Der Ausbau des Radwegnetzes ist ein wichtiger Baustein nachhaltiger Mobilität. Radschnellwege, zum Beispiel zwischen Stutensee und Karlsruhe, sollen mehr Pendler vom Auto aufs Rad bringen. | Foto: Manfred Spitz

„Schritt in richtige Richtung“

Radschnellweg: Von Bruchsal über Stutensee nach Karlsruhe?

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Mehr Pendler zum Umsteigen vom Auto aufs Rad bewegen – aber wie? Eine Intention, die darauf abzielt: Der Bau von Radschnellwegen. Direkt, ohne große Zeitverluste durch Anhalten oder Warten, auf breiten, qualitativ hochwertigen und auch in zügigem Tempo sicher zu befahrenden, breiten und von Fußgängern getrennten Radautobahnen von A nach B. Zum Beispiel von Stutensee auf den Karlsruher Innenstadtring.

Wie in den BNN berichtet, hat das Land die Planung und Finanzierung der Radschnellwege zwischen Ettlingen und Karlsruhe sowie zwischen Rastatt und Karlsruhe zugesagt und bis Jahresende soll einigermaßen geklärt sein, wie und wo die ersten Radschnellverbindungen in der Region realisiert werden. Während südlich von Karlsruhe also eine gewisse Dynamik bei Radschnellwegen erkennbar ist, könnte es mit der Verwirklichung eines solchen Projekts im Norden der Fächerstadt, konkret der insgesamt 19,7 Kilometer langen „Trasse 3“ Bruchsal – Stutensee – Karlsruhe, noch etwas dauern.

Planentwurf Radschnellweg Bruchsal – Stutensee – Karlsruhe (Abschnitt Stutensee – Karlsruhe).

In einem Papier des Verkehrsministeriums zu der von ihm Anfang Mai in Stuttgart initiierten „Impulsveranstaltung Radschnellverbindungen in Baden-Württemberg“, bei der es um die zentrale Frage der Kostenübernahme der ersten Bauabschnitte ging, wird auf der Strecke Karlsruhe – Ettlingen (Ausbaukosten etwa fünf Millionen Euro) von 8 300 Nutzern pro 24 Stunden ausgegangen. Für Karlsruhe – Stutensee von 3 200 und für das Teilstück Stutensee – Bruchsal von 1 400.

Projekt-Ranking

Beim Projekt-Ranking habe ein Radschnellweg Stutensee – Karlsruhe laut Stutensees Ordnungsamtsleiter Thomas Schoch nicht erste Priorität. Deshalb wolle er auch keine Zeitangabe machen, wann ein solcher Radschnellweg kommen könnte. Zugleich verweist Schoch darauf, dass es in Kürze Gespräche im Regierungspräsidium (RP) geben werde. „Am 2. Juli kommen Landräte und Bürgermeister zusammen, um über das Thema Radschnellwege zu reden“, so RP-Pressesprecher Uwe Herzel auf Anfrage.

Wesentlicher Baustein nachhaltiger Mobilität

„Der Ausbau des Radverkehrswegenetzes ist ein wesentlicher Baustein nachhaltiger Mobilität und wichtiger Beitrag zur Stärkung klimaneutralen Individualverkehrs“, sagt Stutensees Oberbürgermeisterin Petra Becker. „Die Stadt Stutensee unterstützt dies ausdrücklich, unter anderem durch ihre Teilnahme an der Stadtradeln-Aktion.“ Insbesondere durch die Etablierung von Pedelec und E-Bikes seien heute auch weitere Strecken mit dem Rad problemlos zu bewältigen. Darin liege viel Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasen sowie von motorisiertem Verkehrsaufkommen. „Vor diesem Hintergrund halte ich das Konzept der vom Regionalverband geplanten Radschnellwege für einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung“, betont Becker gegenüber den BNN.

Finanzierung muss geklärt werden

Aber: „Die Umsetzung der zusätzlich erforderlichen Infrastruktur muss auf jeden Fall auf bestehende Ökosysteme, wie beispielsweise den Hardtwald, Rücksicht nehmen“, sagt Becker.  „Geklärt werden muss natürlich auch die Finanzierung des Projektes. Dazu sind noch weitere Gespräche zwischen den jeweiligen Kommunen, dem Landkreis und dem Land erforderlich.“

Wer übernimmt Planungskosten?

Klar scheint nach derzeitigem Stand: Für einen Radschnellweg Karlsruhe – Stutensee würde wohl das Land außerorts für den Bau aufkommen (für den weiteren Abschnitt Stutensee – Bruchsal läge die Baulast nicht beim Land). Die Frage allerdings ist: Wer übernimmt die Planungskosten? Das könnte beispielsweise der Landkreis Karlsruhe sein. Man nehme die Planungen des Landes zum Anlass, die eigene Radwegplanung innerhalb des Kreisstraßenprogramms anzupassen und fortzuschreiben, hieß es kürzlich aus dem Landratsamt. Falls notwendig, würden auch die notwendigen Voraussetzungen im Kreishaushalt dafür geschaffen.

