Ein Einwohnerwachstum von mehr als zehn Prozent in den kommen zehn Jahren erwartet Bürgermeister Michael Möslang für seine Gemeinde Linkenheim-Hochstetten. Derzeit leben dort 12.000 Menschen. | Foto: gm

13500 Einwohner in zehn Jahren

Schulsanierung ist das größtes Hochbauprojekt der nächsten Jahre in Linkenheim-Hochstetten

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Die Schulsanierung ist laut Bürgermeister Michael Möslang das größte Hochbauprojekt der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten für die kommenden Jahre. Zehn Millionen Euro, von denen die Hälfte als Zuschuss von Bund und Land kommt, fließen in das Vorhaben, die drei Schulen der Gemeinde in Linkenheim auf Vordermann zu bringen.

Rund 12 000 Menschen leben in Linkenheim-Hochstetten, dessen beide Gemeindeteile immer näher zusammenrücken. Das Baugebiet „Biegen/Durlacher Weg“ ist das Bindeglied zwischen Linkenheim und Hochstetten. Wie und wohin soll die weitere Entwicklung führen? Welches sind die vordringlichen Aufgaben, die Verwaltung und neuer Gemeinderat in Angriff nehmen wollen? Wie läuft es mit der Schulsanierung? Welche Ziele will er als Mitglied des neuen Kreistags verfolgen? Bürgermeister Michael Möslang stellt sich den Fragen von BNN-Redakteur Dietrich Hendel.

Sie verpflichten dieser Tage Ihren neuen Gemeinderat. Welches ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe des neuen Gremiums?

Neubau des Quartiershauses

Möslang: Der Gemeinderat ist das Hauptorgan, das die Entscheidungen trifft. Seine wichtigste Aufgabe ist es, mit den vorhandenen Ressourcen festzulegen, welche Aufgaben Priorität haben. Wir haben Anforderungen in Infrastruktur, im Sozialen, in der Kultur, die Ressourcen binden. Der Gemeinderat legt die Schwerpunkte fest. Wichtige Projekte der nächsten fünf Jahre aus meiner Sicht sind einerseits der Neubau des Quartiershauses im Neubaugebiet Biegen/Durlacher Weg und andererseits die Nutzungsstruktur im Mischgebiet Biegen/Durlacher Weg.

Sie sind für die CDU in den Kreistag gewählt worden. Welche Ziele wollen Sie dort vorrangig verfolgen?

Für neues Fahrpreissystem

Möslang: Für mich ist das Thema ÖPNV-Struktur wichtig. Das Wabensystem ist nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen ein Fahrpreissystem insbesondere für die Menschen, die in der Peripherie des Oberzentrums von A nach B im Randgebiet kommen wollen. Zweites Thema ist sicher über alle Parteien hinweg eine stabile Kreisumlage. Dafür will ich mich einsetzen. Aus ganz persönlicher Sicht war meine Wahl in den Kreistag auch ein Feedback zur bisherigen Arbeit.

Die Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen ist baulich weitgehend hergestellt. Wie wollen Sie den künftigen Gemeindemittelpunkt beleben? Was braucht es noch?

Belebung mit Nahversorgung

Möslang: Wir haben zwei Mittelpunkte, den im alten Ortskern von Linkenheim rund um Bürgerhaus, Rathaus und Karlsruher Straße als kulturelles Zentrum. Und das Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum zwischen Feuerwehr und Einkaufsmärkten. Diesen Raum wollen wir mit Nahversorgung beleben, die es bisher noch nicht gibt, zum Beispiel Textilien und Schuhe, fachärztliche Versorgung und ergänzende Gastronomie. Nach der Sommerpause wird sich der Gemeinderat mit den Details dazu befassen.

Wie weit soll Linkenheim-Hochstetten wachsen?

Kapazitätsgrenze in zehn Jahren

Möslang: Wir haben jetzt 12 000 Einwohner. Ich erwarte, dass wir in den nächsten fünf Jahren auf etwa 13000 Einwohner kommen werden, in den nächsten zehn Jahren auf bis zu 13500. Dann sehe ich die Kapazitätsgrenze mit den augenblicklich ausgewiesenen Flächen erreicht.

Wo könnte noch Wohnen und/oder Gewerbe angesiedelt werden?

Interkommunale Gewerbeansiedlung

Möslang: Wohnentwicklung zeichnet sich ab zwischen der Waldstraße und dem Neubaugebiet Biegen/Durlacher Weg. Gewerbliche Entwicklung kann im Gewann Stockäcker ausgewiesen werden, zwischen dem Gewerbegebiet Römeräcker und der Waldstraße im Süden. Darüber hinaus prüfen wir für die Gewerbeansiedlung eine Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg.

