Stark engagiert hat sich Ute Göbelbecker für die Liedolsheimer Ortskernsanierung, bei der sich Synergieeffekte mit dem Nahwärmekonzept und der Überplanung des Gebiets „Friedrichstraße“ ergeben. | Foto: Alexander Werner

Interview mit Ute Göbelbecker

Das Seniorenzentrum hatte oberste Priorität

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Das Seniorenzentrum, das im nächsten Frühjahr eröffnet werden soll, das Betreute Wohnen in Rußheim, das folgen soll,  sowie die Liedolsheimer Ortskernsanierung zählt Dettenheims Bürgermeisterin Ute Göbelbecker zu den wichtigsten Projekten während ihrer bisherigen Amtszeit.

In Dettenheim scheinen sich seit dem Wechsel im Bürgermeisteramt wichtige Projekte mehr oder weniger nahtlos aneinanderzureihen oder miteinander verzahnt voranzugehen. Als das zuvor dominierende, teure Vorhaben „Pfinzhalle“ im Frühjahr 2015 in den zweiten Bauabschnitt ging, ergab sich der Eindruck eines Schubs. Bürgermeisterin Ute Göbelbecker reflektiert im BNN-Interview ihre Einschätzungen zum bislang Erreichten.

Sie hatten sich beim Amtsantritt viel vorgenommen. Sind Sie mit dem zufrieden, was bislang in Angriff genommen, angestoßen oder verwirklicht wurde?

Göbelbecker: Ich denke, dass für die kurze Zeit, die ich im Amt bin, schon sehr viel Neues umgesetzt, einiges weitergeführt und abgeschlossen wurde. Wenn man neu ins Amt kommt, fängt man ja nicht bei null an. Viele Projekte laufen, müssen fortgeführt oder zum Abschluss gebracht werden. Oft ging Projekten eine lange Planungsphase voraus. So wie jetzt beim Ausbau des Waldackerwegs zum Baggersee Gießen. Das läuft schon seit 2008. Oder die Restarbeiten bei der Außenanlage der Pfinzhalle. Als Bürgermeisterin hat man da nicht alles in der Hand. Und man kann nur so viel machen, wie die Mitarbeiter mittragen können. Für eine so kleine Verwaltung mit dünner Personaldecke war es tatsächlich viel. Die Aufgaben sind bei uns die gleichen wie in einer großen Kommune, verteilen sich aber auf weniger Personal. Was bislang erreicht wurde, funktionierte nur, weil alle sehr engagiert dabei waren, Gemeinde- und Ortschaftsrat und die Mitarbeiter.

Projekte, Projekte, Projekte

Für eine Liedolsheimer Ortskernsanierung haben Sie sich früh stark eingesetzt. Was drängte Sie dazu?

Göbelbecker: Nach Abschluss der Rußheimer Ortskernsanierung lag es nahe, diesen Schritt im Ortsteil Liedolsheim zu gehen. Die Vorgaben für Fördermittel sind strenger, die Verfahren viel aufwendiger und länger geworden. Deswegen muss man zeitig anfangen. Es war auch nicht unbedingt zu erwarten, gleich im ersten Jahr zum Zuge zu kommen. Es zeigt mir aber, dass wir mit unserer Einschätzung, was Bedarf und Erforderlichkeit betrifft, richtig lagen. Vorteilhaft sind weiterhin die Synergieeffekte, die sich mit dem in der Keimzelle Pflegeheim und Pestalozzischule anlaufenden Nahwärmekonzept und der Überplanung des Gebiets „Friedrichstraße“ ergeben.

Bei einer lange gewünschten Senioreneinrichtung ging es zuvor kaum, dann Schlag auf Schlag voran. Welchen Stellenwert hatte das Projekt für Sie?

