Mastenwald: Die bisherige 220-Kilovolt-Stromtrasse soll ausgebaut werden und binnen zehn Jahren auf 380 Kilovolt umgerüstet sein. In Leopoldshafen sieht man die Chance, die Strommasten aus dem Ort herauszu- bekommen und die Trasse im Zuge des Umbaus an die B36 zu verlegen. | Foto: del

Energiewende

Stromtrasse stößt auf Widerstand in Eggenstein-Leopoldshafen

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Mitten im Planungsprozess befindet sich das Großprojekt einer umfangreichen Stromtrassensanierung zwischen Weinheim und Karlsruhe. Zuständig ist TransnetBW, einem Tochterunternehmen der EnBW. Eine 80 Kilometer lange Trasse, die heute noch aus einer 220-Kilovolt-Freileitung besteht, soll in etwa zehn Jahren auf 380 Kilovolt umgestellt sein. Bei einer Informationsveranstaltung im Karlsruher Stadtteil Daxlanden wurde jetzt der Planungsstand erklärt.

Von  Marcus Dischinger

Die Trasse führt unter anderem an Oberhausen-Rheinhausen, Philippsburg, Dettenheim, Linkenheim-Hochstetten vorbei, durch Eggenstein-Leopoldshafen hindurch und von dort nach Neureut und schließlich ins Daxlander Umspannwerk. Obwohl die Trasse schon besteht, ist ein komplett neuer Planungs- und Genehmigungsprozess notwendig, da viele Masten neu gebaut werden müssen oder Abstände anders ausfallen werden. Federführende Genehmigungsbehörde für das Projekt ist die Bundesnetzagentur. Sie fordert in einem ersten Schritt, dass ein 500 bis 1.000 Meter breiter Korridor für die Trasse festgelegt wird. Der genaue Verlauf der Trasse innerhalb des Korridors ist dann Aufgabe des Planfeststellungsverfahrens, das sich anschließen wird.

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Problemfälle: Naturschutz, Straßen, Kläranlage

Probleme verursachen gleich mehrere Faktoren entlang des Korridors, die beim Bau der Trasse in den 1950er Jahren noch nicht existierten. Entlang des Rheins haben sich Naturschutzgebiete entwickelt, die Bundesstraße 36 verläuft in der Nähe. Wohn- und Gewerbegebiete sind im Laufe der Jahrzehnte näher an die Trasse herangerückt. In Neureut gibt es in nächster Nähe eine Kläranlage.

Planung des Korridors ist schwierig

„Es gibt ein paar Stellen, wo wir Alternativen prüfen müssen“, sagt Maria Dehmer, Sprecherin bei TransnetBW für dieses Projekt. Die Strecke sei insgesamt schwierig, weil sie durch eine boomende Region führe, wo der Platz beengt und die Möglichkeiten begrenzt seien, fügt sie hinzu. Dennoch könne nicht auf die Verstärkung der Leitung verzichtet werden. Im Zusammenhang stehe die Umstrukturierung auch mit der Energiewende. „Wir verbrauchen künftig mehr Strom und nicht weniger“, so Dehmer.

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Trasse an die B36 verlegen?

Und dann ist da noch das Problem mit Eggenstein-Leopoldshafen. Dort führt die Trasse heute noch durch den Ort. Sowohl die dortige Gemeindeverwaltung als auch eine Bürgerinitiative wollen die Planungen nutzen: Masten und Leitungen sollen an die Bundesstraße 36 verlegt werden. Ob das möglich ist, müssen die Untersuchungen zeigen. Beim der Veranstaltung am Dienstagabend gab es dazu keine neuen Erkenntnisse. Im Laufe des Dienstags hatten allerdings auch Gespräche zwischen der in Stuttgart ansässigen TransnetBW und der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen stattgefunden.

Zeitplan steht

Bis Ende des Jahres sollte der Korridor stehen. Das planende Unternehmen hat bereits eine Verlängerung bei der Bundesnetzagentur bis Ende 2020 genehmigt bekommen. Im Jahr 2029, so die Prognose von Dehmer, könnte die neue Trasse fertig gebaut sein.