Werkstatt auf Rädern: Im Gerätekraftwagen "Heros 22/51" des THW Dettenheim ist alles für die Stein-, Holz- und Metallbearbeitung. | Foto: Rake Hora

Ortsverband top aufgestellt

THW Dettenheim: „Heros 22/51“ ist das Rückgrat der Bergung

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Die Männer und Frauen des THW-Ortsverbands Dettenheim haben beim Elbehochwasser Deiche mit Sandsäcken verteidigt und die IT-Infrastruktur der Polizei Sachsen-Anhalt in Magdeburg geschützt. Sie haben nach Orkan „Lothar“ beim Aufräumen im Schwarzwald mit angepackt. Sie waren beim Nato-Gipfel in Baden-Baden und bei Auslandseinsätzen, zum Beispiel in Frankreich oder Bosnien. Sie haben aber auch im Landkreis Karlsruhe schon viele Male Hilfe geleistet, wie zuletzt beim Großbrand im Juli in der Grabener Sofienstraße. Um einen Umweltschaden zu vermeiden, haben sie da einen 3000 Liter-Heizöltank gegen herunterfallende Mauerteile gesichert und einsturzgefährdete Giebelwände und einen Balkon abgestützt.

Blitzblank strahlen die im unverwechselbaren THW-Ultramarinblau lackierten wuchtigen MAN-Laster neben den Mannschaftstransportern des Ortsverbands Dettenheim in ihrem Domizil im Huttenheimer Industriegebiet um die Wette. Verschiedene Anhänger komplettieren den Fuhrpark. „Keines unserer sechs Fahrzeuge ist älter als fünf Jahre“, betont Michael Blombach, der Ortsbeauftragte des THW Dettenheim. „Wir sind auf einem super Stand, auch was die technische Ausrüstung anbelangt.“ Der THW-Ortsverband Dettenheim war übrigens vor über 50 Jahren der erste Ortsverband, der im Landkreis Karlsruhe gegründet wurde.

Stets einsatzbereit: Die Ehrenamtlichen des THW-Ortsverbands Dettenheim, hier von links der stellvertretende Ortsbeauftragte Dennis Fetzner, Fabian Haushalter, der Ortsbeauftragte Michael Blombach und Thomas Laturnus. 35 aktive Helfer (3 Frauen) hat das Dettenheimer THW. 18 Jungs und Mädchen sind in der Jugendgruppe. | Foto: Rake Hora

1999 sind die Dettenheimer THWler mit ihren Geräten von Rußheim in den Philippsburger Stadtteil umgezogen. „Hier war die Zentralwerkstatt des Katastrophenschutzes. Nach der Auflösung stand die Halle leer“, verdeutlicht Blombach. „Das hat sich angeboten. Wir haben hier Platz und es gibt Reserven für weitere Entwicklungen.“

Schutz kritischer Infrastrukturen rückt in den Fokus

Denn innerhalb des THW ist bundesweit eine Umstrukturierung im Gange. Lag bisher der Schwerpunkt eher auf der Bergung, liegt künftig der Fokus auf dem Schutz kritischer Infrastrukturen, also Einrichtungen und Anlagen, die von großer Bedeutung für das Gemeinwesen sind. Strom- und Wasserversorgung zum Beispiel. Transport, Verkehr oder die Informationstechnologie.

Auch beim THW Dettenheim entsteht eine neue Fachgruppe „Notversorgung“

„Das THW wird immer häufiger in Sicherheitskonzepte involviert, die Gefahren vorbeugen sollen“, sagt der stellvertretende Ortsbeauftragte des Ortsverbands Dettenheim, Dennis Fetzner. So werde auch beim Ortsverband Dettenheim seit diesem Jahr die neue Fachgruppe „N“, sprich Notversorgung, aufgebaut.„Da sind wir momentan dran, Leute dafür zu finden. Denn die neue Fachgruppe bedeutet, dass wir dafür neun neue Helfer brauchen“, sagt er. Außerdem bekomme man für die Fachgruppe „N“ ein weiteres Einsatzfahrzeug.

Dass es in Dettenheim – 1959 in Rußheim – zur Gründung eines THW-Stützpunktes als Außenstelle des Ortsverbands Karlsruhe kam (1966 erfolgte dann die Aufwertung zum THW-Ortsverband Rußheim, später Dettenheim), sei mehr oder weniger „reiner Zufall“ gewesen, erzählt Michael Blombach. „Weil es hier einige technisch Interessierte gab.“ Allen voran „Urvater“ Emil Roth, der 1959 nicht nur den Grundstein legte, sondern in den 1960er und 1970er Jahren etliche junge Männer dafür begeistern konnte, beim THW mitzumachen.

Universelle Bergungs- und spezialisierte Fachgruppen

Um den vielfältigen Anforderungen des Bevölkerunsgsschutzes und der örtlichen Gefahrenabwehr gewachsen zu sein, setzt das Technische Hilfswerk auf eine Kombination von universellen Bergungsgruppen und spezialisierten Fachgruppen. Die Bergungsgruppen sind in der Lage, ein breites Aufgabenspektrum abzudecken, das heißt zu retten, zu bergen, Sicherungs- und leichte Räumarbeiten vorzunehmen, sowie vielfältige technische Hilfe zu leisten.

Jeder Ortsverband verfügt über einen Zugtrupp (führt den Einsatz und ist die Schnittstelle zur Einsatzleitung der anfordernden Behörde), Bergungsgruppen, sowie mindestens eine Fachgruppe. Beim THW-Ortsverband Dettenheim gibt’s eine Bergungs- und die Fachgruppe „Wasserschaden/Pumpen“. Deren Herzstück ist eine Großpumpe mit einer Leistung von 5000 Liter Schmutzwasser pro Minute. „Insgesamt kommen wir auf eine Pumpleistung von 20000 Liter in der Minute“, so Michael Blombach.