Göbelbecker: Ich sah es als großes Defizit, dass es im Ort für pflegebedürftige Menschen nichts gibt. In Dettenheim ein solches Angebot zu schaffen, besaß für mich oberste Priorität. Mir lag daran, es so schnell als möglich umzusetzen. Aber es braucht die richtige Konstellation für ein solches Projekt. Die gesetzliche Vorgabe, dass künftig nur Einzelzimmer in Pflegeheime zulässig sind, brachte die nötige Dynamik. Die zuvor für Betreutes Wohnen ins Auge gefasste Fläche im Baugebiet „Erikaweg II“ erwies sich als zu klein für Betreutes Wohnen und ein Pflegeheim. Das Grundstück hinter der Pestalozzischule bot die passende Lösung. Es liegt zentral und war verfügbar. Der Gemeinderat trug das Projekt auch gegen Widerstände aus der Bevölkerung mit. So sind wir in kurzer Zeit sehr weit gekommen. Das Seniorenzentrum mit Betreutem Wohnen kann bereits im nächsten Frühjahr eröffnet werden.

Nun soll „Betreutes Wohnen“ in Rußheim folgen. Kam der Verfahrenseinstieg überraschend?

Göbelbecker: In der Rußheimer Rheinstraße eine Anlage für „Betreutes Wohnen“ zu verwirklichen, wurde in der Verwaltung und den Gremien einschließlich des Ortschaftsrats schon länger gewünscht. Es hatte jedoch zuvor noch nicht die Reife, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Als mit dem Ankauf eines noch benötigten Anwesens die räumlichen Voraussetzungen gegeben waren und ein Investor Interesse signalisiert hat, war der richtige Zeitpunkt gekommen. Klar ist, dass auch in Rußheim Bedarf besteht.

Jung und alt

In Liedolsheim wurde anfangs eine zu massive Bauweise befürchtet. Wie sieht es damit im „sensiblen“ Rußheimer Bereich bei der evangelischen Kirche aus?

Göbelbecker: Wer in Rußheim die Rheinstraße entlang fährt, wird gerade im Bereich zwischen Raiffeisenbank und Kirche ein gestalterisches Defizit erkennen. So kommt die Wahl des Standorts für eine Anlage für Betreutes Wohnen auch dem Ortsbild insgesamt zugute und wird den Bereich beleben, insbesondere da hier auch mit der Einrichtung einer Tigergruppe zur Betreuung von Kleinkindern eine Verbindung von Jung und Alt geschaffen wird.

Gibt es Überlegungen, den ganzen Ort darüber hinaus seniorenfreundlicher zu gestalten?

Göbelbecker: Die Nahversorgung ist in diesem Zusammenhang immer ein Thema. Mit Einkaufsmärkten sind wir recht gut versorgt. Zu Fuß sind diese aber schwer zu erreichen. Das Verschwinden kleiner Läden macht die Situation gerade für ältere Menschen schwierig. Deswegen haben wir das Angebot des Cap-Mobils der Lebenshilfe beibehalten und auf den Rußheimer Ortsteil ausweiten können. Die Familienstrukturen und die Nachbarschaftshilfe im Ort funktionieren ganz gut, so kann viel abgefangen werden kann. Darüber hinaus gibt es Anbieter mit Bringdiensten.

Wie sieht es bei Barrierefreiheit und günstigen Wohnungen aus?

Göbelbecker: Barrierefreiheit wird im öffentlichen Nahverkehr ein wichtiges Thema werden. Da gilt es, sich in den kommenden Jahren mit den Verkehrsbetrieben auseinandersetzen. Im Blick behalten muss man das Thema daneben bei öffentlichen Gebäuden und Sanierungsvorhaben. Weiteren sozialen und günstigen Wohnraum zu schaffen, wäre finanziell für eine kleine Gemeinde wie Dettenheim sehr schwierig. Durch die Unterbringung von Obdachlosen und Asylbewerbern sind die Kapazitäten weitgehend ausgeschöpft.

Familie und Kinderbetreuung war Ihnen stets wichtig. Sehen Sie die Gemeinde da vorerst gut situiert?

Göbelbecker: Selbst wenn wir den Kindergarten „Sternschnuppe“ erweitern und mit der Einrichtung einer Tigergruppe das Angebot ausbauen, kann ich nicht ausschließen, dass mittelfristig weiterer Bedarf entsteht. Die Kinder werden zunehmend früher und länger in die Einrichtungen gegeben. Dies ist ein dynamischer Prozess, an dem man permanent nachjustieren muss.

Das Interview führte Alexander Werner.