Die Folgen von Starkregenereignissen bekam Bretten beispielsweise 2015 zu spüren. Die Stadt ließ ein Frühwarnsystem entwickeln, das aktuell installiert wird und per App für Bürger, Verwaltung und Einsatzkräfte Gefahrenstufen meldet.
Die Folgen von Starkregenereignissen bekam Bretten beispielsweise 2015 zu spüren. Die Stadt ließ ein Frühwarnsystem entwickeln, das aktuell installiert wird und per App für Bürger, Verwaltung und Einsatzkräfte Gefahrenstufen meldet. | Foto: Rebel/Archiv

Land fördert Schutzkonzepte

Gemeinden rund um Karlsruhe wappnen sich für Starkregen

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Bretten hat damit Erfahrung und auch andere Gemeinden in der Region Karlsruhe kennen das Thema Extremniederschlag. Vor gut zwei Wochen war es wieder einmal so weit: Starkregen. „80 Liter gingen in einer Stunde pro Quadratmeter im Ortsteil Zeutern runter“, erinnert sich Bürgermeister Tony Löffler. Sich dagegen zu schützen, ist nicht ganz einfach.

Der Rathauschef von Ubstadt-Weiher an den Ausläufern des Kraichgaus macht zugleich darauf aufmerksam, dass es drei, vier Kilometer weiter im Ortsteil Stettfeld „nur“ 30 Liter waren. Der große Unterschied macht eines deutlich: Starkregen ist meist ein lokal sehr begrenztes Ereignis. Das macht die Vorhersage ebenso schwierig wie Bemühungen, sich zu schützen.

Immer mehr Starkregenereignisse

Weil nun aber Fakt ist, dass es Starkregenereignisse immer häufiger gibt und diese erhebliche Schäden verursachen können – erinnert sei an Braunsbach bei Schwäbisch Hall 2016 – hat das Land eine Initiative gestartet „kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg“. Im Mai wurde eine umfassende Broschüre „von der Starkregenkarte zum kommunalen Handlungsmanagement“ aufgelegt.
Denn um letzteres geht es: Wie lassen sich Bürger schützen, wie ist die Bauplanung am Ort, welche Maßnahmen machen Sinn? Mit den Karten, so die Einschätzung des Regierungspräsidiums, „können Kommunen einschätzen, wo sich der Oberflächenabfluss sammelt und wo er abfließt“.

Starkregen und Sturzfluten sind nicht vorhersehbar

Was ist überhaupt Starkregen? In der Broschüre heißt es, dass man von Starkregen spricht, wenn in kurzer Zeit Niederschläge von 40, 60 oder auch mehr als 100 Liter pro Quadratmeter niedergehen. Der Deutsche Wetterdienst setzt die Grenze für Starkregen sogar deutlich niedriger an. Starkregenereignisse sind anders als Hochwasser in Bächen und Flüssen, deren Pegel bei anhaltendem Regen nach und nach steigt, nicht vorhersehbar – ebenso die Folgen.

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„In hügeligem Gelände fließt das Niederschlagswasser zum großen Teil außerhalb von Gewässern auf der Geländeoberfläche als sogenannte Sturzflut ab. Solche Sturzfluten verfügen über hohe Strömungskräfte und können große Mengen an Treibgut (zum Beispiel Holz, Heu- oder Silageballen) und erodierte Materialien (zum Beispiel Boden oder Geröll) mit sich reißen. Dieses Material sammelt sich an Verdolungseinläufen, Engstellen oder Brücken.

Durch den Rückstau wird das umliegende Gelände überflutet und es kann zu weiteren schweren Schäden an Gebäuden und Infrastruktur kommen“, heißt es in der Broschüre. Aber „auch in der Ebene können Starkniederschläge Überflutungen verursachen. Die großen Wassermengen liegen meist über den Bemessungsgrenzen der Kanalnetze, weite Flächen werden schnell unter Wasser gesetzt. Insbesondere die Bebauung und Infrastruktur in den Senken können dabei erheblich geschädigt werden“.

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Das Land fördert nun die Erstellung kommunaler Starkregengefahrenkarten mit nachfolgender Risikoanalyse und darauf aufbauendem Handlungskonzept mit 70 Prozent. Im Landkreis Karlsruhe haben bislang sieben Städte und Gemeinden einen Förderantrag gestellt. Ubstadt-Weiher gehört dazu. Die Nachfrage sieht man beim Regierungspräsidium als gut an – „das Programm ist auch noch recht neu“. Landesweit ist die Nachfrage allerdings etwas geringer als im Landkreis Karlsruhe.

Starkregen-Frühwarnsystem am Beispiel der Stadt Bretten

Eine Stadt, die Erfahrung mit Hochwasser und Starkregen hat und in der Projektierung von Maßnahmen gut vorangekommen ist, ist Bretten. Oberbürgermeister Martin Wolff sagt, dass man sich deshalb schon Ende 2018 an ein „Starkregenkonzept“ gemacht habe. Der Starkregen im Jahr 2015, „als in Bretten jede Menge Regen fiel und in Gondelsheim die Leute in der Sonne saßen und die schwarzen Wolken über Bretten sahen“, war dabei nur ein Anlass.
Für Wolff stand aber fest, dass etwas geschehen müsse. Ein Konzept wurde beauftragt. Das „Starkregen-Frühwarnsystem am Beispiel der Stadt Bretten“ wurde kürzlich bei der Tagung der Hochwasserpartnerschaft an Pfinz, Saal-, Kraich- und Leinbach vorgestellt.
In den Feuerwehrhäusern der Stadtteile werden Sensoren installiert, die Informationen in Echtzeit verarbeiten. Die Daten von Niederschlags-, Kanal- und Pegelsensoren werden gewichtet und daraus eine von vier Gefahrenstufen abgeleitet.

Frühwarnsystem via App

Die Firma Specter aus Herzogenaurach hat das Frühwarnsystem erarbeitet, das über eine App-Verwaltung, Bürgern und Einsatzkräften zur Verfügung steht. Im Spätjahr soll das System den Bürgern vorgestellt werden. „Dann können die Menschen wenigstens bei sich im Haus Vorsorge treffen“, sagt Wolff.

Über Bretten und Ubstadt-Weiher hinaus haben laut Landratsamt Kraichtal, Bruchsal, Pfinztal, Waldbronn und Ettlingen die Förderung für die Erstellung eines Starkregenkonzepts beantragt.