Ruhe in Person: Gunter Hager in der Ausstellung seines Unternehmens in Dettenheim. | Foto: Schwab

Beruf Bestatter

„Sterben muss schön sein, jeder macht es“

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Der November gilt als Totenmonat mit den Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen für die Katholiken, dem Totensonntag für die Protestanten, und dem Volkstrauertag für alle. Zeit, über Bestattungskultur zu sprechen, am besten mit einem Bestatter. Wie wird man Bestatter und was braucht’s dazu? Gunter Hager in Dettenheim ist ein Vertreter der Zunft und nimmt sich Zeit für ein Gespräch.

Hat ein Bestatter Humor? „Ich bin durchaus ein humorvoller Mensch“, sagt Gunter Hager mit einem Lächeln. Der bayerische Liedermacher Fredl Fesl habe einmal auf die Frage, ob er Angst vorm Sterben habe, geantwortet „Muss schön sein,  jeder macht es“, erzählt Hager und lacht herzlich.

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Das sei doch ein gesunder Umgang mit dem Thema. Einen ausgemachten Bestatter-Witz könne er nur nicht aus dem Stegreif erzählen. „Ich kann nur Witze nicht mehr hören, wenn es heißt: ,Da kommt der Hager, es muss jemand gestorben sein‘.“ In jungen Jahren sei er zudem manchmal schräg angesehen worden, wegen seiner Berufswahl.

Im Totenmonat November erklärt Bestattungsunternehmer Gunter Hager, wie man zu dem Beruf kommt und worauf es ankommt, wenn man Angehörigen in ihrer Trauer beisteht. | Foto: Daniela Busam/Archiv

„Ich bin damit groß geworden“

Guter Punkt. Wie wird man Bestatter? Hager, seines Zeichens Schreinermeister, fasst seinen eigenen Werdegang kurz zusammen: „Ich bin Bestatter als Sohn geworden.“ Bereits sein Vater habe als Bestattungsunternehmer und Schreinermeister gearbeitet. Da sei er dann einfach reingewachsen. „Ich bin damit groß geworden“, sagt der 58-Jährige und ist froh, dass die Geschichte weitergeht: „Mein Sohn hat irgendwann gesagt, er geht mit.“ Das sei so vor zehn Jahren gewesen. „Mittlerweile ist es so, dass mein Sohn – er ist jetzt 28 – und ich das Team sind. Einer von uns ist immer dabei.“

Einfühlungsvermögen muss der Bestatter mitbringen

Mittlerweile ist Bestatter ein Lehrberuf, bei dem ein Meisterabschluss nötig ist. Ist das gut so? „Ja, zurecht“, sagt Hager. Eine Voraussetzung könne man nicht lernen: Einfühlungsvermögen. Hager: „Das muss man schon mitbringen.“

Papierkram, Behörden, Todesanzeigen

Worauf lässt man sich ein, wenn man Bestatter wird? Hager erzählt von Familienausflügen, als die Kinder noch klein waren, und man bis in den Schwarzwald kam, als der Funkruf-Piepser losging. „Dann ging es wieder zurück.“

Bestatter leben eben auf Abruf. Wenn sie gebraucht werden, müssen sie mit aller Ruhe und gebotenem Fingerspitzengefühl arbeiten. Sie haben die Erfahrung, sie kennen sich aus, können Formulare und Behördenkram übernehmen, den Pfarrer verständigen, die Überführung. Alles Dinge, die Angehörige
in ihrer Trauer schnell überfordern können. „Den Papierkram sollten die Bestatter übernehmen“, sagt Hager mit Nachdruck.

Zu Zeiten seines Vaters sei das noch nicht üblich gewesen, heute eigentlich der Standard. Klagen will Hager nicht, die Arbeit übernimmt er gern. „15 Arbeitsstunden kann ich durchschnittlich für eine Bestattung rechnen, manchmal sind es auch 20“, rechnet er vor. „Meine Frau macht die Dekoration. Zwei, drei Stunden sind da auch nichts.“

Zum Vorgespräch kommt Hager in Zivil

Wie läuft es üblicherweise ab, wenn der Bestattungsunternehmer gerufen wird? „Es fängt an mit einem Vorgespräch – oder der Verstorbene soll gleich abgeholt werden“, sagt Hager. Gleich abgeholt bedeutet: Verstorbene müssen beispielsweise nach Unfällen abgeholt werden oder auch bei Todesfällen im häuslichen Umfeld.

Gibt es ein Vorgespräch, komme er nicht in „Schwarz-weiß“ zu den Angehörigen, so Hager. Das schaffe Distanz. Die typischerweise mit seinem Berufsstand verbundene Kleidung trage er bei der Beisetzung, bei Trauerfeiern, wenn der Verstorbene eingeäschert werden soll. Aber zum Vorgespräch komme er als Mensch.

Die Abholung soll so würdevoll wie möglich sein

Und wie läuft so eine „Abholung“? „Wir versuchen immer, den Angehörigen gleich in den Sarg zu betten, wenn wir ihn abholen“, erklärt Hager, ergänzt aber auch: „Durch örtliche Gegebenheiten kommt auch manchmal eine Trage zum Einsatz.“

Gerade sei er in Dresden gewesen, um einen Verstorbenen abzuholen. Auch das sei mit den Angehörigen besprochen worden. Einäschern hätte man den Leichnam auch können, aber das sei dann schwierig mit dem Abschiednehmen. Nach der Abholung werde der Leichnam hergerichtet. Auch da geht es um die Kleidungsfrage: „Ich rate immer, das zu verwenden, was er im Leben gern getragen hat“, sagt Hager.

Nicht immer ist der Tod gnädig

Wie geht man mit Unfalltoten um oder mit späten Leichenfunden? „Ich sage immer: Der Tote kann ja nichts dafür“, sagt Hager seelenruhig. Natürlich wollen die Angehörigen Abschied nehmen, das sei dann schwer. „Wenn es nicht anders geht, redet man mit den Leuten.“ Ebenso, wenn der Leichnam beschlagnahmt wird, weil die Todesumstände erst geklärt werden müssen. „In einem solchen Fall war es möglich, dass die Polizei der Frau erlaubt hat, wenigstens die Hand ihres verstorbenen Mannes zu halten“, erinnert sich Hager.

Wie sieht es aus, wenn Freunde und Verwandte sterben?

Und wie sieht es aus, wenn es um Bekannte, Freunde oder auch Verwandte geht? „Genau so, wie bei anderen. Bei meinen Eltern habe ich gesagt: Das kann keiner besser als ich.“ Makaber sei das nicht, der Tod gehöre zum Leben dazu, sagt Hager ruhig.

Das Modell „Vintage“ kommt auf 1.630 Euro

Kommen wir zum Handwerklichen: Wie viele Särge baut Hager so pro Woche? „Einen Sarg zu machen wäre nicht das Problem – aber nicht in der Vielfalt und nicht zu dem Preis“, erklärt Hager. Die eigene Werkstatt hat er aufgelöst. Särge und Urnen bezieht er von verschiedenen Lieferanten, als Schreinermeister achte er aber auf Qualität: „Ich mache nicht alle Spiele mit – die Jaffa-Kiste gibt es bei mir nicht.“

Auf den Schildern in der Ausstellung stehen Preise ab rund 1.400 Euro für einen Sarg, das Modell „Vintage“ kommt auf rund 1.630 Euro. Einen der Lieferanten hätte man übrigens nach einem Bestatter-Witz fragen können. Der habe immer welche auf Lager und könne die auch gut erzählen.