Mit dem Müllsack beim Jogging unterwegs ist Christian Franke. Der neue Trend mit nachhaltigem Effekt heißt "Plogging". | Foto: Kuld

Laufend Müll sammeln

Plogging ist der neue Trend

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Sie sprechen doch Schwedisch? „Plocka“ heißt bekanntlich aufheben, sammeln. Und Englisch beherrschen Sie auch? „Jogging“ ist klar, schnelleres Gehen. Aus beidem kann man „Plogging“ machen – und das ist neu. Dieser Trend kommt ausnahmsweise mal nicht aus den USA, sondern aus Schweden. Überall liegt Müll herum. Schwedische Jogger haben deswegen begonnen, beim Laufen Müll zu sammeln. „Plogging“ – das ist „eine Mischung aus ökologischer Aktion, Sport und Social-Media-wirksamem Lifestyle“. So hat es im Frühjahr der Deutschlandfunk vermeldet. Überhaupt findet das Thema aktuell starke Beachtung.

Angekommen in der Region

Der Trend ist in der Region angekommen. Seit wenigen Wochen ist Christian Franke rund um Hochstetten in Sachen Plogging unterwegs. „Ich hatte in meinem Club bei einer Challenge mitgemacht und ,eine Stunde gemeinnützige Arbeit’ gewonnen“, erzählt der 42-Jährige, der regelmäßig läuft. Nach seinem „Gewinn“ habe er bei Google einmal zu „Müll sammeln beim Laufen“ geschaut. Herausgekommen ist „Plogging“ und schon war Franke mit dem ersten Müllsack im Wald unterwegs. Seine Frau bestärkte ihn darin, die Sache publik zu machen. Er stellte eine Nachricht in Facebook – und daraus entstand jetzt dieser Bericht.

Müllsack, feste Handschuhe

Zur Ausrüstung gehört bei Franke neben dem Müllsack ein Paar feste Handschuhe, denn der Müll ist zuweilen eklig. „Zwei, drei Kilometer, und der Müllsack ist voll“, berichtet Franke von der ersten Tour. Der Müll reicht dabei von Papier- und Plastikabfällen jeder Art über Flaschen, Altmetall bis zu Getränkedosen und allerlei Unappetitlichem. „Das Laufen leidet da natürlich ein bisschen“, sagt Franke, dessen fast schon geschulter Blick für den Abfall beeindruckt. Er liest nicht nur das auf, was unmittelbar am Wegesrand liegt. Er bückt sich auch, wenn sich etwa ein längeres Stück Plastikfolie in einem Strauch verfangen hat.

Man sieht schnell, wo Leute unterwegs sind

An diesem Abend geht Franke mit dem BNN-Redakteur eine Runde vom Hochstettener Fußballplatz parallel zur B 36 Richtung Süden, dann entlang der L 558 und durch den Wald wieder zurück zu den Fußballern. „Man sieht ganz einfach, wo viele Menschen unterwegs sind“, sagt Franke – da ist dann viel Abfall im Gegensatz zu den nicht so stark begangenen Wegen. Nach der vielleicht fünf Kilometer langen Runde sind die beiden Müllsäcke weitgehend voll. Franke nimmt sie mit nach Hause und schmeißt sie in seine Abfalltonne.

Gruppenbildung?

Warum macht er das Ganze? Er wolle etwas Nachhaltiges tun, sagt Franke, der sich wundert, was die Leute alles wegwerfen. Und die „Plogging“-Bewegung kam ihm dabei gerade recht. Gerne würde er sie in seiner Region auf etwas größere Füße stellen. Einmal im Monat mit einer Gruppe im Wald aufräumen? Wer dabei sein will, erreicht Christian Franke per Facebook.

Plogging – wer genau hat es erfunden? Dazu Aaron Kleinfeld auf der Seite des Sportuhrenherstellers garmin.de: „Der schwedische Umweltaktivist Erik Ahlström war der erste Läufer, der sich mit Müllbeutel auf die Laufstrecke begab. Als er vom ländlichen Åre nach Stockholm zog, konnte er nicht tatenlos zusehen, wie die Grünflächen seiner neuen Nachbarschaft durch den großstädtischen Wegwerfwahn zu vermüllen drohten. Ahlström sagte dem Unrat den Kampf an und joggte einfach los.
Auch eine deutsche Plogging-Community bringt Menschen zusammen, die das nachhaltige Fitnessprogramm absolvieren. Durch das Bücken und Aufrichten, um etwas einzusammeln, und die Sprints dazwischen entsteht sogar eine Art Intervalllauf. Zusätzlich nimmt mit immer voller werdender Tüte das Gewicht zu. So wird auch die Armmuskulatur trainiert.