Als gelungenes Beispiel für ein Quartierskonzept gilt das Musikerviertel Ettlingen, darin eingebunden ist auch die energetische Sanierung des Beruflichen Bildungszentrums. | Foto: Klaus Müller

Entlastungsräume mit Grün

Städteplaner warnen vor zu dichter Bebauung

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Von heute auf morgen wird es nicht gehen. „Da sollte man ehrlich sein“, sagt Gerd Hager, Direktor des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein. Er bezieht das auf die „gebaute Umwelt“, eben auf das, was sich in den Flächennutzungsplänen und in den detailliert ausgearbeiteten Bebauungsplänen findet. Und dass in diesen Planungen der Klimaschutz und genauso Klimaanpassung eine immer größer werdende Rolle spielen, steht für ihn außer Frage. Mehr noch: „Was das angeht, müssen wir auf allen Ebenen deutlich besser werden.“

Von Klaus Müller

Bauleitplanung

Ein Instrument, Einfluss auf künftige Bebauungen unter dem Aspekt des Klimaschutzes zu nehmen, bietet die Bauleitplanung. „Die Bauleitplanung ist das zentrale Instrument für eine geordnete und nachhaltige städtebauliche Entwicklung“, heißt es auf der Homepage des Regierungspräsidiums. Allein nur diese Definition zugrunde gelegt, bietet das Planungsinstrument in der Tat eine Menge Möglichkeiten. „Was wir heute bauen, hat über Jahre hinweg direkte Auswirkungen“, betont Hager – nicht zuletzt mit Blick auf den Klimawandel. Kurzum: Heute werden die Weichen für morgen und übermorgen gestellt.

Regionalplan

Was sich etwas profan anhören mag, birgt ein gewaltiges Steuerungspotenzial, sodenn es genutzt wird. Ein gewichtiges Wörtchen dabei mitzureden hat der Regionalverband, insbesondere dessen Versammlung – die Regionalversammlung, deren Mitglieder von den Kreisräten, den Landräten sowie den Gemeinderäten und den Oberbürgermeistern der Stadtkreise gewählt werden. In den nächsten Monaten wird der Regionalplan fortgeschrieben. Mit der öffentlichen Auslage rechnet Hager etwa Ende 2020. Die Ergebnisse des Regionalplans fließen in die Bauleitplanung ein. An entsprechende Vorgaben und Auflagen müssen sich die Kommunen halten. Nicht eins zu eins, so Hager. Der Feinschliff erfolge in den Gemeinden und Städten.

Zielkonflikte

Die Fortschreibung des Regionalplans ist durchaus als echte Chance anzusehen, den Klimaschutz ganz konkret in Planungsvorhaben einzubeziehen. Theoretisch. Entscheidend ist am Ende die Verbandsversammlung – wie weit sie überhaupt in Sachen Klimaschutz gehen will. Grundlage hierbei ist für den Verbandsdirektor eine „ganzheitliche Betrachtung“. Dass sich in der damit verbundenen Diskussion mitunter Zielkonflikte auftun können, weiß Hager nur allzu gut. Beispiel: Innenverdichtung. Innen vor außen soll in der Bauleitplanung favorisiert werden. Allerdings warnen Städteplaner inzwischen vor einer zu dichten Bebauung. Mit Blick auf den Temperaturanstieg (vor allem in den Sommermonaten) bräuchte man in Städten und Gemeinden Entlastungsräume – also Bereiche mit Grün, Bäumen und/oder Wasser, wo es im Durchschnitt etwas kühler ist.

Schlüssel liegt bei Kommunen

Hager sieht darin keinen Widerspruch: Innenverdichtung könne auch viel Qualität bieten. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer „intelligenten Nachverdichtung“. Nahwärmeversorgung, Quartierskonzepte, Versorgung, soziale Konzepte, regenerative Energien, der fließende wie der ruhende Verkehr, Anbindung an den ÖPNV – um nur einige Beispiels zu nennen – ließen sich in den Detailplanungen berücksichtigen. „Der Schlüssel dazu liegt bei den Kommunen“, meint Hager.

Gestaltungsmöglichkeiten

Fest steht für ihn, dass bei diesen Prozessen unbedingt die Bürger mitgenommen werden müssten. Beim Thema Klimaschutz seien die Menschen viel sensibler, ja offener geworden. „Vor einigen Jahren hätte noch niemand daran gedacht, dass wir heute so intensiv darüber reden.“ Die Vorgaben in der Bauleitplanung wie überhaupt die politisch gesetzten Rahmenbedingungen müssten „alltagstauglich und praktikabel“ sein. An „Gestaltungsmöglichkeiten“ jedenfalls würde es nicht mangeln. Beispielhaft für die Umsetzung solcher Gestaltungsmöglichkeiten nannte er unter anderem das Quartierkonzept Musikerviertel Ettlingen, darin eingebunden die (auch energetische) Sanierung des Beruflichen Bildungszentrums; die geplante neue Ortsmitte Graben-Neudorf, ein „Quartier mit sozialem Gesicht“. Auch im Kleinen, um ein Beispiel zu nennen, lässt sich planerisch einiges tun: Warum nicht in neuen Bebauungsplänen Ladestationen für E-Autos ausweisen?