„Heros Dettenheim 22/51“ eine große Werkstatt auf Rädern

Rückgrat für die Bergung ist „Heros Dettenheim 22/51“, ein neuer Gerätekraftwagen (GKW). Quasi eine „große Werkstatt auf Rädern für die Metall-, Holz- und Steinbearbeitung“, wie Michael Blombach verdeutlicht. Aber auch mit Ausrüstung zur Befreiung Verschütteter, zum Beispiel bei Erdbeben.

35 ehrenamtliche aktive Helfer beim THW-Ortsverband Dettenheim

Aktive ehrenamtliche Helfer hat der THW-Ortsverband Dettenheim derzeit 35, darunter drei Frauen. „Sie kommen aus dem gesamten Landkreis Karlsruhe, aber auch aus der Pfalz“, sagt Dennis Fetzner. Man suche immer Verstärkung, nicht nur wegen der neu aufzustellenden Fachgruppe „N“.

Mitmachen beim THW könne jeder, der der sich fit fühle und dafür interessiere. Da gebe es keine Bedingungen und vom Schüler über den Studenten bis zum Ingenieur sei so ziemlich jede Berufsgruppe vertreten. Dennis Fetzner: „Koch, irgendwas im technischen Bereich – es gibt immer Jobs bei uns. Jeder der einen Führerschein hat, kann zum Beispiel auch Versorgungsfahrten machen.“

Große Jugendgruppe mit 18 Jungs und Mädchen

Stolz sind sie beim THW Dettenheim über ihre große Jugendgruppe. Die ist seit 1988 ein wichtiger Bestandteil des Ortsverbands. Da werden Jungen und Mädchen von 6 bis 9 Jahren in der Minigruppe und von 10 bis 17 Jahren in der Jugendgruppe an die Erwachsenen-Einsatzmannschaft herangeführt. „Das boomt zurzeit“, freut sich Michael Blombach. „Bei uns sind 18 Kinder, die treffen sich immer samstags – und die Jugendbetreuer sind ganz schön gefordert“, sagt er und lacht.

Die THW-Ortsverbände Dettenheim, Oberhausen-Rheinhausen und Waghäusel arbeiten eng zusammen

Dass es in unmittelbarer Nachbarschaft in Oberhausen-Rheinhausen und Waghäusel zwei weitere THW-Ortsverbände gebe, sei keine Konkurrenz. „Nein, nein“, sagt Blombach, „im Gegenteil. Wir ergänzen uns. Wir arbeiten zusammen, machen gemeinsam die Grundausbildungen und Übungen – wenn’s einen Einsatz gibt, muss es passen.“

Wer wohin gehe (weitere THW-Ortsverbände gibt es im Landkreis Karlsruhe nicht), liege vor allem daran, „für welchen Aufgabenbereich ich mich interessiere“, erklärt Michael Blombach. Schwerpunktmäßig werde Waghäusel für Aufgaben auf den Autobahnen eingesetzt. Oberhausen-Rheinhausen sei zuständig für die Bundeswasserstraßen und Dettenheim für „Deutsche Bahn Schienenverkehr“, macht Dettenheims Ortsbeauftragter deutlich.

Bei Einsätzen wird nach Baukastensystem gearbeitet

„Bei Einsätzen wird nach dem Baukastensystem gearbeitet, das heißt, es wird von den einzelnen Ortsverbänden zusammengeholt, was gebraucht wird“, so Blombach. “ Wir haben zum Beispiel Großpumpen,  aber keinen Radlader.“

Ressourcen werden gar nicht genutzt

 

Blombach:  „Bei Großschadensereignissen sind Helfer aus allen Landesteilen mit im Boot. Beim Elbehochwasser 2002 und bei der Elbeflut 2013 waren Leute von uns ebenso tagelang vor Ort wie bei einem Umwelteinsatz 2015 an der Jagst.“ Es werde beim THW-Ortsverband Dettenheim viel top-modernes Equipment vorgehalten, „aber die Ressourcen werden gar nicht genutzt“, bedauert der Ortsbeauftragte etwas. Das, meint Michael Blombach, sei auch „schlecht für die Motivation“. Deshalb, meint er, sollte man die Gesetze ändern, um das THW mehr in den Einsatz zu bringen.

Stichwort: THW
Im Nachkriegsdeutschland waren kaum Strukturen des Bevölkerungsschutzes vorhanden. Deshalb erteilte der damalige Bundesinnenminister Gustav Heinemann am 22. August 1950 den Auftrag zum Aufbau des Technischen Hilfswerks (THW). Gründer und erster THW-Präsident war Otto Lummitzsch.
Das THW gehört organisatorisch zum Geschäftsbereich des Innenministeriums. Grundsätzlich erfolgt die Finanzierung des THW, und somit der Ortsverbände, aus dem Bundeshaushalt. Es wird heute weltweit für humanitäre Hilfsleistungen eingesetzt.
„Blaue Engel“ wurden die Ehrenamtlichen des THW im Jahr 1999 von der französischen Bevölkerung getauft, als sie nach Orkan „Lothar“ bei der Beseitigung der Schäden in Frankreich halfen.
Bundesweit engagieren sich mehr als 80000 Ehrenamtliche, davon rund 11500 Frauen und 16 000 Jugendliche, in 668 Ortsverbänden des THW. Im Landkreis Karlsruhe gibt es die THW-Ortsverbände Dettenheim, Oberhausen-Rheinhausen und Waghäusel.
Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutzbehörden, Kommunen, Länder oder Bund können die Hilfe des THW anfordern. Weitere Infos: www.thw.de