Neue Verteilerkästen: Durch diese sollen in Linkenheim-Hochstetten künftig die Leistung schwächenden Entfernungen zu den Kunden verkürzt werden. | Foto: Werner

Breitbandausbau Linkenheim

Telekom-Engagement bremst Gemeinde aus

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In Linkenheim-Hochstetten tun sich Gräben auf. Die Telekom hat weitflächig begonnen, ihr Netz aufzurüsten und zwischen den Verteilerkästen Lichtwellenleiter in den Boden zu bringen. Eine Entwicklung, die lange so nicht zu erwarten war. Als man sich im Verbund mit anderen Kommunen am Landkreisprojekt für eine schnelle Datenautobahn beteiligte, zeigte ebenso Unitymedia kein Interesse an Bestandsoptimierungen.

Rosinenpickerei

„Rosinenpickerei“ wurde zum Begriff, als beide Anbieter dafür in Neubaugebiete drängten. Linkenheim-Hochstetten wollte keine Doppelstrukturen und ausschließlich auf die eigene Infrastruktur mit einem für Drittanbieter offenen Netz setzen. So wurden bei dem der Kommune obliegenden innerörtlichen Ausbau im Baugebiet „Biegen/Durlacher Weg“ in Regie der Breitband Kabel (BLK) nur Leerrohre für den Anschluss an den zentralen Backbone (Hauptstrang) des Landkreises verlegt.

Längerer Baustopp

Den Rückschlag brachte im Glasfaser-Streit der Präzedenzentscheid der Bundes-Netzagentur, dass das Gebiet für Unitymedia und Telekom zu öffnen ist. Ein längerer Baustopp war die Konsequenz. Dass die Telekom nun in den Bestand geht, empfindet Bürgermeister Michael Möslang als Folge des Landkreisprojekts. Ein Vorgang, den er mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ verfolge. Zum einen kommt er den Bürgern entgegen, bringt aber nicht die Leistungen, die zukunftsweisend als bedarfsgerecht angesehen werden.

Glasfaser bis wohin?

Beim BLK-Ausbau ist Glasfaser bis ins Haus Konzept. Bei der Telekom-Aufrüstung erfolgt die Datenübertragung auf den letzten Metern über Kupferkabel. Das bedeutet: Je weiter die Entfernung zum Verteiler ist, desto schwächer die Leistung. Die gehe ebenso bei Coaxial-Leitungen, wie sie Unitymedia einsetzt, mehr und mehr in die Knie. Und zwar je mehr Nutzer aktiv sind, so Bürgermeister Michael Möslang. Hohe Geschwindigkeiten, Versorgungssicherheit, geringe Ausfallwahrscheinlichkeit, Zuverlässigkeit: Das biete nur das eigene Netz, betont Möslang. Dabei gehe es nicht um eine neue Einnahmequelle, sondern um „Daseinsfürsorge“. Insofern sei der aktuelle Ausbau kontraproduktiv, wie er sagt. Das schließt die Auswirkungen auf die eigenen Ausbaupläne ein.

Wie geht es weiter?

Im Bestand ist die Gemeinde in der Zwickmühle, weil sie zwar Infrastruktur schaffen, aber private Nutzer nicht anschließen darf. Möslang hofft angesichts kommenden Bedarfs weiter, dass sich dies absehbar ändern werde. Hier stehe man weiter „Gewehr bei Fuß“, sagt er. Angeboten hätte sich jetzt aber, eigene Infrastruktur mitzuverlegen. Dies sei allerdings nicht möglich, weil der Masterplan für den Ausbau andere Trassen vorsehe.

Ausbau für Gemeinde „nicht darstellbar“

Akut sind die Auswirkungen nun im Fall des Hochstetter Gewerberings. Da die Kommune sich beim Breitbandanschluss vorerst auf Gewerbegebiete beschränken muss, stand das Gebiet nach den Verlegungen in „Biegen“ und „Römeräcker“ auf der Agenda. Da jedoch die Telekom dort aufrüstet, ist damit aus Landessicht die Grundversorgung gewährleistet. Das bedeute, dass ein eigener Netzausbau wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sei, so Möslang. Denn bei Kosten von 240 000 Euro sind damit die Fördermittel von rund der Hälfte des Betrags hinfällig. Somit sind die Gemeindepläne bei Breitband vorerst ausgebremst. Zum Gewerbering vermerkt Möslang, dass dort rund ein Viertel der Gewerbetreibenden auf der Strecke blieben, da sie nicht von der Telekom angeschlossen würden.

Nach Informationen der Telekom wird in Linkenheim-Hochstetten zunächst bei Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbits pro Sekunde „VDSL 100“ durch FTTC-Ausbau mit Glasfaser bis zum Straßenverteiler verkabelt. Sollte der Bedarf an Bandbreite weiter steigen, könnte die Telekom in einem nächsten Schritt von den modernisierten Straßenverteilern aus Glasfaser weiter bis in die Häuser legen, heißt es. FTTC werde im ganzen Ort ausgebaut. Ausnahme sei das Neubaugebiet „Biegen-Durlacher Weg“, wo Glasfaserkabel in die Häuser (FTTH) verlegt würden. Der Tiefbau werde in den nächsten Wochen abgeschlossen.
Danach erfolgen der Aufbau und die Inbetriebnahme neuer Übertragungstechnik und deren Integration in die Systeme. Kunden könnten die Anschlüsse voraussichtlich im Sommer 2018 buchen.