Tätowiererin Isabelle Neubert macht sich Sorgen um die Zukunft, sollte das geplante Farb-Verbot kommen. Sie ist praktisch im Studio "Buzzin Needles" ihres Vaters Gerald in Graben-Neudorf groß geworden. | Foto: Manzey

Zwei Pigmente sollen wegfallen

Tätowierer im Landkreis Karlsruhe fürchten wegen geplanten Farb-Verbots um ihre Existenzgrundlage

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Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) will mit Blue 15 und Green 7 zwei Pigmente verbieten, die für die Herstellung von rund 70 Prozent aller Tattoo-Farben notwendig ist. Tätowierer und Tattoo-Fans wollen das mit einer Online-Petition verhindern. Farben aus dem Ausland kommen für viele Tätowierer nicht infrage – im Falle eines Verbots fürchten sie um ihre Existenzgrundlage.

Es ist eine Branche im Wandel: Früher Erkennungszeichen von Knackis und Seeleuten, sind Tattoos heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Doch mit der farbenprächtigen Körperkunst könnte bald Schluss sein, sollte das von der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) geplante Verbot grüner und blauer Pigmente für Tattoo-Tinten kommen.

Die Pigmente Green 7 und Blue 15 sind in nahezu 70 Prozent aller Tattoo-Farben enthalten. Auch Schwarz lasse sich nach Meinung von Tätowierern nicht mehr richtig mischen. | Foto: Manzey

Online-Petition will Verbot verhindern

Noch bis 15. Februar kämpft eine Online-Petition gegen das geplante Verbot. Initiator ist Jörn Elsenbruch, Tätowierer und unter anderem Mitglied im Bundesverband Tattoo (BVT). Mehr als 122.000 Menschen (Stand: 29. Januar) haben bereits unterzeichnet – darunter auch Tätowierer aus der Region.

Wir sind eine ganz andere Branche.

Gianlica Continolo, Tätowierer aus Stutensee-Blankenloch

Einer von ihnen ist Gianluca Continolo vom Cabeza de Toro Tattoo Studio in Blankenloch. Er kann das geplante Verbot nicht nachvollziehen. „Wir sind eine ganz andere Branche“, sagt er mit Blick auf die Einordnung der Tätowierer in die Kosmetikbranche. Für ihn ist es vielmehr ein Ausdruck fehlender staatlicher Akzeptanz für den Tätowierer-Beruf.

Es geht um 13.600 Existenzen.

Gerald Neubert, Tätowierer in Graben-Neudorf

Auch Gerald Neubert plädiert für eine eigene Tattoo-Branche. Der Besitzer des Tattoo-Studios Buzzin Needles in Graben-Neudorf hat gleich am ersten Tag der Petition abgestimmt. Seiner Schätzung nach gibt es in Deutschland derzeit rund 13.600 zugelassene Tätowierer. „Es geht um 13.600 Existenzen“, betont er. „Die Farben sind heute auf einem hohen technischen Stand.“

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Viele Tätowierer lehnen Farben aus dem Ausland ab

Rund 70 Prozent der verwendeten Tattoo-Tinten enthalten die infrage stehenden blauen und grünen Pigmente – auch schwarze Tinte lasse sich ohne sie nicht richtig mischen, erklärt Neubert. Seine Tochter Isabelle ist ebenfalls Tätowiererin. Kommt das Verbot, könnten sie ihr Studio schließen, sind sich Vater und Tochter einig.

Kommt das Verbot, gibt es keine Chance, offizielle Läden zu führen und Qualität anzubieten.

Isabelle Neubert

Farben aus dem Ausland, beispielsweise aus China, zu beziehen, lehnen beide kategorisch ab – das würde die Branche kriminalisieren und widerspreche der Verantwortung, die sie als Tätowierer hätten. „Kommt das Verbot, gibt es keine Chance, offizielle Läden zu führen und Qualität anzubieten“, sagt Isabelle Neubert. „Wir machen uns Sorgen, die Lage ist schon bedrohlich.“

Mündig oder leichtsinnig: Kunden fragen selten nach Risiken

Doch sind Kunden von Tattoo-Studios nicht auch mündige Personen, die wissen müssen, ob sie das Risiko eingehen wollen? Nur wenige Kunden fragen gezielt nach den Risiken, gibt Michael Knobloch zu. Er tätowiert im Unity Tattoo Studio in Leopoldshafen. Grundsätzlich müsse jeder Kunde aber eine Einverständniserklärung unterzeichnen, die auf die Risiken hinweise.

Die deutsche Tätowiermittel-Verordnung kennt rund 40 Stoffe, die nicht zur Herstellung von Tätowiermitteln verwendet werden dürfen. Gianluca Continolo bezieht seine Farben ausschließlich aus Deutschland. Er möchte nicht, dass sich seine Kunden Sorgen um Gesundheitsschäden durch gepanschte Farben machen müssen.

„Wir müssen uns auf den zugelassenen Handel verlassen können“, findet auch Gerald Neubert. Leider gebe es bei Tattoo-Farben und ihrer Langzeitwirkung in der Haut viele Gerüchte und wenig gesicherte Fakten. „Wenn es wissenschaftliche Beweise gebe, dass die Farben krank machen, wären wir die letzten, die etwas dagegen sagen würden.“

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Geplantes Verbot
Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) ist eine Behörde der Europäischen Union und für die Bewertung und Zulassung von Chemikalien zuständig. Mit der geplanten Neuüberarbeitung der „Reach“-Verordnung möchte die Echa über 4.000 Stoffe verbieten, die in Tattoo-Tinten verwendet werden, darunter auch die Pigmente Blue 15 und Green 7. Tätowierer schätzen, dass dadurch rund 70 Prozent der Farben nicht mehr verwendet werden dürfen. Die Echa zählt Tätowierer dabei zur Kosmetikbranche. Laut Kosmetikverordnung dürfen die fraglichen Pigmente beispielsweise für Haarfarben nicht mehr genutzt werden.