Ausreichende Bewegung ist auch im Winter wichtig. Dann ist es aber oft besser, mehrfach kürzere Strecken zu laufen als eine lange.
Ausreichende Bewegung ist auch im Winter wichtig. Dann ist es aber oft besser, mehrfach kürzere Strecken zu laufen als eine lange. | Foto: Wolfram Steinberg/dpa

Auch Tiere macht Kälte krank

Fettcreme schützt vor Rissen an den Pfoten

BNN. Katzen mit Angina, Hunde, die sich mit frostschutzmittelhaltigem Streusalz vergiftet haben. Worauf müssen Besitzer von Haustieren in diesen mittlerweile ungewohnt kalten Tagen achten? Die Badischen Neuesten Nachrichten haben mit einer Tierärztin aus der Region Fragen und Antworten zu diesem Thema zusammengestellt.

Gibt es tatsächlich Grippe bei Tieren?

Generell gibt es auch bei Tieren grippale Infekte mit Viren, unter anderem Caliciviren, Influenza und Parainfluenzaviren sowie Reoviren oder canine Adeno- und canine/feline Herpesviren, um nur einige zu nennen. Auch eine bakterielle Beteiligung ist möglich. Infekte der oberen Atemwege sind auch bei unseren Haustieren im Winter nicht ungewöhnlich.

Wie beuge ich vor, damit ich trotzdem mit meinem Hund spazieren gehen kann?

Im Winter ist auf ausreichende Bewegung bei ausgewogener Ernährung zu achten. Die Bewegung ist dem Tier anzupassen. Häufig ist es besser, mehrfach kürzere Strecken zu laufen und nicht einmalig eine lange Strecke. Trockene Heizungsluft reizt die Atemwege und begünstigt die Besiedelung der Schleimhäute mit Erregern. Hier sind einfache Schalen mit Wasser auf Heizungen zum Erhöhen der Luftfeuchtigkeit oft schon ausreichend. Duftöle können zu Reizungen der Schleimhäute führen und sollten in unmittelbarer Nähe von Haustieren vermieden werden. Beim Spaziergang in Minusgraden ist es von Vorteil, vorher die Pfoten mit einer fetthaltigen Pflegecreme vor Hautrissen und Reizungen zu schützen.

Worauf ist zu achten, damit mein Hund keine Gifte aufnimmt?

Nach dem Spaziergang sollten die Pfoten unbedingt mit handwarmen Wasser gereinigt werden, um Spuren von Streusalz zu beseitigen. Dieses hält sich auch noch Tage nach Anwendung hartnäckig auf der Oberfläche oder in Pfützen. Die Aufnahme von Streusalz kann zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Auch das Trinken aus Pfützen sollte unterbunden werden. Hier sammeln sich Streusalze, aber auch Abschwemmungen von allen Oberflächen (wie Dach oder Mauer), in denen sich Abgasrückstände von Öl- und Holzheizungen sammeln. Der Mix ist unübersehbar und führt ebenfalls leicht zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Sind Wintermäntel für Hunde sinnvoll?

Toyrassen (sehr kleine Hunde) sollten bei starken Minustemperaturen mit Hundemänteln geschützt werden. Diese Tiere sind sehr zierlich, verfügen aber über eine im Vergleich zur Körpermasse große Hautoberfläche, welche schnell auskühlt. Zudem hat diese Rasse häufig ein sehr feines Fell, das wenig wärmt. Auch älteren Tieren hilft ein Schutz im Rücken- und Nierenbereich, um bei niedrigen Temperaturen den Spaziergang auch genießen zu können und gut durch den Winter zu kommen.

Was ist bei Tieren, die meist im Freien sind, zu beachten?

Katzen im Freigang ist bei starken Minustemperaturen ein geschützter Platz, gerne auch mit Heizquelle, zur Verfügung zu stellen. Bewährt haben sich gut isolierte kleine Hütten, auch wenn es nur ein Karton mit Decke und Mikrowellenheizkissen auf der Terrasse ist. Heimtieren, die im Garten gehalten werden, ist ein gut isoliertes Häuschen mit viel Heu als Bett zur Verfügung zu stellen. Wasserstellen sind vor Gefrieren zu schützen. Wassermangel führt schnell zu lebensbedrohlichen Zuständen, die Tiere können sich beim Belecken des Eises Erfrierungen an der Zunge zufügen, die wiederum durch das Unvermögen zu fressen zu erheblichen Problemen führen können.

Woran merke ich, dass mein Tier Gift zu sich genommen hat?

Das Frostschutzmittel fürs Auto (Äthylenglykol, Diäthylenglykol) schmeckt süß, wird deshalb aufgenommen, und ist extrem gefährlich. Bei Verdacht der Aufnahme sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Hier ist immer von einer lebensbedrohlichen Vergiftung auszugehen. Alarmzeichen sind immer Verlust der Aktivität und des Appetits. Verhaltensänderungen sind genau zu beobachten. Das Gewicht des Tiers kann Aufschluss geben über verminderte Futteraufnahme und/oder erhöhte Energieverluste. Kot und Urin sind immer, soweit möglich, visuell zu überprüfen. Bei Lahmheit sind alle Pfoten eingehend zu untersuchen, gegebenenfalls ist ein Tierarzt zu konsultieren. Bei Katzen ist der Fellzustand ein guter Anhaltspunkt, ob die Katze sich wohlfühlt. „Offenes“ oder ungepflegtes Fell ist immer ein Alarmzeichen. Generell ist in der Zeit der Smartphones ein Video oder Bild hilfreich, um dem Tierarzt Dinge zu zeigen, deren Schilderung schwierig ist und die in der Praxis bei der Vorstellung sonst nur beschrieben werden können.