Rund um Stutensee fuhren Alt-Oberbürgermeister Klaus Demal und BNN-Redakteur Matthias Kuld mit dem Rad - hier am Baggersee Staffort | Foto: pr

Mit dem Rad um die ganze Stadt

„Tour de Stutensee“

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Etliche Überraschungen, unerwartete Einblicke und viel Natur – für die „Tour de Stutensee“ mit dem Rad braucht man keine fünf Etappen, sondern fährt in wenigen Stunden durch alle fünf Stadtteile. Der Erlebniswert ist beachtlich, denn selbst der, der vieles zu kennen glaubt, wird in den wenigen Stunden viel sehen und beobachten können, was ihm nicht geläufig ist. Voraussetzung: ein Guide mit guter Ortskenntnis.

Start in Büchig

Der Trubel der großen Stadt liegt nur zwei, drei Kilometer hinter mir, als ich beim Gemeindezentrum Büchig auf Stutensees früheren Oberbürgermeister Klaus Demal treffe. Einmal alle fünf Stadtteile mit dem Rad abfahren, haben wir uns vorgenommen. Wie viel Zeit brauchen wir? „Das hängt davon ab, wie oft wir halten und absteigen“, sagt Demal. Und auf geht’s. Die erste Frage gilt Büchig. Ist das eigentlich ein eigener Stadtteil? Kommt drauf an. Denn Büchig gehörte schon vor dem Krieg zu Blankenloch und ging mit dem größten Stadtteil 1975 in der neuen Gemeinde Stutensee auf. Parallel zur „Alten Bach“ geht es auf einem – wie praktisch überall – gut befestigten Weg nach Blankenloch, und der erste Eindruck zieht sich wie ein roter Faden durch die Tour: Stutensee ist grün.

Nach kurzer Fahrt verweist Demal am südlichen Ortsende von Blankenloch auf das Wohngebiet „Am Steinweg“, das wegen der Verwendung natürlicher Materialien mit einem Preis bedacht wurde. Vorbei am Schulzentrum und dem neuen Hallenbad, das am 13. September öffnet, queren wir die Landesstraße nach Weingarten – „die Nordumfahrung von Blankenloch kam Ende der neunziger Jahre zusammen mit der Stadtbahn“, berichtet Demal.

Ein Jagdschloss

Links und rechts unseres Weges in Richtung des der Stadt den Namen gebenden Schlosses „Stutensee“ traben zahllose Pferde über ihre Koppeln, fressen Schafe Gras und hängen auf den ausgedehnten Streuobstwiesen die Bäume voller Äpfel. Nicht nur an den „Pfennigerswiesen“ stehen Schilder, die auf die zahlreichen Besonderheiten der Natur hinweisen, mit denen Stutensee „gepflastert“ ist. Das Schloss, das Mitte des 18. Jahrhunderts von Markgraf Karl Friedrich von Baden als Jagdschloss auf dem Areal des markgräflichen Gestüts gebaut wurde, ist geografischer Mittelpunkt der Stadt. Die Hauptzufahrt ist von Westen, doch mit dem Rad ist der Zugang zu dem heute als Jugendhilfeeinrichtung genutzten Ensemble von überall her möglich. Mein Führer gibt einen historischen Rückblick, er zeigt auf die mächtigen jahrhundertealten Eichen und einige, etwas versteckt gelegene, aber gepflegte Soldatengräber. „Hier befand sich zu Kriegsende ein Lazarett“, erklärt Demal.

Anglersee

Weiter geht es in Richtung Staffort. „Wir fahren noch kurz am Baggersee vorbei“, sagt Klaus Demal und steuert am Ortsende wieder nach Süden. Anders als andere Seen ist der Stafforter bei Badegästen weniger gefragt, dafür finden die Angler hier ein ruhig gelegenes Areal.

