Vollsperrung: Noch gut zweieinhalb Jahre ist die Jöhlinger Straße (L559) in Weingarten dicht. Und "kurze Alternativen" zu weiträumigen Umleitungsstrecken wird es definitiv nicht geben. | Foto: Marianne Lother

Dauerbrenner Jöhlinger Straße

Sperrung L559 in Weingarten: Keine kurzen Umleitungsalternativen

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Ob jetzt Ruhe im Dauerbrenner „Sperrung Jöhlinger Straße in der Ortsdurchfahrt Weingarten“ und der damit einhergehenden Umleitungsproblematik einkehrt? Nach einem zweiten „runden Tisch“ im Landratsamt Karlsruhe zur Sperrung der L559 zwischen Weingarten und Jöhlingen steht jedenfalls fest: „Kurze Alternativen“ auf Wirtschaftswegen zwischen Weingarten und Jöhlingen statt einer weiträumigen Umleitung über die B35 Bruchsal-Heidelsheim beziehungsweise die B293/B10 Pfinztal-Berghausen wird es während der noch rund zweieinhalb Jahre dauernden L559-Baustelle nicht geben.

Nicht durchs Mauertal

Das heißt, die ins Spiel gebrachten Ausweichrouten von Jöhlingen kommend nah an der Ortslage Weingarten über „Kirchberg/Bittberg“ in Richtung B3 beziehungsweise nach Jöhlingen von der B3 südlich des Ortseingangs Weingarten durch das Mauertal sind ad acta gelegt. Die Gemeinde Weingarten stand solchen Überlegungen von Anfang an sowieso kritisch und ablehnend gegenüber.

Bänziger: Unsere Einschätzungen wurden bestätigt

Weingartens Bürgermeister Eric Bänziger führte stets eine Reihe rechtlicher und verkehrlicher Gründe für diese Haltung ins Feld. „Unsere Einschätzungen, die wir schon 2018 abgegeben haben, wurden in allen Punkten bestätigt“, so Bänziger. „Mein Dank geht auch an das Landratsamt, das ausführliche Untersuchungen veranlasste und damit unsere Ansichten noch detaillierter darlegen konnte.“

Zweiter „Runder Tisch“ im Landratsamt

Nachdem die Gemeinden Weingarten, Pfinztal und Walzbachtal zwar ins Gespräch, aber zu keiner Lösung gekommen waren, und sich der Ärger in der Bevölkerung angesichts weiter Umwege für Pendler aus Walzbachtal und noch mehr Verkehr in der ohnehin schon stark belasteten Ortsdurchfahrt Berghausen weiter Luft verschaffte, hatte Landrat Christoph Schnaudigel bereits Anfang Oktober die maßgeblichen Akteure zu einem ersten „runden Tisch“  eingeladen – der letztlich im zweiten Treffen an diesem Mittwoch (23. Januar) mündete. Ein Treffen in großer Runde, miteinander statt übereinander zu reden, das sei „genau der richtige Weg“ gewesen, meint Weingartens Bürgermeister Bänziger. „Wir konnten uns schon immer in die Augen schauen und wir können es auch danach noch.“

An dem „runden Tisch“ im Landratsamt nahmen neben Schnaudigel vom Regierungspräsidium Karlsruhe die Regierungsvizepräsidentin Gabriela Mühlstädt-Grimm, die Bürgermeister aus Weingarten (Eric Bänziger), Walzbachtal (Karl-Heinz Burgey), Pfinztal (Nicola Bodner) und Bruchsal (Andreas Glaser) sowie die Grötzinger Ortsvorsteherin Karen Eßrich und Berghausens Ortsvorsteher Edelbert Rothweiler teil.

Verkehrssicherheit und Artenschutz bremsen örtliche Umfahrungen aus

Gegen die „kurzen Alternativen sprechen vor allem Gründe der Verkehrssicherheit“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes: „Die schmalen und teils sehr kurvigen Wirtschaftswege auf abschüssigem beziehungsweise hängendem Gelände machen es selbst bei einer Einbahnregelung praktisch unmöglich, das notwendige Maß an Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“ Das sei aber bei einer Freigabe für den allgemeinen Pkw-Verkehr erforderlich. Außerdem würde die Einmündung auf die B3 mit Linksabbiegerverkehr zu gefährlichen Situationen auf der Bundesstraße führen.

Und schließlich stünde einem solchen Ansinnen das Vorkommen geschützter Vogel- und Fledermausarten, Amphibien und Reptilien entgegen. Im Hinblick auf durchzuführende naturschutzrechtliche Verfahren wäre eine Streckenführung nicht in absehbarer Zeit und damit wesentlich vor dem Ende der regulären Bauarbeiten möglich. Kurzum: Der Aufwand – für die Ertüchtigung der Wirtschaftswege hätten die Gemeinden Weingarten und Walzbachtal auch Geld in die Hand nehmen müssen – stehe nicht im Verhältnis zum erzielbaren Nutzen.

