Rundum zufrieden: Marvin Dienst (20) vom MSC Weingarten wurde durch eine Fachjury zum ADAC Junior-Motorsportler des Jahres 2017 gewählt. Auch Sebastian Vettel und Nico Rosberg erhielten einst diese Auszeichnung. | Foto: Porsche Motorsport

Marvin Dienst, MSC Weingarten

ADAC Junior-Motorsportler des Jahres

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Für Marvin Dienst war 2017 ein ereignisreiches Jahr. Mit vielen neuen Erfahrungen. Und mit einem Erfolg für den Nachwuchsrennfahrer vom MSC Weingarten, der sich sehen lassen kann: Vize-Weltmeister in der FIA World Endurance Championship (WEC), der Langstrecken-Weltmeisterschaft, das ist doch was.  Als Sahnehäubchen gab’s die Wahl zum ADAC Junior-Motorsportler des Jahres obendrauf.

Ehrung bei ADAC SportGala in München

Davon erfahren, dass er bei einer Fachjury auf Platz eine gewählt worden ist, hat Marvin Dienst Anfang November beim Training zum Sechs-Stunden-Rennen von Shanghai, dem vorletzten WEC-Lauf der Saison. Gestern, am  Abend des 16. Dezember, durfte der Pilot des MSC Weingarten seine Auszeichnung entgegennehmen. Und zwar im Rahmen der ADAC SportGala in München, bei der unter anderem auch DTM-Champion René Rast geehrt wurde. Höhepunkte der SportGala zeigt SPORT1 am Freitag, 22. Dezember (0.30 Uhr), und am 24. Dezember (17 Uhr).

Marvin Dienst in einer Reihe mit Vettel und Rosberg

Marvin Dienst reiht sich in eine Liste prominenter Namen ein. ADAC Junior-Motorsportler des Jahres waren unter anderem auch schon die beiden Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und Nico Rosberg. Dass er die Wahl gewonnen habe, sei „sehr überraschend“ gekommen, räumt der 20-jährige Lampertheimer ein. „Nein, ich habe nicht damit gerechnet“, sagt er. „Umso schöner fühlt es sich an.“

Vize-Weltmeister: Im Porsche 911 RSR von Dempsey-Proton-Racing wurden Marvin Dienst und Co Zweiter der Klasse GTE-Am in der World Endurance Championship (WEC) 2017. | Foto: Porsche Motorsport

„Marvin Dienst hat es nach drei erfolgreichen Jahren in den Formel-Nachwuchsserien des ADAC bis in die Sportwagen-Weltmeisterschaft geschafft“, betonte ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk. Nach einer fundierten Nachwuchsarbeit sei Dienst auf dem besten Weg zu einer Karriere im internationalen Langstreckensport. „Wir wünschen ihm, dass er dafür auch weiterhin die notwendige Unterstützung erhält“, so Tomczyk, der vor kurzem auf der Generalversammlung des Automobilweltverbands FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) in Paris zum FIA-Vizepräsidenten Sport gewählt worden ist.

Der Teamchef ist ein Hollywoodstar

Nach dem Gewinn der Formel-4-Meisterschaft 2015 und dem anschließenden Wechsel zum Pfälzer Porsche-Team Schütz, und damit in den GT-Rennsport (ADAC GT Master Fahrerwertung Rang 14; Junior-Wertung Rang fünf), bekam Marvin Dienst 2017 einen Platz im Dempsey-Proton-Racing Porsche 911 von Hollywoodstar Patrick Dempsey (alias Dr. Derek Shepherd in der Fernsehserie Grey’s Anatomy) und den Brüdern Michael und Christian Ried.

Prominenter Teamchef:  Marvin Dienst mit Hollywoodstar Patrick Dempsey (rechts), alias Dr. Derek Shepherd in der Fernsehserie Grey’s Anatomy. | Foto: Porsche Motorsport

Mit seinen Cockpitkollegen, Teamchef Christian Ried (38) und Matteo Cairoli (Italien/21), beendete Dienst seine WEC-Premierensaison als Vize-Weltmeister in der Klasse GTE-Am Endurance Trophy. Und: Mit zwei Laufsiegen sowie insgesamt sechs Podiumsplatzierungen an neun Rennwochenenden blickte das Team auf eine starke Vorstellung zurück.

