DIE STADTBAHN BIS SPÖCK war einer der Meilensteine, für die sich Klaus Demal (Vierter von rechts) eingesetzt hat. Das Ziel war am 24. Juni 2006 erreicht. | Foto: Archiv del

Viel Lob für OB Klaus Demal

Stadtbahn ist bedeutendster Meilenstein

Zwei Jahre früher als erwartet – und noch ein Jahr vor der im nächsten Jahr (wohl im Mai) anstehenden Kommunalwahl – muss Stutensee ein neues Stadtoberhaupt wählen. In vier Wochen endet die Amtszeit von Oberbürgermeister Klaus Demal, der am Dienstagabend  seinen vorzeitigen Rücktritt erklärt hat.

Schöne und schwere Aufgabe

Von einer „großen, schönen und schweren Aufgabe“ hatte Klaus Demal gesprochen, als er Anfang Mai 1991 als Bürgermeister vereidigt wurde. Eine „reizvolle Aufgabe“ hatte im sein Amtsvorgänger Richard Hecht versprochen: Alle vier Attribute treffen auf die Funktion des Stutenseer Oberhaupts nach wie vor zu. Für Klaus Demal war der Reiz groß, die gestalterischen Möglichkeiten nutzte er vielfach.

ÖPNV größtes Projekt

Umgehungsstraßen ermöglichten Verkehrslösungen und legten die Voraussetzungen für eine Straßenbahn durch die Blankenlocher Hauptstraße. Mit der später nachgelegten Erweiterung der Linie bis Spöck wurde der ÖPNV zum größten Projekt in Stutensee in Demals Zeit. Viele weitere große Vorhaben wurden verwirklicht, etwa die Erweiterung des Rathauses und den Schulzentrums, aber auch kleinere, die den Bürgern zugute kamen, etwa das Jugendzentrum in Blankenloch, die Musikschule, der Abwasserbetrieb. Nicht zu vergessen verschiedene Wohn- und Gewerbegebiete, die Raum schufen für Arbeitsplätze und Wohnraum.

Drei Mal wiedergewählt

Der Reiz war da und animierte Klaus Demal drei Mal sich um eine Wiederwahl zu bewerben. Nachdem er 1991 noch zwei Wahlgänge brauchte, um sich gegen vier Mitbewerber (darunter den Spöcker Ortsvorsteher Werner Linsen) durchzusetzen, siegte er in den folgenden Jahr im ersten Durchgang: 1999 stellten sich ihm die Gemeinderatsmitglieder Karl Mittag und Heinrich Sickinger entgegen. 2007 war Demal Alleinkandidat, und 2015 bewarb sich Susanne Enderle gegen Demal.

Noch kein Wahltermin

Wie nun das Prozedere im Detail sein wird und wie die erforderlichen Termine einer OB-Neuwahl liegen werden, muss die Verwaltung erarbeiten und im Gemeinderat abstimmen: „Der Gemeinderat ist Herr des Verfahrens“, sagt Bürgermeister Edgar Geißler. Die Zusammenkunft des Ältestenrats dazu findet nächste Woche statt.

„Fast 27 Jahre hat OB Demal die Geschicke der Stadt Stutensee gelenkt. Das ist in unserer schnelllebigen Zeit etwas ganz Außergewöhnliches, zumal sich diese ,Konstanz’ nie auf das Konservieren von etwas Erreichtem bezog. Stutensee hat sich in diesen Jahren hervorragend entwickelt. Ich habe mit OB Demal in den elf Jahren meiner Amtszeit äußerst vertrauensvoll und kooperativ gearbeitet und hätte das noch gerne die nächsten Jahre getan. Die Gesundheit geht aber vor, und deshalb respektiere ich seine Entscheidung und wünsche ihm für den bevorstehenden Ruhestand alles Gute.“
Christoph Schnaudigel, Landrat

„Wir Kollegen bedauern, dass Klaus Demal sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgaben muss, aber wir haben dafür volles Verständnis. Der Beruf des Bürgermeisters ist durchaus auch aufreibend. Ein Bürgermeister muss immer Einsatz bringen und ständig verfügbar ein – und damit eben auch fit in jeder Hinsicht. Klaus Demal ist in seiner vierten Amtszeit, er hat Stutensee maßgeblich geprägt, er ist ein erfahrener Kollege, hat höchsten Anerkennung und Respekt verdient. Ich selbst habe ihn immer als verlässlichen und engagierten Kollegen erlebt.“
Thomas Nowitzki, Bürgermeister in Oberderdingen und Vorsitzender des Kreisverbands Karlsruhe im Gemeindetag Baden-Württemberg

„Herr Demal war ein erfolgreicher Oberbürgermeister, mit dem ich 16 Jahre zusammengearbeitet habe. Sein Rücktritt eröffnet jetzt die Chance einer Erneuerung der Stadtpolitik mit einem Kandidaten von außen. Das Ergebnis des Bürgerentscheids Lachwald hat ein gewisses Misstrauen der Bevölkerung deutlich gemacht. Da könnte eine unbelastete, erfahrene Persönlichkeit die Stadt weiterentwickeln“.
Matthias Ehrlein, Bürgermeister a. D. 

 

 

Kommentar
Er ist das längst-gediente Oberhaupt einer Gemeinde und Stadt weit und breit. Er ist einer von denen, für die ein solches Amt nicht ein Job ist, sondern eine Berufung, eine Aufgabe, die er mit Herzblut erfüllt. Wenn Klaus Demal jetzt die Kommandobrücke im Rathaus der Stadt Stutensee verlässt, blickt er auf 27 Jahre zurück, in denen er sich einerseits als Visionär mit sicherem Blick für die Notwendigkeiten kommunaler Entwicklung gezeigt hat, sich andererseits als geschickter Gestalter für die Annehmlichkeiten gegeben hat, die den Bürgern in seinem Stutensee Gutes gebracht haben. Da steht an allererster Stelle die Stadtbahn, die zuerst von Karlsruhe über Büchig nach Blankenloch gebaut und wenige Jahre später über Friedrichstal nach Spöck verlängert wurde. Zweifellos der Meilenstein in der Amtszeit von Klaus Demal. Zu den ganz wichtigen Entscheidungen gehört auch die, ein neues Hallenbad für die Bevölkerung zu bauen, während andernorts Bäder geschlossen werden. Man darf ihm zweifellos bescheinigen, dass er in seiner langen Amtszeit eine Ära geprägt hat, die ganz überwiegend erfolgreich war – und den Menschen genutzt hat.
Dass er jetzt so ganz und gar unerwartet seinen Rücktritt erklärt, den er mit gesundheitlichen Einschränkungen begründet, ist höchst bedauerlich, zumal er noch so manchen Pfeil im Blick auf die Stadtentwicklung im Köcher hatte. Dass er gesundheitlich angeschlagen war, sah man ihm seit einiger Zeit an. Die hoch-emotionale Auseinandersetzung um die Vision Wohnen im Lachwald – nicht immer in verbindlichen Umgangston geführt – hat ihm zu schaffen gemacht und war seiner Gesundheit nicht förderlich.
Klaus Demal hat eine schwere Entscheidung getroffen, treffen müssen, die allen Respekt verdient. Genesung und Erholung muss jetzt sein erstes Ziel sein. Dann kommt auch die Zeit nach vorne zu blicken, einen neuen Weg zu entdecken, der eine erfüllende Aufgabe mit sich bringt.
Die Stadt Stutensee wird ihren weiteren Weg gehen, wer auch immer in die Nachfolge des scheidenden OB gewählt werden wird.