Gesamtbauzeit kann nicht verkürzt werden

Noch einmal deutlich gemacht wurde außerdem: Aufgrund der umfangreichen Bauarbeiten kann die Gesamtbauzeit nicht verkürzt und wegen der engen Weingartener Ortsdurchfahrt auch nicht „einspurig“ gearbeitet werden.

Burgey: Ergebnis nicht befriedigend

Mit „gemischten Gefühlen“ sei er aus dem Treffen gegangen, verdeutlicht Walzbachtals Bürgermeister Karl-Heinz Burgey: „Das Ergebnis ist nicht befriedigend“, sagt er. „Nicht für die Gemeinde, nicht für die Einwohner und nicht für die Gewerbetreibenden. Nicht für uns und auch nicht für Pfinztal. Aber ich komme an den Sachzwängen der Natur, Finanzierung und am schwerwiegendsten, der Verkehrssicherheit, nicht vorbei“, macht Burgey deutlich. „Ich gehe aber mit dem Gefühl aus dem Treffen, dass alles angesprochen worden ist und ich weiß, man kann die Entscheidung vertreten.“ Die massive Verkehrsbelastung in der Region zeige  auch, „wie wichtig die Ortsumfahrungen Jöhlingen und Berghausen sind“, fügte er hinzu.

Bodner: Zufrieden kann ich nicht sein

Zufrieden könne sie nicht sein, sagt Pfinztals Bürgermeisterin Nicola Bodner „Ich will keine Fehlerzuweisung“, betont sie. „Für die Zukunft würde ich mir aber wünschen, dass Prozesse optimiert werden und vorausschauender geplant wird. An die Vorlaufzeit zum Beispiel beim Naturschutz hätte man  denken und entsprechende Prüfungen rechtzeitig in die Wege leiten können“, so Bodner. „Es kommen andere Baustellen. Da hoffe ich schon, dass das besser wird und wir in Berghausen nicht den Verkehrskollaps erleben.“

Miteinander und nicht übereinander geredet

Auch wenn „der Wunsch nach Umleitungsstrecken auf den Wirtschaftswegen nicht erfüllt werden konnte“, so Landrat Christoph Schnaudigel, das Zusammenkommen hätte sich gelohnt: „Alle Beteiligten saßen an einem Tisch, haben miteinander und nicht übereinander geredet. Auch besteht Einigkeit darüber, dass wirklich alle Aspekte umfassend geprüft wurden und deshalb keine anderweitige Lösung in Betracht kommt“, erklärte Schnaudigel.

Jöhlinger Straße ab April nicht vorübergehend auf

„Nun bleibt zu hoffen, dass die Bauarbeiten planmäßig vorangehen“, so der Landrat weiter. Dem ist wohl so und der zweite Bauabschnitt wird sich voraussichtlich nahtlos dem ersten anschließen. Deshalb wird die Sperrung der L559 nicht wie zunächst angedacht ab dem 4. April für zwei Monate aufgehoben, sondern bleibt weiter bestehen.

Ausweichstrecke über Siedlung Binsheim

Schon beim ersten Treffen war man sich in der großen Runde einig, dass eine Ausweichstrecke in Richtung Bruchsal (für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen) über die Grombacher Straße in Jöhlingen und die Siedlung Binsheim nach Obergrombach führt, wo sich der Verkehr weiter verteilen kann. Bei Bedarf könne noch ein paralleler Wirtschaftsweg einbezogen und eine Einbahnregelung eingerichtet werden. „Die Umfahrung über Binsheim nimmt zwar einen Teil des Drucks, bringt aber nicht die großen Zahlen“, erklärt Walzbachtals Bürgermeister Karl-Heinz Burgey. „Ich bin aber froh, dass mit dem Landratsamt und der Stadt Bruchsal eine einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte.“

Auf B293 „nur“ 890 Fahrzeuge mehr

Und wie sieht es mit der Verkehrszunahme auf der B293 aus? Bei aktuellen Verkehrserhebungen wurden durchschnittlich 12786 Fahrzeuge pro Tag registriert – 890 mehr als vor der Sperrung der Jöhlinger Straße in Weingarten. „Auch wenn das andere Zahlen sind als gefühlt, in den Stoßzeiten ist jedes Auto mehr eins zuviel“, meint Pfinztals Bürgermeisterin Nicola Bodner.

Verkehrslenkung soll optimiert werden

Dass auch diese Zahl angesichts der vorher schon überlasteten Verkehrswege insbesondere während den Hauptverkehrszeiten die Situation in Berghausen und Grötzingen noch verschärft und von den Anwohnern als spürbare Mehrbelastung empfunden wird, darin war sich die Runde einig. Konkret vereinbart wurde, die Ampelschaltungen in Berghausen und Grötzingen schnellstens auf Optimierungsmöglichkeiten zu überprüfen, um eine bessere Verkehrslenkung zu erreichen. „Das“, so Nicola Bodner, „ist mir sehr wichtig.“