Stutensee plant eine eigene App für die Jugendbeteiligung. Wie die später aussehen wird, ist jedoch noch offen. | Foto: Disobey Art

Für Beteiligung und Austausch

Stutensee setzt auf Jugend-App statt Instagram

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Die Stadt Stutensee plant eine eigene App für die Jugendbeteiligung. Jugendliche sollen leichter an Entscheidungsprozessen beteiligt werden und sich besser miteinander austauschen können. Bereits bei der Entwicklung der App werden sie eingebunden.

Paragraf 41a der Gemeindeordnung Baden-Württemberg schreibt vor, dass Gemeinden Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, verbindlich beteiligen müssen. In Stutensee will man diese Beteiligung nun auch mit einer Jugend-App umsetzen. Sie ist eine der Forderungen des vierten Jugendforums, das in November vergangenen Jahres stattfand. Das erste Jugendforum wurde 2018 veranstaltet.

Jugendliche sind ganz normale Bürger.

Vlado Draca, Leiter des Jugendzentrums Stutensee

Schnell war klar, dass die Jugend-App ein „integrierter Bestandteil der offenen Jugendarbeit“ sein soll, erklärt Bürgermeister Edgar Geißler. Vlado Draca, Leiter des Jugendzentrums, findet es wichtig, Jugendliche in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. „Jugendliche sind ganz normale Bürger“. Die Ausgaben von rund 7.000 Euro habe die Verwaltung trotz Sparkurses verteidigt, betont Geißler. Gleich in der ersten Sitzung sei die Finanzierung des Projekts einstimmig angenommen worden.

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70 Prozent der Inhalte dürfen die Jugendlichen bestimmen

Aktuell befinde man sich in der Abstimmung mit der Hersteller-Agentur hitcom aus Dunningen, sagen Geißler und Draca. Die App soll später individuell auf Stutensee zugeschnitten sein. Bei der Entwicklung der notwendigen Features sind die Jugendlichen auch aktiv eingebunden. 70 Prozent der App können sie selbst gestalten, bei 30 Prozent habe die Stadt das letzte Wort – immerhin übernehme die auch die Kosten.

Was es genau in die App schaffen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen offen. Auch die Frage des Mindestalters ist noch nicht abschließend geklärt. Anregungen seitens der Jugendlichen gibt es genug: Eine Börse für Nebenjobs, Events, Trainingszeiten der Vereine, Umfrage, Konzerttermine… „Die Möglichkeiten sind unendlich groß“, so Draca.

Er hat sich im Vorfeld auch bei anderen Städten und Gemeinden umgehört und Erfahrungswerte gesammelt. Am Ende stellte er verschiedene Anbieter vor. Die Wahl auf hitcom fiel gemeinsam mit den Jugendlichen, sie wurde einstimmig angenommen.

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Keine älteren Nutzer in der Jugend-App

Parallel beschäftigt sich Stutensee mit der Einführung einer Bürgerbeteiligungs-App. Man habe sich für eine bewusste Trennung entschieden, erklärt Geißler. Einerseits wolle man die Jugendlichen nicht durch ältere Nutzer „vertreiben“, andererseits sollen für die Jugend-App die Zugangsmöglichkeiten einfacher sein.

Erst das spätere Nutzerverhalten werde zeigen, ob man im Nachhinein regulativ eingreifen muss, ergänzt Draca. In der Jugend-App sollen vor allem Stimmungsbilder bei den Jugendlichen eingefangen werden.

Jugend-App wird kein „Wunschkonzert“

Wann genau die App verfügbar sein wird, stehe noch nicht fest. Ein realistisches Datum sei der Sommer 2020, sagen die Verantwortlichen. Vlado Draca weiß aber auch, dass es nicht zu lange dauern darf. „Wenn man Jugendliche beteiligen will, muss es auch Ergebnisse geben.“

Ein „Wunschkonzert“ solle es dennoch nicht geben. Draca plädiert zwar dafür, Jugendliche für ihr Engagement zu unterstützen. Allerdings müssen die sich für ihre Wünsche auch aktiv und gezielt einsetzen. Um Frustrationen zu vermeiden, sollen Jugendliche in diesem Prozess intensiv begleiten, ohne übergriffig zu sein.

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Bürgermeister hofft auf „Nachhaltigkeiteseffekt“

Bürgermeister Geißler hofft auf einen „Nachhaltigkeitseffekt“: Er wünscht sich, dass sich Jugendliche durch die Beteiligung später für die Arbeit im Gemeinderat, für ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr begeistern lassen. Daher habe man sich auch bewusst gegen die Benutzung von Instagram entscheiden – auch wenn viele Jugendliche diese App schon nutzen.

Die neue Jugend-App soll jedoch auch einen Werbecharakter für die Jugendbeteiligung haben, sagt Geißler. Er schätzt, dass zwischen 30 und 35 Prozent der Jugendlichen in Stutensee die neue App nutzen werden – bei der Bürgerbeteiligungsapp rechnet er nur mit rund 15 Prozent. Die ganze Verwaltung stehe aber hinter dem Projekt, betont er.