Auf Sparflamme: In der Küche des „Restaurants Insel Rott am Rhein“ ist es ruhig geworden. Werner und Cornelia Roth (rechts vorne) treiben starke Sorgen ums Geschäft und die Belegschaft um. | Foto: Werner

Restaurant Insel Rott: Team auf 15 Leute geschrumpft

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Von unserem Mitarbeiter Alexander Werner

Das Restaurant auf der Insel Rott beklagt drastische Einbrüche und hofft auf schnelle Brückensanierung. Der Betrieb zehrt von den schwindenden Rücklagen.

16 Uhr im „Restaurant Insel Rott am Rhein“: Ein paar Gäste lassen sich in kleiner, geselliger Runde Fischspezialitäten schmecken. 45 Minuten später ist das Lokal leer, bis wenig später doch noch ein Pärchen einkehrt. 17 Uhr ist mittlerweile die Stunde, ab der bis zum Feierabend gar nichts mehr geht, berichten Geschäftsführer Werner Roth und seine Frau Cornelia. Der Schock, der sie im Juli 2018 mit der Sperrung der beiden Zufahrtsbrücken zur Insel Rott für motorisierten Verkehr aus heiterem Himmel traf, steckt ihnen noch spürbar in den Knochen. Seither bestimmen Gästeschwund, Existenzsorgen, Ungewissheiten und Rationalisierungszwänge die Lage.

Zwei Gäste am Tag

Im benachbarten Fischerheim des Anglervereins Hochstetten gingen bei Tolo Duong die Läden wieder um 17 Uhr runter. Als neuer Pächter war er gleich kalt erwischt worden. An diesem Tag wie auch gestern habe er nur zwei Gäste gehabt, sagt er. Je nach Wetter komme manchmal überhaupt niemand. Seine Unkosten könne er nicht decken. Um überhaupt weiterdenken zu können, ist für Duong wie für seine Nachbarn wichtig zu wissen, wie es nun bei den geplanten Brückensanierungen weitergeht.

Wunsch: Konkretes Datum für Brückenvollsperrung

„Wir hoffen jetzt, vom Bürgermeister ein konkretes Datum für die Vollsperrung der Brücken während der Bauarbeiten zu bekommen“, betont Werner Roth. Noch haben Roths die Hoffnung, dass diese tatsächlich Ende des ersten Quartals anlaufen. Allerdings befürchtet Roth, dass sie noch länger als die drei veranschlagten Monate dauern. Bei eh zwangläufig kompletter Schließung des Lokals sähe es dann ganz düster aus.
Immer noch keine Durchfahrt: Noch bleibt die Zufahrt zur Insel Rott ab dem Parkplatz beim Fischerkiosk gesperrt. Bei einer Sanierung der Brücken im Frühjahr könnte der Verkehr im zweiten Halbjahr 2019 wieder fließen.
Immer noch keine Durchfahrt: Noch bleibt die Zufahrt zur Insel Rott ab dem Parkplatz beim Fischerkiosk gesperrt. Bei einer Sanierung der Brücken im Frühjahr könnte der Verkehr im zweiten Halbjahr 2019 wieder fließen. | Foto: Werner

Frühling muss Winter ausgleichen

Im Prinzip müsste das Geschäft ab Frühling wieder laufen, um gut über den schwächeren Winter zu kommen, erläutert Roth. Die Brückensperrung im Juli kritisiert er nach wie vor als „Schnellschuss“. Wäre sein Vorschlag für einen Shuttleservice mit Caddies ab dem Parkplatz beim Anglerkiosk durchgegangen, wäre man noch relativ gut über die Runden gekommen, meint er.

Nur noch zehn Prozent der Gäste da

Immerhin sei der Zuspruch speziell von Ausflüglern, die sich über den langen Sommer zu Fuß und per Rad auf den Weg gemacht hätten, besser als erwartet gewesen, ergänzt Roth. Allerdings habe sich die Zahl der überwiegend älteren Stammgäste schnell deutlich verringert. Im November sei dann alles krass in den Keller gegangen. Vor der Brückensperrung seien werktags 200 bis 300, an Wochenenden 500 bis 600 Leute gekommen. „Jetzt sind es noch 50 bis 60 am Tag“, resümiert Roth.

Durchhangeln mit Erspartem

Von schwindenden Rücklagen zehrt der Betrieb seit Monaten. Man versuche nun, sich irgendwie weiter durchzuhangeln, so Roth. Besonders schmerzen die Roths die Folgen für ihre teils seit Jahrzehnten im familiären Traditionsbetrieb tätigen Mitarbeiter. Teilzeitkräfte und Minijobber habe man sofort entlassen müssen, sagt Roth. Das Team von zuvor 29 Beschäftigten ist bereits auf 15 Leute, einschließlich der beiden Roths und Sohn Pierre, geschrumpft. Den Mitarbeitern liegt die unerwartete Entwicklung mit bei Vollsperrung anstehenden Entlassungen schwer im Magen.

Langjähriges Personal

Brigitte Seith bedient seit 40 Jahren. Die 62-Jährige hatte gleich vorgeschlagen, ihren Teilzeitjob auf wenige Stunden nach Bedarf zu verringern. „Im Moment arbeite ich gar nicht“, erzählt sie. Alles sei sehr traurig. Wie die Anderen hofft sie, dass es bald wieder anläuft und sie weitermachen kann.

Irgendwie weitermachen

Während es für Brigitte Seith finanziell weniger dramatisch aussieht, sieht sich Andrea Lindner existenziell bedroht. Familiär könne sie es eine Zeitlang gerade noch auffangen. Aber sie müsse sich umschauen, um die Zeit der Sperrung überbrücken zu können. Seit 17 Jahren arbeitet sie im Service. Nicht nur sie fühlt sich bei ihrer Arbeit wie in einer Familie. „Man lebt auch mit allen Stammgästen“, sagt sie in der Hoffnung, dass nach der Vollsperrung alles wieder gut ins Laufen kommt. Nicht anders geht es Peter Franzen nach elf Jahren als Koch. „Ersparnisse aufbrauchen und wenn es irgendwie geht, im Restaurant weitermachen“, lautet seine Devise.