Reichweite haben.“ Die Alltagstauglichkeit sei immer gegeben, sagt Haas, der mit dem E-Auto nach Italien gefahren ist: „Man muss sich die Etappen einteilen. Steckdosen gibt es überall.“ Über Weihnachten war er in Berlin: „Für die 730 Kilometer haben wir zwölf Stunden gebraucht. Man muss die Ladezeit in den Tagesablauf integrieren, dann klappt das “, sagt Haas. Er sei begeistert von der Elektromobilität. „Man muss umdenken, man sollte sich auf Neues einlassen, und es nicht schlecht reden.“

Das werde sich sicher allmählich ändern, da der amerikanische Hersteller Ford demnächst die ersten Hybrid-Fahrzeuge ins Angebot nehme, etwa den SUV Kuga und den Crossover Puma, ergänzt Autoverkäufer Simon Beha. Erstes vollelektrisches Auto werde im Spätjahr der „Mustang Mach E“ sein, ein Sportwagen. „Wir müssen für die Elektromobilität unsere Werkstatt umbauen und die Mitarbeiter schulen“, sagt Beha.

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Die Palette sei noch klein, und daher verkaufe er wenige Elektrofahrzeuge, sagt Gerd Meinzer, der in seinem Autohaus in Linkenheim-Hochstetten zusammen mit seinem Sohn auf Peugeot spezialisiert ist. E-Mobile seien als Firmenfahrzeuge gefragt oder eben von umweltbewussten Menschen. Sobald die Reichweiten sich auf 250 bis 300 Kilometer einpendelten und in allen Baureihen E-Autos verfügbar seien, werde die Nachfrage steigen. Innerhalb von zwei Jahren soll das ganze Fahrzeugangebot auch elektrisch verfügbar sein.

Immer noch in homöopathischen Dosen.

Klaus-Dieter Morrkopf verkauft in seinem VW-Autohaus in Weingarten nur wenige E-Autos

„Immer noch in homöopathischen Dosen“, schmunzelt Klaus-Dieter Morrkopf bei der Frage nach verkauften Elektromobilen in seinem Autohaus in Weingarten. Er handelt mit Pkw und Nutzfahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern. Elektrische Golf und Passat oder „up!“ bildeten nicht das Gros der verkauften Autos, sagt er. Etwa 30 seien es voriges Jahr gewesen. Das werde sich dieses Jahr ändern, wenn der vollelektrische „ID3“ bereitstehe. Er rechne damit, dass dann mehr Dienstwagen in Elektroversion gefragt würden.

Entspanntes und angenehmes Fahrerlebnis

Die Nachfrage hänge von mehreren Faktoren ab, weiß auch Morrkopf: Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur, Fahrzeugpreis, Alltagtauglichkeit und nicht zuletzt die Bereitschaft, sich auf das neue Verkehrsmittel einlassen zu wollen. „Jeder empfindet elektrisches Fahren anders. Für mich ist das Fahrerlebnis entspannt und angenehm.“

Die Gemeinde Weingarten hat seit etwa fünf Jahren ein Elektrofahrzeug im Bauhof in Betrieb, berichtet Bürgermeister Eric Bänziger. Es sei für kleinere Transportfahrten geeignet und werde von den Hausmeistern genutzt. „Wir haben zwei Erdgas-Fahrzeuge im Bauhof. Da wir eine Erdgastankstelle in Weingarten haben, war das eine gute Alternative.“ Wenn man dort aber länger nicht tanken könne, sei das lästig. Die Gemeinde sei mit der Firma Carsharing in Kontakt, um weitere E-Fahrzeuge in Weingarten zu nutzen, so Bänziger.
Die Gemeinde Graben-Neudorf verfügt über ein Elektrofahrzeug und ein E-Bike, die über die Fotovoltaikanlage des Rathauses betankt werden, informiert Bürgermeister Christian Eheim. Dieses Jahr sollen zwei Elektrofahrzeuge für den Bauhof angeschafft werden: „Damit bauen wir unsere Fahrzeugflotte weiter gezielt auf Elektromobilität um“, sagt Eheim. 2020 sei der Einstieg in das regionale E-Car-Sharing „ZeoZweiFrei“ geplant: Ladesäulen am Bahnhof und Anschaffung von E-Fahrzeugen für E-Car-Sharing. Die „Neue Mitte“ soll CO2-frei werden und über ein E-Carsharing-System für Bewohner verfügen.
In Eggenstein-Leopoldshafen ist ebenfalls ein E-Mobil im Einsatz. Dieses diene dem Bau- und Liegenschaftsamt als Dienstwagen, berichtet Bürgermeister Bernd Stober. Bei weiteren Fahrzeugen sei er „etwas zurückhaltend“, sagt Stober. Für Kommunen sei es schwierig, eine Förderung zu erhalten. Beim Ausgeben von Steuergeldern sei er vorsichtig, denn E-Mobile seien teuer und nicht als gute Gebrauchte zu bekommen.
Wir erzeugen unseren Strom per Fotovoltaik auf dem Dach unseres Bürogebäudes, da lag es nahe, als Geschäftsfahrzeug ein E-Auto anzuschaffen“, sagt die Stutenseer Architektin Nicole LaCroix. „Wir nutzen einen E-Smart, um Baustellen anzufahren.“ Für die näheren Ziele reiche der Wagen aus. Wenn ein Mitarbeiter weiter unterwegs sei, komme der Wagen an seine Grenzen: „Je nach Jahreszeit reicht eine Ladung keine 100 Kilometer“, sagt LaCroix: „Aus ökologischer Sicht ist der Pkw sinnvoll, praktisch betrachtet nicht unbedingt.“ Bereut habe sie die Anschaffung nicht.