24 Stunden von Le Mans ein Highlight

„Es war ein spannendes Jahr. Die Saison ist wie im Flug vergangen“, erzählt Marvin Dienst dem SONNTAG. „Persönliche Highlights“ habe es dabei mehrere gegeben. Die 24 Stunden von Le Mans zum Beispiel. „Das war schon etwas besonderes. Da fahren zu dürfen, unglaublich. Und das mit 20 Jahren“, schwärmt der Youngster, der bis dahin nur mal bei einem 24-Stunden-Kart-Rennen teilgenommen hatte. „Eine Stunde im Auto, zwei Stunden Pause, immer im Wechsel, das war anfangs ungewohnt“, verdeutlicht Marvin Dienst. „Auch das Umfeld mit den LMP 1-Boliden. Da geht’s ab. Da muss man immer auf den Verkehr achten. Das erfordert große Konzentration, genau wie das Fahren bei Tag und bei Nacht.“ Fasziniert haben ihn auch die Stationen in Übersee. Mexiko, Austin in Texas, Fuji (Japan), Shanghai, Bahrain – alles kleine Höhepunkt. Alle in einer Saison.

Schwierige Bedingungen: Es schüttete wie aus Eimern beim Rennen in Fuji (Japan). | Foto: Porsche Motorsport

„Ich hoffe, auch 2018 in der WEC dabei zu sein und werde weiter hart arbeiten“, verdeutlicht der Pilot des MSC Weingarten. Aber: „Wie es bei Proton weiter geht – keine Ahnung. Die Fahrerbesetzung ist noch völlig offen“, erklärt Marvin Dienst, der auch noch „andere Gespräche“ führt. In der kommenden Saison der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) wird nach dem Ausstieg von Porsche in der LMP 1-Klasse nur noch Toyota als Werksteam antreten, dafür stoßen neue Privatrennställe hinzu. In der GTE-Pro-Klasse debütiert BMW und das Interesse an Startplätzen bei den Amateuren in der GTE-Am-Kategorie ist reisig; die Nennliste allerdings auf insgesamt 34 Starter begrenzt.

Fest steht: Alle 2017er GTE-Am-Teams wollen auch 2018 weitermachen, einige ihr Engagement ausweiten. Und neue Mannschaften angreifen. Proton-Porsche will zwei 911er bei der WEC an den Start bringen und weitere zwei Fahrzeuge in der ELMS (European Le Mans Series) einsetzen. Das werde eine spannende Sache, hofft Marvin Dienst auf einen Cockpitplatz. „Ich wünschte, ich könnte schon mehr sagen.“

Schon mal vorarbeiten für 2018

Seine Ausbildung zum Automobilkaufmann hat der 20-jährige Südhesse im Sommer abgeschlossen. „Ich bin weiter in meinem Lehrbetrieb in Walldorf. Da habe ich die Möglichkeit, flexibel zwei Tage in der Woche zu arbeiten, das kommt mir sehr entgegen“, erklärt Dienst: „Durch die vielen Übersee-Rennen war ich oft weg. Jetzt im Dezember werde ich die eine oder andere Stunde nachholen – oder schon Mal vorarbeiten.“ Denn auch 2018 dürfte für ihn sportlich wieder ereignisreich werden.

Die Jury zur Wahl des ADAC Junior-Motorsportler des Jahres setzte sich zusammen aus: Anno Hecker (Sportchef Frankfurter Allgemeine Zeitung), Arno Wester (Freier Journalist), Norman Frackmann-Adelhütte (Redaktionsleiter n-tv Auto/Motorsport), Jörg Althoff (Sportchef BILD Süd), Dirc Seemann (Chefredakteur SPORT1) sowie den ADAC-Vertretern Jürgen Fabry (der Vorsitzende des MSC Weingarten in seiner Funktion als Referent für Automobile), Wolfgang Wagner-Sachs (Referent für Motorräder), Manfred Rückle (Referent für Motorboote), Mario Theissen (Referent für Klassik) und ADAC Sportpräsident Hermann Tomczyk. – Die Ehrung findet am 16. Dezember 2017 im Rahmen der ADAC SportGala in der ADAC Zentrale in München statt.