Pfinztal Syrischer Arzt Mohammed Salem sieht große Probleme bei der Akzeptanz ausländischer Mediziner. | Foto: Alexander Werner

Zu viel Bürokratie

Syrischer Arzt in Pfinztal ist in der Corona-Krise zum Nichtstun verdammt

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Der syrische Arzt Mohammad Salem lebt in Pfinztal-Söllingen. Im Kampf gegen das Coronavirus würde er gerne mit seinen Kenntnissen helfen. Eine Antwort auf sein Angebot bekommt Salem allerdings nicht. Er sieht große Probleme bei der Akzeptanz ausländischer Mediziner und kritisiert die Bürokratie.

Von unserem Mitarbeiter Alexander Werner

Mohammad Salem ist ziemlich ratlos. Seit geraumer Zeit bemüht sich der mit seiner Familie in Pfinztal-Söllingen lebende syrische Arzt vergeblich, seine Kenntnisse und sein Wissen im Kampf gegen das Coronavirus einzusetzen. In der aktuellen Situation mit ihrem intensiven gesellschaftlichen Druck würde er gerne dort mithelfen, wo man ihn brauchen könne, betont er.

Er habe sich bereits an die Regierungspräsidien in Karlsruhe und Stuttgart, die Ärztekammer und überregional an Krankenhäuser und andere Einrichtungen gewandt. Meist bekomme er überhaupt keine Antwort oder mitgeteilt, dass man ihm nicht weiterhelfen könne, berichtet der knapp 32-Jährige.

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Als Krankenpfleger sei Salem überqualifiziert

Als Krankenpfleger seien seine Dienste ebenso gefragt gewesen, weil er dafür als überqualifiziert eingeschätzt worden sei. Auf eines aber legt Salem besonders Wert, wenn er das Thema nun öffentlich zur Sprache bringt. Es gehe ihm dabei keineswegs um ihn persönlich, sondern um all die anderen in gleichem Maß Betroffenen.

Wie viele das sind, weiß Salem alleine schon aus seinem näheren Bekannten- und Freundes- und Kollegenkreis sowie über den regen gegenseitigen Austausch in den Sozialen Medien. „Im Prinzip geht es allen gleich. Wir selbst wollen arbeiten, brauchen Hilfe und wollen unsererseits den Menschen helfen“, resümiert er. „Aber fast alle können das nicht tun, egal ob sie bereits als Ärzte hierzulande anerkannt sind oder nicht. Sie werden nicht angenommen.“

Kommt zu uns, wir brauchen eure Hilfe.‘ Aber wenn man darauf reagiert, passiert nichts.

Mohammad Salem

Öffentlich werde stets verkündet: „,Kommt zu uns, wir brauchen eure Hilfe.‘ Aber wenn man darauf reagiert, passiert nichts“, kritisiert er. So sieht Salem ein durchweg grundsätzliches Problem nicht nur von ausländischen Ärzten, sondern gleichermaßen von Krankenschwestern oder Krankenpflegern.

Sind Sprachprobleme ausschlaggebend?

Ein wesentliches Argument bei Ablehnungen sei immer wieder, dass die Leute die deutsche Sprache nicht gut genug beherrschen würden. Beispielhaft erwähnt der 32-jährige Salem einen betroffenen Kollegen mit langer Berufserfahrung. Der lebt bereits seit 2014 in Deutschland und spricht allerdings sehr gut Deutsch.

Salem selbst hat seit seiner Flucht vor dem Krieg in Syrien ebenso gute Sprachkenntnisse erworben. Um die Sprache perfekt und nicht nur über Schule und Kurse zu erlernen, sei es wichtig, in der Praxis mit entsprechenden Kontakten zu arbeiten, gibt er zu bedenken. Aber man berücksichtige eher wenig erfahrene Studenten als ausländische Ärzte mit teils langer Erfahrung.

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Termine für Sprachnachweise lassen auf sich warten

Vor seiner Flucht war Salem als fertiger Mediziner bei „Ärzte ohne Grenzen“ engagiert und international in unterschiedlichen Kliniken tätig. Erfahrung sammelte der Onkologe auch mit Sars, Schweine- und Vogelgrippe.

Ab Februar 2016 war er als Rettungssanitäter und innerhalb eines medizinischen Projekts beim DRK Karlsruhe tätig. Zu Ende ging das, als er in Stuttgart den für seine Anerkennung in Deutschland notwendigen Kurs in medizinischer Fachsprache absolvierte und mittlerweile erfolgreich mit Prüfung abschloss. Zum Erwerb der deutschen Approbation im Land Baden-Württemberg müsse er noch eine Kenntnisstandprüfung abgelegen, ergänzt er. Ein entsprechender Termin dafür aber lässt auf sich warten.

Immerhin reagierte unlängst eine auswärtige Klinik auf sein Anschreiben. Sie schickte ihm Formulare, die er ausgefüllt zurücksandte. Auf eine Antwort wartet er nun seit drei Wochen. Ihm bleibe nur, daheim zu sitzen, ohne zu arbeiten und es weiter zu versuchen, fasst Salem zusammen. Einen Grund, dass bei ihm wie auch bei so vielen Kollegen nichts geschieht und Jahre unnütz verloren gehen, sieht er auch in der Bürokratie.

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