Haltestelle Hagsfeld: Visualisierung der künftigen „Regiomove“-Haltestelle. | Foto: Netzwerkarchitekten/Unit-Design

Haltestellen der Zukunft

Sieben „Ports“ sollen verschiedene Verkehrsarten im Landkreis Karlsruhe verknüpfen

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Bahn, Bus, Individualverkehr: An „Ports“ sollen im Landkreis Karlsruhe alle möglichen Verkehrskonzepte miteinander verbunden werden. „Regiomove“ nennt sich das Projekt, das unter der Leitung des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) und des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein (RVMO) geführt wird. Jetzt steht fest, wo die ersten „Ports“ aufgestellt werden sollen.

An den „Regiomove-Ports“ sollen Fahrten mit der Stadtbahn, dem Bus, dem Leihauto oder Leihfahrrad miteinander verknüpft werden. Die kombinierten Verbindungen können dann in Zukunft mit einer „Regiomove“-App ausgewählt, gebucht und bezahlt werden. Darüber hinaus sind an den „Ports“ Servicekomponenten geplant, wie zum Beispiel ein Info-Terminal, E-Ladestationen oder Fahrradservicestationen.

Sieben Kommunen für das Pilotprojekt

Bad Schönborn-Mingolsheim, Stutensee-Blankenloch, Karlsruhe-Hagsfeld, Ettlingen, Rastatt, Baden-Baden und Bühl sollen bis spätestens Mitte 2021 die ersten „Ports“ bekommen. Der KVV stehe bereits im Kontakt mit den Kommunen, um die jeweiligen Standortmöglichkeiten und Mobilitätsverknüpfungen zu definieren, heißt es. „Im nächsten Jahr beginnt die Umsetzung“, ist Maren Mayer de Groot, die beim RVMO das Projekt begleitet, ganz sicher. „Bis das produktionstechnisch machbar ist, dauert es noch eine Weile“, so de Groot.
Dabei haben die „Ports“ schon einen langen Weg hinter sich: Im Oktober 2016 gab es die Förderzusage des baden-württembergischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau über 4,9 Millionen Euro.

Förderzusage: 4,9 Millionen Euro

Im Februar diesen Jahres hieß es: „In diesem Jahr werden wir die ersten sichtbaren Ergebnisse von ,Regiomove’ der Öffentlichkeit präsentieren“, wie es Frank Pagel, Projektleiter beim KVV formulierte. Das Design der „Ports“ sollte, so Pagel, möglichst einheitlich sein, damit es einen hohen Wiedererkennungswert habe. Zudem wurde das Konzept von „Regiomove“ erweitert: Wo Menschen von einem Verkehrsmittel zum nächsten wechseln, könnte es auch Dienstleistungen geben – von Schließfächern bis hin zu Fahrrad-Reparatur-Services, hieß es in einer Mitteilung.

Jury wählt „mutigsten“ Entwurf

Im Juli wurde dann das Design der „Ports“ festgelegt. Eine siebenköpfige Jury wählte aus fünf Entwürfen den Gewinner, ein Design von Netzwerkarchitekten aus Darmstadt und Unit-Design aus Frankfurt. Die Jury überzeugte nach eigener Aussage der „mutigste“ Entwurf, bestehend aus Stahlgerüsten mit farbigen, kubischen Dachaufbauten. Das Design soll modular an die Anforderungen der verschiedenen Standorte anpassbar sein.

1,5 Millionen Euro für den Bau der ersten Stahl-und-Glas-Kuben

Jetzt steht der Fahrplan für die ersten Standorte. „Die finale Ausgestaltung der Ports wird sich erst nach der Kostenschätzung ergeben, die wir bis Ende November erwarten“, sagt KVV-Mann Pagel. „Für den Bau der Ports sind 1,5 Millionen Euro veranschlagt“, sagt de Groot. Das macht überschlägig 214 000 Euro für jeden der sieben Glas-und-Stahl-Kuben. Rund eine Millionen Euro Fördermittel steuere die EU und das Land bei, rund ein Drittel der Kosten würden in der Förderperiode die kommunalen Partner decken.
Bei denen gibt es bereits Vorschusslorbeeren für das Konzept: „Mit ,Regiomove’ vernetzt sich die nachhaltige Mobilität in der Region. Dabei stehen die sieben Pilot-Ports im Karlsruher Verkehrsverbund für unser Ziel, die Multimodalität auch sichtbar und erfahrbar zu machen“, sagt Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup.

Stadortvorteil: Forschung und IT

Jochen Ehlgötz, Vorsitzender der Technologieregion Karlsruhe, unterstreicht einen weiteren Standortvorteil, den das Projekt im Raum Karlsruhe durch die Nähe zu Forschung und IT-Unternehmen habe: „Mittels einer App soll die komfortable Gestaltung der individuellen Mobilität zum Standard werden.“ Dafür sorgen allein schon die weiteren Projektpartner: Neben KVV und dem RVMO sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und das Forschungszentrum Informatik (FZI) beteilgt. Ein weiteres Pfund werfen die Projektpartner PTV Group (Software-Entwickler), Init GmbH (IT-Lösungen für den Nahverkehr), Raumobil GmbH (Mobilitätsmanagement und sogenannte Shareconomy-Lösungen) und Stadtmobil (Carsharing) in den Topf.