Urlaubsidylle pur in der Hardt: Eindrücke wie diese finden sich auch im eigenen Land, hier in der Nähe von Stutensee-Spöck. Viele Urlaubswillige wollen aktuell lieber im Land bleiben. | Foto: Wisser

Reisebüro erkundet Ziele

Reisebüros in der Hardt raten trotz Lockerung der Reisewarnung zum Urlaub im Land

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Wohin im Urlaub 2020? Diese Frage beantworten immer mehr Reisebürokunden mit „Deutschland“ – und dies, obwohl die Bundesregierung demnächst die Reisewarnungen für 31 europäische und nordafrikanische Staaten aufhebt. Aber: Die Kapazitäten in den beliebten deutschen Urlaubsregionen sind limitiert.

Die für Mitte Juni angekündigte Aufhebung der Reisewarnungen für 31 europäische und nordafrikanische Staaten sorgt nicht für einen Run auf die Reisebüros in der Hardt.

„Viele Kunden sind noch sehr verunsichert und sagen, dass sie bei ihrem Urlaub dieses Jahr nicht ins Ausland wollen“, berichtet etwa Sabine Praster vom Reisemarkt Graben-Neudorf. Verunsichert sind auch die Reisebüros, denn: „Wir müssen jeden Tag aufs neue checken, was geht und was noch nicht“, erklärt Praster.

Die Arbeit wird nicht gerade leichter.

Sabine Praster, Reisemarkt Graben-Neudorf

Was passiert mit gebuchten Gästen, die in ein Hotel wollen, das aber nur 60 Prozent Auslastung haben darf? Wie wird es bezüglich Corona am Strand gehandhabt? Fragen über Fragen. Praster: „Die Arbeit wird nicht gerade leichter.“

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Reisebüros: Flugreisen sind noch nicht empfehlenswert

Immerhin: Griechenland sei jetzt gut gerüstet, zumal es dort kaum Corona-Fälle gegeben habe. Und auch auf die Balearen, allen voran Mallorca, können man bald wieder reisen. Allerdings: „Flugreisen sehe ich persönlich noch sehr kritisch.“

Auch Ute Winkler vom Reisemarkt Stutensee kann „Kunden das Fliegen nicht empfehlen“. Nach mehrstündigem Sitzen ohne Frischluft beispielsweise habe jeder etwas erhöhte Temperatur. „Wenn man dann zum Beispiel in der Türkei ankommt, die machen einen Test und dann kriegt man ein, zwei Tage später gesagt, dass man ins Krankenhaus muss – das ist doch kein Urlaub.“

Reisebüro-Mitarbeiterin erkundet für Kunden die eigene Region

Aus diesem Grund ist Ute Winkler derzeit unterwegs: „Ich habe mein Büro mitgenommen und erkunde die Region“, verrät die Reisefachfrau. Momentan ist der Schwarzwald an der Reihe, wo Hotels gecheckt und Freizeitmöglichkeiten, auch für Familien mit Kindern, eruiert werden.

„Ich möchte den Kunden genau sagen, was sie machen können“, so Winkler, „denn auch hier, im eigenen Land, ist es sehr schön“.

Nicht so schön fand sie es allerdings über Pfingsten an den Triberger Wasserfällen: „Da hatten ganz viele Leute keine Maske auf – das wurde nicht moniert. Ein Unding.“ Unabhängig davon empfehle sie aber auch diese Gegend.

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„Begrenzte Angebotspalette“ für Urlaub im eigenen Land

Viele Kunden, auch jüngere, haben Angst vorm Reisen und wollen lieber im eigenen Land bleiben, berichten die befragten Reiseexpertinnen. „Es gibt aber auch manche, die sagen: Hauptsache nur weg“, ergänzt Winkler. Denen könne sie aber aktuell nichts Verlässliches sagen, weshalb sie dann bitte, nach dem 15. Juni nochmal zu ihr zu kommen.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

 

Wer sich für Urlaub im eigenen Land entscheide, müsse sich auf eine „begrenzte Angebotspalette“ einstellen, erklärt Praster. Nord- Ost- und Bodensee sowie die Mittelgebirge hätten nur eine bestimmte Hotelkapazität. „Da sind wir Reisebüros schnell am Ende.“

Anbieter von Ferienwohnungen und -häusern könnten von der Situation profitieren, denn dort ist man sozusagen in den eigenen vier Wänden. Pech für die Reisebüros: Derlei Buchungen laufen meist über Internetplattformen.

Das Touristikjahr 2020 ist eigentlich gelaufen.

Sabine Praster, Reisemarkt Graben-Neudorf

Die Lage für die Reisebüros selbst sieht Praster auch nach den angekündigten Lockerungen weiterhin angespannt: „Die Soforthilfen waren eine gute Sache. Aber jetzt zieht es sich hin. Nun könnten wir ja jetzt wieder Geld verdienen mit Abreisen, aber das Gros der Kunden ist eben zurückhaltend.“ Nach ihrer Einschätzung „ist das Touristikjahr 2020 eigentlich gelaufen“.

Die Fachfrau aus Graben bleibt übrigens selbst auch im eigenen Land: „Wir wollten eigentlich im September nach Kanada, die Natur genießen. Jetzt fahren wir mit dem Wohnmobil auf die Insel Rügen. Da soll es auch eine traumhafte Natur geben, hört man.“