Bürgermeistergrillen in Reih und Glied im inoffiziellen Teil mit Iris Würtz, Sascha Oehme, Jürgen Bereswill und Timur Özcan. | Foto: Waidelich

Jüngster im Kreis

Timur Özcan beginnt als Bürgermeister in Walzbachtal

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Was haben Walzbachtal bei Karlsruhe und die Gemeinde Klettgau im Kreis Waldshut gemeinsam? Beide haben einen Bürgermeister mit türkischen Wurzeln.

In der südbadischen Gemeinde wurde schon vor zweieinhalb Jahren Ozan Topcuogullari zum Rathauschef gewählt, Ende Juli bekam Timur Özcan den Zuschlag der Walzbachtaler Bürger, für die weder Name, noch Alter und Herkunft des neuen Rathauschefs eine Rolle spielten.

Die Walzbachtaler wollten offenbar einen Verwaltungsfachmann von außerhalb als Nachfolger von Karl-Heinz Burgey (CDU), der nach 16 Dienstjahren in Ruhestand ging. Und sie wählten den Verwaltungsmann von außerhalb. Der 28-Jährige Timur Özcan aus Mannheim, dessen Vater vor rund 40 Jahren nach Deutschland kam und eine Deutsche heiratete, hat an der Verwaltungshochschule Ludwigsburg studiert. Er ist einer der jüngsten Bürgermeister in Baden-Württemberg, im Landkreis Karlsruhe ist es der jüngste.

Name spielte bei der Wahl keine Rolle

Özcan, der an diesem Montag sein Amt antritt, sieht sich durch und durch als Deutscher, auch wenn sein Name auf einen Migrationshintergrund hindeutet. Doch das hat bei Wahl keinerlei Rolle gespielt, wie er rückblickend mit seinem leicht kurpfälzischen Slang zufrieden feststellt.

Im Gegenteil: Er sehe sich von den Walzbachtalern angenommen, sagt Özcan. In einem Feld von sechs Bewerbern fehlte nicht einmal ein Dutzend Stimmen und Özcan hätte sich schon im ersten Wahlgang durchgesetzt.

Es ist wichtig, dass nicht auf Name und Herkunft, sondern auf den Menschen selbst geachtet wird.

Viel lieber als über seine türkischen Wurzeln spricht Özcan über die Arbeit, die vor ihm liegt. Wenn er freilich den Bogen schlägt von seinem familiären Hintergrund in die politische Gegenwart, dann ist er schnell beim Thema Integration.

So wie er in Walzbachtal trotz eines nicht-deutschen Namens zum Bürgermeister gewählt wurde, so ist es für ihn wichtig, „dass nicht auf Name und Herkunft, sondern auf den Menschen selbst geachtet wird.“ Integration ist für Özcan zunächst einmal Sprache. Nur wer die Sprache beherrsche, könne auch in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Özcan freut sich auf die Arbeit im Rathaus

Sein auf einen Migrationshintergrund verweisender Name ist im Walzbachtaler Wahlkampf allenfalls ein Randaspekt gewesen: „Ich habe da keinerlei Bemerkung gehört.“ Die Menschen am Ort hätten auf den Menschen geschaut, der da kandidiert – und haben sich für ihn entschieden.

Und wenn seine Herkunft doch einmal Thema war, dann „bin ich offen damit umgegangen“, sagt der neue Bürgermeister, der sich jetzt auf die Arbeit im Rathaus freut. Da ist Timur Özcan ganz traditionell unterwegs. An diesem Montag wird er erst einmal die Mitarbeiter kennenlernen und den Rathausschlüssel übernehmen.

Seit 2017 SPD-Mitglied

Mitglied in der SPD ist er seit 2017. Im Wahlkampf hat das keine große Rolle gespielt. Für Özcan erleben die Sozialdemokraten erleben „aktuell eine schwierige Zeit“. Es sei wichtig, dass mit der neuen Parteiführung ein Umschwung komme. Wer ist sein Favorit? Özcan ist Diplomat: „Ich habe noch keine Entscheidung getroffen.“

Dazu bekommt er auf dem Chefsessel im Rathaus der rund 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Walzbachtal jetzt viele Gelegenheiten. Er übernimmt ein gut bestelltes Haus, wird aber eigene Akzente setzen. Walzbachtal ist da für ihn eine Art Glückstreffer: „Einerseits ländlich, anderseits aber nah dran an der Stadt“.