Kreuz sorgte für Aufregung

Im Ort verweist mein Guide auf die schön restaurierten Fachwerkhäuser und führt mich in die evangelische Kirche – ein prominentes Sandsteingebäude –, vor dem wie vor vielen anderen Kirchen in Stutensee ein Mahnmal für die Kriegstoten steht. In der Kirche findet sich ein „Aufreger“, an den sich Demal noch gut erinnert. Vor einigen Jahren bekam das Gotteshaus im Altarraum ein neues Kreuz – das freilich etwas anders aussah als ein traditionelles Kreuz. Die Meinungen dazu waren geteilt – um es freundlich zu sagen.

Das „Lobberle“

Auf dem Weg nach Spöck müssen wir die einzige nennenswerte „Anhöhe“ auf unserer Tour überwinden – die Brücke über die Landesstraße. In diesem Stadtteil gibt es einen populären Baggersee, einen gut gefragten Grillplatz und ein Gebiet mit vielen geschützten Vogelarten der örtlichen Vogelfreunde. Am Endhalt der Stadtbahn, die seit 2006 bis Spöck verkehrt, erinnert Klaus Demal an das „Lobberle“. Das „Lobberle“? So wurde die Dampfbetriebene Schmalspurbahn genannt, die von 1891 bis 1922 Durmersheim via Grünwinkel mit Hagsfeld und Spöck verband.

Siedlung der Hugenotten

Es ist nur ein kurzes Stück hinüber nach Friedrichstal, das wir über die Rheinstraße erreichen. Auf der alten Ortsdurchfahrt findet sich noch die Fahrbahnmarkierung – die Umgehung durch die Landesstraße 558 brachte eine erhebliche Entlastung. Der Mittelpunkt Friedrichstals ist der Platz um die evangelische Kirche und das Heimatmuseum. Klaus Demal zeigt auf das Denkmal, das entscheidende Hinweise zur Entstehung des Dorfes gibt. Markgraf Friedrich Magnus von Baden-Durlach gestattete 1699 Hugenotten – Religionsflüchtlingen aus Nordfrankreich – dort die Ansiedlung. Noch heute finden sich am Ort viele Familiennamen, die an die einstigen Siedler erinnern: Barié, Gorenflo, Giraud oder Lacroix.

Schön restauriert

Nach Blankenloch gelangt man entweder wieder vorbei an Schloss Stutensee, oder aber man fährt zwei, drei Kilometer mehr durch den Wald und nimmt die Friedrichstaler Allee. Mitten im Ort, durch den seit Ende der neunziger Jahre die Stadtbahn verkehrt, gibt es ein auffällig schönes Ensemble. Prominent zur Straße hin präsentiert sich das Kerns-Max-Haus aus dem Jahr 1603. „Und jetzt gehen wir noch ins Rathausgässle“, sagt Klaus Demal und schiebt sein Rad die wenigen Meter weiter. Im dortigen Museum gibt es immer auch öffentliche Ausstellungen.

Zurück in Büchig

Zurück nach Büchig geht es wieder durch ein Stück Natur. Noch ein Blick auf das alte Rathaus und die „Tour de Stutensee“ ist zu Ende. „Hat Spaß gemacht“, sagt Klaus Demal. In der Tat. Bietet sich an zum Nachfahren.

Stutensee per Rad
Eine Radtour rund um Stutensee ist problemlos zu machen – starten kann man überall. Die Beschilderung ist in jedem Fall auskömmlich, auch wenn man auf Gemeindeverbindungs- oder Flurbereinigungswegen unterwegs ist. Außerdem kann man sich problemlos per Karte auf dem Handy zurechtfinden.

Was angucken?
• Stutensee punktet mit einigen schönen Ecken. Das Kerns-Max-Haus in Blankenloch ist am „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 9. September, von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Vortrag zur Geschichte Blankenlochs beginnt um 14.30 Uhr.
• Das Heimatmuseum Friedrichstal ist ebenfalls am 9. September geöffnet.
• Fachwerkhäuser in Staffort
• das Kreuz in der evangelischen Kirche Staffort
• die Düne bei Friedrichstal

Was machen?
• Schwimmen im Baggersee Spöck
• Pause in einem der vielen Lokale