In Aktion: Ein Mitarbeiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) verstreut Wirkstoff-Granulat in den Rheinauen.
In Aktion: Ein Mitarbeiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) verstreut Wirkstoff-Granulat in den Rheinauen. | Foto: dpa

Zu Fuß und per Hubschrauber

Schnakenjäger sind wieder unterwegs: „Bis jetzt gibt es kein großes Aufkommen“

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Schnakenjäger der Kabs sind wieder in der Region unterwegs. Auch in den nächsten Tagen soll sicherheitshalber kontrolliert werden, wie viele Larven es gibt.

Gleich drei Hubschrauber stehen für die Mitarbeiter der Kabs bereit, der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage. Das Wetter spielt mit – und zwar so gut, dass die Schnakenbekämpfer angesichts der geringen Flächen derzeit vor allem per Hand das Granulat mit dem Wirkstoff BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) ausbringen.

Die Hubschrauber sind seit Anfang der Woche nur über einzelnen Flächen im Einsatz. Das hat vor einem Jahr noch ganz anders ausgesehen. Ende Mai 2019 fiel bei einem Einsatz in Südbaden der erste Hubschrauber aus. Kurz danach ging auf Gemarkung Elisabethenwörth bei Philippsburg beim Befüllen des Granulats der zweite Hubschrauber in Flammen auf. Den Kabs-Mitarbeitern gelang es, den Brand zu löschen, bevor die Feuerwehren von Philippsburg und Dettenheim eintrafen. Der Hubschrauber war aber ein Totalschaden.

Schnaken kennen keine Grenzen.

 Andreas Arnold, Stellv. wissenschaftlicher Kabs-Direktor 

Die zuerst befürchtete flächendeckende Schnakenplage blieb zunächst aus: „Am Tag, als der Hubschrauber ausfiel, konnten wir noch bei Oberhausen-Rheinhausen bekämpfen. Auch in anderen Regionen war noch die Handbekämpfung möglich“, erzählt Andreas Arnold, neuer stellvertretender wissenschaftlicher Direktor der Kabs. Die Einwohner von Oberhausen-Rheinhausen wurden dennoch nicht verschont. Von der Pfalz kamen die Tiere über den Rhein. „Schnaken kennen keine Grenzen“, plädiert der Biologe für eine großflächige Bekämpfung.

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Die Bekämpfung läuft auch momentan wieder. So starteten die Kabs-Mitarbeiter am Dienstag beim Polder Söllingen-Greffern mit Hubschrauberflügen links und rechts entlang des Rheins Richtung Norden bis Ketsch. Tags darauf wurde der nördliche Teil des Kabs-Gebiets bei Mannheim bearbeitet. Angesichts der wenigen Einsatzflächen war nur ein Hubschrauber im Einsatz.

„Der Rhein ist durch die Regenfälle in den vergangenen Tagen zwei Mal über den kritischen Schwellenwert angestiegen. Nach dem ersten Anstieg waren nur wenige Einsätze erforderlich und nur in wenigen tief liegenden Gebieten“, erzählt Kabs-Mitarbeiter Daniel Hoffmann, der zuletzt mit seinen Kollegen zwischen dem Ölhafen bei Karlsruhe bis zur Insel Rott unterwegs war.

Bis jetzt gibt es kein großes Schnakenaufkommen.

Frank Steuerwald, Kabs-Mitarbeiter

Nach seiner Beobachtung war der zweite Anstieg des Rheinpegels nur wenig höher als der erste, er führte aber zum deutlichen Wasseranstieg in den Druckwassergebieten der Altrheinarme. Zu Fuß und mit der Rückenspritze war am Mittwoch beispielsweise Kabs-Mitarbeiter Frank Steuerwald in den Auwäldern bei der Philippsburger Rheinschatzinsel unterwegs. Nach dem Rückgang des Wassers waren nur noch die tieferen Gräben gefüllt.

Er gibt Entwarnung: „Bis jetzt gibt es kein großes Schnakenaufkommen.“ Während er in den Wäldern unterwegs ist, hat er nur wenige Anflüge von Stechmücken registriert. Und auch bei nächtlichen Streifzügen hat er nur drei Stiche gezählt. Die Eindrücke vor Ort bestätigt Andreas Arnold: „Die Bekämpfung läuft sehr entspannt.“ Mal seien es sechs Hektar bei Karlsruhe, mal sechs Hektar bei Eggenstein gewesen.

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Allein 20 Hektar kann der Hubschrauber mit einer Ladung Granulat bekämpfen. „Die jetzigen Einsätze lohnen sich ja fast nicht“, so Arnold. Mit den steigenden Temperaturen rechnet Biologe Arnold in den nächsten Tagen wieder mit einigen Schnaken. Deren Larven dürften aber angesichts sinkender Pegelstände vertrocknen. Ein großflächige Bekämpfung ist nach seiner Einschätzung dann nicht mehr notwendig. „Wir können der Natur ihren Lauf lassen“, sagt Arnold.

In den nächsten Tagen soll sicherheitshalber kontrolliert werden, wie viele Larven es gibt. Die Naturschützer dürfte das freuen, denn nach einer Studie der Universität Koblenz-Landau werden durch den Wirkstoff BTI auch die harmlosen Zuckmücken bekämpft, die eine Rolle in der Nahrungskette spielen. Deren Brutgebiete gehören laut Kabs zu den Tabubereichen, wie auch Brutstätten von Wasservögeln. Sie werden bei der Bekämpfung ausgenommen.

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Während die Kabs-Mitarbeiter die Schnaken entlang des Rheins anscheinend im Griff haben, machen ihnen die Mücken in den Ortsbereichen mehr Kummer: Daniel Hoffmann hat steigende Vorkommen der klassischen Hausmücke oder der Japanischen Buschmücke festgestellt, die sich vor allem in Regentonnen vermehren. Wie der Sommer in den Auwäldern entlang des Rheins weiter läuft, ist schwer vorherzusagen. Bei einem Starkregen im Schwarzwald steigen auch am Oberrhein wieder die Pegelstände – und damit dürften auch wieder mehr Larven schlüpfen.