Im zweiten Jahr verkauft Josef Sabados saisonal Obst und Gemüse für den Zwingenberger Spargel- und Obsthof Wendel. Bei der Lage an der Blankenlocher Hauptstraße kommen viele Kunden zu Fuß. | Foto: Alexander Werner

Saisonaler Straßenservice

Spargel und Erdbeeren: Qualität und Frische geben den Ausschlag

Anzeige

Sie gehören zur Saison wie der Spargel und die Erdbeeren: Die Straßenstände, an denen die Straßen und Erdbeeren verkauft werden. 

Von Alexander Werner

Josef Sabados kann gut mit Menschen umgehen. Wenn sich Kunden an seinem Verkaufsstand in der südlichen Blankenlocher Hauptstraße eindecken, geschieht das in jovialer Atmosphäre. Der Rentner aus Serbien ist zum zweiten Mal saisonal für rund zwei Monate für den Zwingenberger Spargel- und Obsthof Wendel tätig. Sonntag und Montag sind Ruhetage. Am Morgen wurden wieder frisch 400 Erdbeer- und 50 Himbeerschalen geliefert, 60 Kilo weiße und grüne Spargel nebst Sauce Hollandaise im Tetrapack, Marmelade sowie Kartoffeln.

Preise ähnlich wie im Supermarkt

Sven Fes kauft dort öfter in der Erdbeer- und Spargelzeit ein. „Es liegt angenehm in meiner Nähe, der Geschmack ist super, und die Preise sind ähnlich wie im Supermarkt“, erläutert er. Auch Michael Zerr lobt Geschmack und Frische der Waren. Er investiere im Sommer dafür gern ein wenig mehr, auch wegen der Reife, sagt er. Seine Frau komme da fast täglich vorbei, er selbst eher beim Wendel-Stand bei der Bäckerei Visel im Gewerbegebiet. Um den kümmert sich Kitti Kiraly. Sie reiste für drei Monate aus Ungarn an. Ihre Kundschaft schätzt sie auf 200 bis 250 Leute pro Tag. Ruth Hiege aus Büchig führt die „gute Qualität“ dorthin. Die sei aber in Hofläden ebenso gut, die sie auch besuche. Dort kaufe man zudem günstiger ein.
160 Stände betreibt der Hof der Familie Wendel in Baden-Württemberg und bis ins Hessische hinein. Standorte in der Region gibt es neben Stutensee in Jöhlingen sowie beispielsweise in Karlsruhe.

Logistik der Straßenstände ist gewaltig

90 Prozent vom Geschäft würden die Straßenstände ausmachen, berichtet Büroleiter Thomas Krauß. Dahinter stehe eine gewaltige Infrastruktur und Logistik. Täglich wird nicht nur an-, sondern Übriges auch rückgeliefert. Die Verkäufer werden morgen und abends vom und zum Stammsitz gebracht. Soweit am Standplatz keine Mitnutzung von Toiletten möglich ist, müssen mobile WCs aufgestellt werden. Das Aufkommen der Stände sei stabil und der Zuspruch bei Stammkunden und Laufkundschaft anhaltend sehr gut, so Krauß. Ausschlaggebend dafür seien die Qualität und Frische, sagt er.

Auf 200 bis 250 Leute schätzt Kitti Kiraly ihre tägliche Kundschaft am Verkaufsstand in Stutensee-Blankenloch. Die frischen Erdbeeren sind in besonderer Weise gefragt. | Foto: Alexander Werner

Personal ist schwer zu finden

Je nach Standort finden sich noch Kirschen, Aprikosen, Heidelbeeren, Spargelschäler und erstmals Tomaten im Sortiment. Sehr wichtig sei der Standplatz auf öffentlichem oder privatem Grund mit Faktoren wie regerem Verkehr oder Parkraum. Zunehmend schwerer werde es allerdings, ausreichend Personal zu finden, betont Krauß.
Dem Dossenheimer Hegehof geht es da nicht anders. Er unterhält Erdbeerhäuschen und größere Straßenstände zusätzlich zur heimischen Umgebung noch an weiteren 70 Standorten im Umkreis von 100 Kilometern. Gut vertreten ist der Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Im BNN-Hardtgebiet steht ein Häuschen in Pfinztal. Zahlreiche Kunden kaufen auch an der Linkenheimer Landstraße ein, wenn sie über die B36 zwischen Karlsruhe und der Unteren Hardt pendeln. Das sei sehr praktisch, erläutert ein Linkenheimer auf dem Heimweg. Neben Beeren und Spargeln bietet der Hegehof mobil Salate, Kartoffeln, verschiedene Obstsorten und Gemüse, Fruchtaufstriche, Säfte, Wein und Blumensträuße an. An gut frequentierten Plätzen gibt es längere Verkaufszeiten von April bis Ende Oktober. Zum Saisonende kommen Äpfel, neuer Wein, Zwiebelkuchen und Kürbisse dazu.

Auswärtige dominieren

Bei den Straßenständen dominieren die Auswärtigen. Einheimische Erzeuger wie die Familie Meier vom Stafforter Meierhof oder Markus Leicht vom Eggensteiner Erdbeer- und Spargelhof beschränken sich im Sektor direkter Selbstvermarktung auf ihre sehr gefragten Hofläden. Die Probleme, Personal zu finden oder Frischequalität ohne Kühlung bei Hitze zu halten, sind für beide Argumente gegen eigene Stände. Markus Leicht hatte solche, hat diese aber wieder aufgegeben. Rentabilität sei ein großer Aspekt, resümiert er. Dazu kämen die Konkurrenz von darin sehr professionell aufgestellten Betrieben sowie die Verfügbarkeit guter Plätze. Dazu müsse man auch für Toiletten sorgen. Stände zu betreiben sei sehr aufwendig, resümiert er.
Was die Frische angehe, funktioniere das bei täglich frischer Anlieferung, soweit es nicht extrem heiß werde, erklärt Annette Ehleben vom Hegehof. Die Waren könnten mit Tüchern abgedeckt und mit Wasser besprengt werden. Ansonsten ist an Ständen zu erleben, dass etwas angeschlagen wirkende Erdbeeren aussortiert werden.