Wie beurteilen Sie den Siedlungsdruck? Gibt es Überlegungen zu „kostengünstigem beziehungsweise bezahlbarem Wohnen“ in Ihrer Gemeinde? Wie ließe sich das umsetzen?

Mehr Wohnraum gegen Siedlungsdruck

Möslang: Siedlungsdruck kann man nur mit mehr Wohnraum begegnen. Wir werden in künftigen Neubaugebieten die Dichte des aktuellen Baugebiets aufgreifen. Zudem stellen wir aktuell in allen Bestandsgebieten ohne qualifizierten Bebauungsplan solche Pläne auf und achten darauf, dass eine moderate Nachverdichtung möglich bleibt. Bezüglich bezahlbaren Wohnens fahren wir strategisch zweigleisig: Zum einen haben wir in den vergangenen vier Jahren fünf Mehrfamilienhäuser aufgekauft und umgebaut. Wir haben ein Haus mit neun Wohneinheiten neu gebaut. Zum anderen fordern wir bei vorhabensbezogenen Bebauungsplänen einen Anteil von 20 Prozent an sozialem Wohnraum. Beispiel dafür ist aktuell das Sparmarktareal.

Linkenheim-Hochstetten kommt seit Jahr und Tag ohne Fremdmittel aus. Wie wollen Sie die Gemeinde weiterhin schuldenfrei halten?

Weiterhin komplett schuldenfrei

Möslang: Wir haben derzeit 16,5 Millionen Euro Rücklage. Wir sind im Kernhaushalt und bei den kommunalen Töchtern schuldenfrei. Wir haben in den vergangenen Jahren nach der kameralistischen Haushaltsrechnung immer eine schwarze Null erreicht. Mit der Doppik-Haushaltsführung müssen wir etwa zwei Millionen Euro Abschreibungen neu erwirtschaften. Das ist sportlich. Dennoch werden wir die mittelfristige Planung ohne Kredite erfüllen, selbst wenn wir alles umsetzen, was wir ins Auge gefasst haben.

Mit der Sanierung des Schulzentrums steht eine große Aufgabe an. Wie werden Sie dabei vorgehen? Was ist geplant? Vor allem: Was wird das kosten und wie wollen Sie das Projekt finanzieren?

Zehn Millionen fürs Schulzentrum

Möslang: Das Schulzentrum ist das größte Hochbauprojekt der nächsten Jahre mit knapp zehn Millionen Euro Aufwand. 50 Prozent davon werden von Landes- und Bundesfördermitteln gedeckt. Erneuert werden an den drei Schulen Fenster und Dächer, Fassaden werden energieeffizient saniert, wir stellen die Beleuchtung komplett auf LED um. Teile der Sanitäranlagen werden ebenfalls erneuert.

Die Zufahrt zur Insel Rott ist ein Dauerthema. Wie geht es da voran?

Zufahrt zur Insel Rott ab 26. Juli frei

Möslang: Nach aktuellem Stand werden wir die Brücken zum 26. Juli wie geplant öffnen können. Die beiden Brücken sind dann kernsaniert und haben eine neue Statik. Der Besucherverkehr mit Autos kommt mit Beginn der Sommerferien wieder ungehindert auf die Insel. Der Ausbau des Leinpfads folgt ab dem vierten Quartal und wird bis Anfang kommenden Jahres dauern. Wir investieren insgesamt rund eine Million Euro, drei Millionen weniger, als wir ursprünglich kalkuliert haben.

Bürgerbeteiligung ist derzeit vielerorts ein viel gehörter Begriff. Wie sieht es damit in Linkenheim-Hochstetten aus? Wie wollen Sie vor allem die jüngere Generation für Kommunalpolitik und Ehrenamt gewinnen?

Projektbezogenes Engagement

Möslang: Ich glaube, dass durchaus eine große Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement vorhanden ist, aber eher projektbezogen. Das haben wir abzuschöpfen versucht mit dem Gemeindeentwicklungskonzept, mit dem Waldleitbild, mit dem Fachplan Gesundheit. Aktuell beteiligen sich Bürger an verschiedenen Bebauungsplanverfahren. Menschen sind besonders dann engagiert, wenn sie persönlich betroffen sind. Bürgerbeteiligung fängt bei uns niederschwellig an, zum Beispiel über den Dialog, den wir per Facebook mit der jüngeren Generation pflegen.

Was lesen Sie gerade?

Möslang: Derzeit lese ich Fachbücher, zum Beispiel zur Digitalisierung in Schulen.

Wie schalten Sie vom Alltag im Rathaus ab?

Möslang: In meiner Familie, mit Frau und Tochter.