Jede Menge Lob im Gepäck: Gründer-Enkelin Marie Louise Blans, Stutensees Oberbürgermeisterin Petra Becker und Landrat Christoph Schnaudigel betonten, welch wichtige Arbeit in der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee geleistet wird.
Jede Menge Lob im Gepäck: Gründer-Urenkelin Marie Louise Blans, Stutensees Oberbürgermeisterin Petra Becker und Landrat Christoph Schnaudigel betonten, welch wichtige Arbeit in der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee geleistet wird. | Foto: Lother

Großer Festakt

Schloss Stutensee feiert 100. Geburtstag

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Die Jugendhilfe „Schloss Stutensee“ feiert 100. Geburtstag und wird mit Lob und Anerkennung für das  „Erfolgsmodell“ überschüttet. Landrat Christoph Schnaudigel eröffnete den offiziellen Festakt mit geladenen Gästen aus Kommunen, Kreis und Land.

 

Seine Begrüßung verband einen historischen Streifzug mit der Nennung der Gäste und ihrer Verbundenheit zur Einrichtung, die er als „eine der bundesweit renommierten Institutionen in Sachen Jugend- und Erziehungshilfe“ bezeichnete.

Wetzlar revolutionierte Umgang mit schwierigen Jugendlichen

Bereits 1919 hatte Heinrich Wetzlar, der damalige Vorsitzende des Karlsruher Bezirksvereins für Gefangenenfürsorge und Jugendschutz, das Motto „Erziehung statt Strafe“ zum Maßstab gemacht und damit eine revolutionäre Entwicklung im Umgang mit schwierigen Jugendlichen begründet. Das Modellprojekt zur Vermeidung von Untersuchungshaft delinquenter Jugendlicher habe sich bis heute bewährt. Der Landrat endete mit den namhaften Investitionen des Landkreises in die baulichen Erneuerungen und den fachlich gut ausgestatteten Jugendhilfeangeboten.

Kinder bekommen hier eine Chance

Über die schon seit längerer Zeit erfolgreiche lokale Einbindung von Schloss Stutensee in die Gesellschaft sprach Oberbürgermeisterin Petra Becker. Die Einrichtung öffne sich der Öffentlichkeit, dafür danke sie insbesondere Geschäftsführer Jens Brandt. Der respektvolle, achtsame Umgang mit Kindern und Jugendlichen präge nicht nur das Leitbild, sondern sei als Vorbild zu sehen. Kinder bekommen hier eine Chance auf ein zweites, gelingendes Leben. Vom Engagement der Mitarbeiter sei sie tief beeindruckt.

Kinderrechte gehören ins Grundgesetz

Festrednerin war die Staatssekretärin im Landesministerium für Soziales und Integration, Bärbl Mielich. Sie überbrachte den Dank der Landesregierung an diese Einrichtung, die mit Qualität, Engagement und hoher Kompetenz junge Personen, die aus dem Tritt geraten seien, auffange. Dann schlug sie einen Bogen, ausgehend von den immer komplexer werdenden Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe über die aktuellen Angebote des Landes wie „Frühe Hilfen“, Ganztagesschulen und der Schulsozialarbeit, die mittlerweile als Qualitätsmerkmal einer Schule gelte, bis zu den Reaktionen der Politik. Die UN-Kinderrechtskonvention spreche Kindern das Recht auf eine eigene Persönlichkeit zu, und sich in die Gesellschaft einzubringen. Ein „Masterplan Jugend“ schaffe Strukturen für Partizipation. Das Konzept der Ombudschaft wurde in Schloss Stutensee erprobt. Auf Bundesebene gehörten Kinderrechte ins Grundgesetz. Mit einem Blick auf große Leistungen der Einrichtung in der Vergangenheit nannte Mielich die Aufnahme unbegleiteter männlicher Flüchtlinge.

Familienbetrieb mit Herz

Marie Louise Blans, Urenkelin von Heinrich und Therese Wetzlar, nannte das Schloss einen „Familienbetrieb“, in dem alle Mitarbeiter mit Liebe und ganzem Herzen dabei seien. Abschließend zeichnete der aktuelle Geschäftsführer Jens Brandt die Entwicklung des Hauses an den unterschiedlichen Leitern nach, die mit wachsendem heilpädagogischem Bewusstsein Schloss Stutensee zu dem gemacht hätten, was es heute ist.

Von Marianne Lother