Ausbildungsberufe hautnah erlebt: Azubi Benedict Zimmermann (rechts) erklärt den Besuchern Luca Bellm (links) und Fabian Kelemen Details aus seinem Ausbildungsalltag als Mechatroniker.
Ausbildungsberufe hautnah erlebt: Azubi Benedict Zimmermann (rechts) erklärt den Besuchern Luca Bellm (links) und Fabian Kelemen Details aus seinem Ausbildungsalltag als Mechatroniker. | Foto: Katja Stieb

Tag der Ausbildung bei der SEW

Qualifizierte Bewerber sind nicht leicht zu finden

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Von Katja Stieb

Der Eindruck täuschte: Beim Tag der Ausbildung bei SEW Eurodrive in Graben-Neudorf am Samstag hätte man annehmen können, dass das internationale Unternehmen in Sachen Auszubildenden immer wieder aus dem Vollen schöpfen kann. Schon kurz nachdem sich am Vormittag die Tore zum Werksgelände geöffnet hatten, strömten junge Besucher mit ihren Eltern scharenweise in die Werkstatt, um sich bei Vorträgen, Workshops und an verschiedenen Mitmach-Stationen über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Doch es ist eben längst nicht mehr so, dass SEW für alle Ausbildungsplätze geeignete Bewerber findet und sich nach Belieben die Rosinen aus dem großen Kuchen der Schulabsolventen picken kann.

Potenzielle Bewerber gehen auf weiterbildende Schulen

„Die Zeiten haben sich geändert. Es ist nicht immer einfach, qualifizierte Bewerber zu finden“, erklären Klaus-Peter Schillo und Markus Süss, die sich den Bereich Ausbildung bei SEW Eurodrive teilen. „Eines der Hauptprobleme ist die Tatsache, dass wir potenziell geeignete Schülerinnen und Schüler an weiterbildende Schulen verlieren. Der Gedankengang, dass ein schlechtes Abitur besser ist als gar kein Abitur, hält sich hartnäckig.“

Erfolg  bei SEW nach „Biografie des Scheiterns“

Dabei sieht gerade Markus Süss, der die Azubis in den technischen Ausbildungsberufen betreut, die mitunter fatalen Konsequenzen tagtäglich. „Es gibt immer wieder junge Leute, die eine Biografie des Scheiterns hierher mitbringen“, erzählt er. „Sie wurden nach dem Schulabschluss aufs Gymnasium geschickt, obwohl sie weder die Noten noch den Lernwillen mitbrachten, der dafür notwendig gewesen wäre. Dort fielen sie auf die Nase – immer wieder. Bis sie schließlich hier stehen und sich für eine Ausbildung entscheiden, haben sowohl der junge Mensch als auch seine ganze Familie eine sehr anstrengende und belastende Zeit hinter sich.“ Nie wird Markus Süss den jungen Bewerber vergessen, der beim Bewerbungsgespräch frei heraus behauptete, ein „Loser“ zu sein. „Er hatte immer nur Misserfolge erlebt, nie hatte ihn jemand für etwas gelobt“, sagt Süss. „Heute ist er bei uns Azubi, und wir sind hochzufrieden mit ihm.“

Einstieg in die berufliche Laufbahn

Der Tag der Ausbildung ist für viele junge Leute der Einstieg in ihre berufliche Laufbahn bei SEW. Vor drei Jahren war auch Benedict Zimmermann hier, um sich über das Berufsbild des Mechatronikers zu informieren. Am Samstag erklärte der Azubi im zweiten Lehrjahr den beiden Besuchern Fabian Kelemen und Luca Bellm die Inhalte seiner Ausbildung. „Wir möchten diesen Beruf auch lernen und waren gespannt, wie es bei SEW zugeht“, erzählten die beiden Jungen, die 2019 ihre Mittlere Reife machen werden. „Abi können wir später immer noch machen. Praktisches Arbeiten ist uns lieber.“

An Mitmach-Stationen Hand angelegt

Und genau das stand an den vielen Mitmach-Stationen am Samstag im Mittelpunkt: Beim Löten, Montieren und Arbeiten mit Kupferdraht ging es darum, Aspekte der Ausbildungsberufe hautnah zu erleben. „Das ist ein großes Manko heutzutage, im Grunde ein gesellschaftliches Problem“, erklärt Markus Süss. „Die jungen Leute können sich nicht mehr ausprobieren, bekommen oft nicht die Möglichkeit, mal etwas Neues zu wagen. Hier möchten wir ansetzen und ihnen die Chance geben, sich selbst herauszufordern.“