Der öffentliche Personennahverkehr (hier die Stadtbahn in der Hauptstraße in Blankenloch) hat für die Stutenseer Stadtentwicklung große Bedeutung. Mit höherer Taktung in die nördlichen Stadtteile könnte man den Individualverkehr reduzieren. | Foto: del/Archiv

Blick auf künftiges Wohnen

Stutensee setzt auf Nachhaltigkeit bei der Stadtentwicklung

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Nachhaltigkeit ist das große Ziel beim Blick auf das künftige Wohnen in Stutensee. Unter Beteiligung vieler Bürger wurde in zwei „Perspektivwerkstätten“ Ideen und Vorschläge erarbeitet und gesammelt, die jetzt vorgestellt wurden. Der Gemeinderat der Stadt Stutensee muss die Vielzahl der Vorschläge sortieren und entscheiden, was sich wie realisieren lässt.

Wie wollen die Stutenseer künftig wohnen? Aus dieser Frage entstanden verschiedene Blickwinkel, die für eine Wohnbauentwicklung unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit in der Großen Kreisstadt Stutensee berücksichtigt werden sollen. „Eine ganzheitliche Betrachtung unter Beteiligung von Bürgern“, nannte es Oberbürgermeisterin Petra Becker.

Bürgerbeteiligung wurde offen aufgenommen

Der Prozess der Bürgerbeteiligung sei positiv aufgenommen worden und soll weitergeführt werden. Etwa 80 Bürger waren an dem Projekt beteiligt, bei dem in zwei „Perspektivwerkstätten“ viele Ideen und Vorschläge erarbeitet und  gesammelt wurden. Diese wurden von den Sprechern der Themenfelder jetzt vorgestellt, nachdem Moderatorin Ute Kinn vom Ettlinger Büro „Grips“, die den Prozess fachlich begleitete,  an die Eckpunkte und das Ziel der Nachhaltigkeit erinnert hatte.

Mobilität

Innerhalb der Stadtteile und in Nachbarorte soll die Mobilität unter besonderer Berücksichtigung der Verkehrssicherheit verbessert werden – zu Fuß, per Rad, durch den Personennahverkehr und – vor allem – durch den Individualverkehr. Dieser muss, im Blick auf knappen Parkraum, reduziert werden, wo immer das möglich ist – zum Beispiel durch erweiterte „Sharing-Angebote“. Für das Parken ist ein Management nötig, Parkflächen sollen gebündelt werden, etwa als „Quartiergaragen“. Und: Der ruhende Verkehr muss stärker kontrolliert werden. Neue Schulwege wie auch Radwege müssen ausgewiesen werden.

Infrastruktur

Bauen braucht neue Formen, weil Wohnen individueller wird. Und Wohnen muss bezahlbar sein, was man über eine Wohnungsbaugesellschaft erreichen kann. Baugemeinschaften können Flächen effektiver und kostengünstiger nutzen. Wohnen und Gewerbe lassen sich durchmischen. Und die Stadtentwicklung braucht einen Rahmenplan, um Nachhaltigkeit zu erreichen.

Umweltgerechtes Bauen

Stutensee wird als eigenständige Stadt mit ländlicher Prägung betrachtet. Dies muss Grundlage eines Leitbilds sein, in dem konkrete Ziele für umweltgerechtes und zukunftsorientiertes Bauen festgeschrieben sind. Die Stadt hat dabei Vorbildfunktion für die Bürger. Dies soll sich in einem Leitfaden zu allen bautechnischen Belangen niederschlagen. Kriterien für Nachhaltigkeit sind ebenso festzulegen wie gemeinschaftliche Energieversorgung.

Naturschutz

Biodiversität muss ebenso erhalten werden wie die Grünzäsuren. Es sollen Anreize geschaffen werden für mehr Begrünung, etwa auf Dächern. Für die innerörtliche Verdichtung soll ein Grüngerüstplan gemacht werden, der Raum für Pflanzung lässt, auch für (mehr) Bäume. Und: Für Gartengestaltung soll es Empfehlungen geben. Generell gilt es, beim Bauen so viel wie möglich Flächen zu sparen.

Flächenbedarf

Für Stutensee ist ein Wachstum um 1 600 Personen bis 2035 prognostiziert, etwa 100 Personen ziehen im Jahr zu. Der Wohnbedarf für Einheimische ist vorrangig zu decken. Und es muss ermittelt werden, welche Gruppen welchen Bedarf haben – Singles, Familien, Senioren. Der Bedarf soll zuerst über Nachverdichtung in den Orten gedeckt werden.

Wohnformen

Lebendige Quartiere, in denen die Bauform sich nach der Funktion richtet, sind als „lebendiger und gelebter Städtebau“ anzustreben. Ein kommunales Wohnraummanagement soll mit Bürgerbeteiligung alle Notwendigkeiten koordinieren, vor allem die soziale und generationenübergreifende Durchmischung.