Ambitioniertes Ziel

Das Land hat im Jahr 2016 die Radstrategie beschlossen. Ziel ist es, das Fahrrad als umweltschonendes und gesundheitsförderndes Alltagsverkehrsmittel zu fördern – bis 2030 sollen 30 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Ein wichtiger Baustein, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, sind Radschnellverbindungen. Bis 2025 sollen zehn realisiert sein. Insgesamt 30 Millionen Euro stehen in diesem Jahr für Radwegprojekte bereit.

Machbarkeitsstudie

In der Region Mittlerer Oberrhein könnten laut einer über das Regierungspräsidium Karlsruhe zu 80 Prozent geförderten Machbarkeitsstudie auf Strecken von insgesamt 120 Kilometer Radschnellverbindungen realisiert werden – knapp 20 Kilometer auf der Trasse Bruchsal – Stutensee – Karlsruhe. Zumindest dem Teilabschnitt zwischen Stutensee und Karlsruhe attestiert das Gutachten ein hohes Potenzial.

Trassenverlauf Bruchsal – Stutensee – Karlsruhe

Von Norden läuft die „Trasse 3“ beginnend am Bahnhof Bruchsal (Westseite) über das Gemarkungsgebiet Stutensee zunächst nach Westen. Ab Friedrichstal (südlich der K3579 ist ein knapp 200 Meter langer Lückenschluss erforderlich) dann entlang der Bahnlinie Mannheim – Karlsruhe bis zum Anschluss an eine angedachte Ringroute in Hagsfeld. Zwischen dem Ortsausgang Blankenloch und dem Pfinz-Entlastungskanal wäre auf zwei Abschnitten von etwa 1 300 und 290 Metern der „grundhafte Ausbau“ des Weges nötig, auf Karlsruher Gemarkung stünde unter anderem der Neubau einer Brücke für den Radverkehr über den Pfinz-Entlastungskanal an. Die dortige Fußgängerbrücke soll aber bestehen bleiben.

Innenstadtring Karlsruhe

Enden soll die Trasse am Knotenpunkt Hagsfelder Allee/Rintheimer Querallee. Sie würde dort auf den Abschnitt Nord Ost der Ringroute Karlsruhe treffen. Alle möglichen Radschnellwege, die von außerhalb nach Karlsruhe führen, sollen in einen Innenstadtring münden. Über diesen wird intensiv nachgedacht, zumal irgendwann auch Schnellwege aus Pfinztal, Eggenstein und Wörth in die Fächerstadt führen sollen.

Randnotiz – Mehr Rad, weniger SUV
Radfahren hält fit. Klar, das weiß doch jedes Kind. Öfter mal aufs alles andere als nachhaltige, aber immer noch so geliebte „Heilix Blechle“ verzichten, und stattdessen in die Pedale treten, das empfiehlt nicht nur der Hausarzt des Vertrauens, man kann damit, weil CO2-frei unterwegs, auch gutes für das Klima tun. Und Pendler könnten auch noch ihre Nerven schonen. Schluss mit dem fast täglichen Stauerlebnis. Schluss mit der Parkplatzsucherei, die immer öfter einem Glücksspiel gleicht.
Bei einem Besuch kürzlich in Bruchsal forderte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Kommunen zum Ausbau der Radwege auf. Mehr Rad, weniger SUVs, lautet sein Credo. Vom „Speckgürtel“ in die Stadt, von Stutensee, Eggenstein, Leopoldshafen, Weingarten oder Pfinztal nach Karlsruhe: Das Fahrrad kann für kürzere Strecken nicht nur das umweltfreundlichste, sondern auch das praktischste Verkehrsmittel sein – wenn die Rahmenbedingungen passen und die Infrastruktur stimmt.
Sicher ist, der Radverkehr wird in der Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Sich beim Ausbau des Radverkehrsnetzes aber nur auf die Radschnellverbindungen zu konzentrieren, wäre der falsche Weg. Schlüssige, ein attraktives großes Ganzes ergebende Konzepte zwischen den Stadt- und Landkreisen, sind mindestens genau so wichtig, um die Leute aufs Rad zu bringen.
Die Stadt Stutensee nimmt in diesem Jahr erstmals am „Stadtradeln“ des Klima-Bündnisses europäischer Kommunen teil. Vom 30. Juni bis 20. Juli können Stutenseerinnen und Stutenseer möglichst viele mit dem Fahrrad zurückgelegte Kilometer sammeln. Die Kilometer-Könige werden am Ende der Aktion bei einer Siegerehrung gewürdigt. Für die Eine oder den Anderen vielleicht ja die Gelegenheit, sich auf den Sattel zu schwingen – und auf den Geschmack zu kommen? Stutensee will jedenfalls Vorbild sein, die Fahrradnutzung positiv zu beeinflussen und deren Image zu fördern.
Keine Frage: Das Fahrrad ist ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, und es ist ein wichtiger Teil nachhaltiger Mobilitätskonzepte. Deshalb soll, nein muss, Fahrradfreundlichkeit mehr als ein Lippenbekenntnis sein.