Der grüne Spargel wird immer beliebter. Im Meierhof in Staffort bei Thomas und Petra Meier macht er einen relativ großen Anteil aus. Das Familienunternehmen bewirtschaftet rund zehn Hektar Spargelanbaufläche. | Foto: del

Grüne Variante stärker gefragt

Trockenheit von 2018 hat die aktuelle Spargelzeit beeinträchtigt

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Am Montag ist definitiv Schluss. Dann ist Johannistag. Oder Sonnenwende. Die Spargelzeit 2019 ist dann Geschichte. So ist es Tradition, und wenn die Spargelzeit endet,  dann gehen die weißen Gemüsepflanzen in ihre Regenerationsphase. Bis nächstes Jahr.

Der eine oder andere Erzeuger des königlichen Gemüses hat in dieser Spargelzeit schon seit einigen Tagen mit dem Stechen aufgehört. Marcus Melder in Graben hat Samstag vor einer Woche die letzten weißen Stangen aus dem Boden geholt. Bei Kammerers im Aussiedlerhof in Graben läuft der Spargel ebenfalls aus. „Wir haben nicht mehr alle Sorten“, sagt Gabriele Kammerer. Bei Petra und Thomas Meier in Staffort ist schon die eine oder andere Fläche in die Ruhephase gerückt, vor allem die relativ frisch bepflanzten: „Wir haben verschiedene Altersklassen, und die jungen Flächen werden noch geschont. Erst ab dem vierten Jahr wird die ganze Saison über geerntet“, erklärt Thomas Meier.

Unterschiedliche Bilanz

Wie war denn dieses Jahr die Saison? „Insgesamt ganz gut“, resümiert Gabriele Kammerer: Der kühle und recht nasse Mai sei dem Spargel nicht so gut bekommen, der Ertrag sei geringer gewesen. „Wir haben noch nicht abgerechnet, aber es ist in dieser Spargelzeit sicher weniger als im vorigen Jahr.“

Etwas weniger als 2018

Mit ihrem Ergebnis sind Brigitte und Markus Leicht in Eggenstein durchaus zufrieden, etwas weniger als 2018, aber die Ware sei leichter zu verkaufen gewesen: „Der Appetit auf Spargel hängt von den Temperaturen ab“, sagt Brigitte Leicht: „Wenn’s zu kalt ist oder zu heiß, dann mögen die Leute keinen Spargel.“ Woran das liegt, kann sie nicht erklären, aber sie beobachtet dieses Phänomen immer wieder. Auch bei Leichts läuft das weiße Gemüse für diese Spargelzeit aus, auch wenn es noch bis Sonntag welchen geben soll, berichtet Heidelore Leinweber, die für den Eggensteiner Betrieb im Hernauhof in Spöck zwei Tage in der Woche im Verkauf arbeitet.

Für ein Spitzenergebnis fehlt dieses Jahr die Menge

„Für ein Spitzenergebnis fehlt dieses Jahr die Menge“, meint Thomas Meier. Der Ertrag sei geringer als voriges Jahr, insgesamt aber durchschnittlich. „Die Qualität hat in dieser Spargelzeit aber gestimmt.“ Und für die Kunden habe die Auswahl dank vieler Sortierungen die komplette Saison über gepasst.

Durchwachsene Saison

Von einer „durchwachsenen Saison“ mit etwas unterdurchschnittlichem Ertrag spricht Marcus Melder in Graben: „Die Regeneration nach der Erntesaison 2018 war wegen der langen Trockenheit für die Spargelzeit 2019 nicht ausreichend.“ Die Nachfrage sei insgesamt etwas stärker gewesen, und man habe sie nicht immer bedienen können.

Grüner Spargel wird mehr verlangt

Das „Weiße Gold“ ist nach wie vor der Renner, aber die Erzeuger sehen quer durch die Hardt, dass die Nachfrage nach grünem Spargel wächst. Thomas Meier schätzt den Anteil auf etwa 20 Prozent: „Der ist vielseitig und gewinnt immer mehr Freunde.“ So lautet auch das Urteil von Markus Leicht und Gabriele Kammerer. „Wir kaufen den grünen Spargel, der vor allem bei jungen Leuten immer beliebter wird, von einem Kollegen zu“, sagt Kammerer. Die ganz dünne, wilde Form des Spargel spielt hingegen auf dem Land keine Rolle. Im Fachhandel gibt es die „Spargelgräser“, nicht aber bei den lokalen Erzeugern. „Es gibt ja auch ganz dünne Exemplare von grünen Spargel“, schmunzelt Thomas Meier.

Kunden wollen ihren Spargel oft geschält

Und wie ist die Nachfrage nach geschältem Spargel? Auch die nimmt nach der Erfahrung der Erzeuger zu: „Wir schälen auf Kundenwunsch, und zwar von Hand“, sagt Gabriele Kammerer. „Vor einigen Jahren haben wir eine Schälmaschine erst mal gemietet. Die Nachfrage war sehr groß, dann haben wir ein Gerät gekauft“, sagt Thomas Meier.

Meinungen gehen zum Einfrieren auseinander

Und die Meinungen zum Einfrieren? Antje Kistner, die in Melders Hofladen in Graben einkauft, mag gerne Spargel, jedoch nur den weißen: „Grünen esse ich nicht, den hat es bei meinen Eltern nicht gegeben“, sagt die junge Frau. Sie will auf den weißen Spargel auch außerhalb der Saison nicht verzichten und friert deshalb einige Portionen ein: „Geschält und roh, die Stangen kommen beim Gebrauch direkt ins kochende Wasser.“

Spargel im Badischen kennengelernt

„Wir frieren eine kleine Menge ein“, sagt Manfred Splitt aus Spöck, der Spargel erst kennenlernte, als er aus Norddeutschland ins Badische gezogen ist. Seine Frau Gertrud stammt aus Büchenau – und das ist Spargelgebiet.

Einfrieren verdirbt den Geschmack

Antje Kistner und Manfred Splitt scheinen unter den Befragten die Ausnahme zu sein, kaum jemand will Spargel einfrieren. Argument ist meist, dass sie dabei an Geschmack verlören. „Da gibt’s dann anderes gutes Gemüse“, sagt Roswitha Steier, die mit ihrem Mann Jürgen per Fahrrad aus Linkenheim zum Kammererhof gekommen ist, um Spargel einzukaufen. „Wir holen unser Gemüse regelmäßig hier“, erzählt die Frau. „Nein, gefroren die schmecken doch nicht mehr.“ Auch für Jutta Meinzer aus Graben ist Einfrieren keine Option: „Wir essen in der Saison so oft und so viel Spargel wie möglich. Da schmecken sie am besten.“

Spargel gibt’s, wenn’s Spargel gibt

„Spargel gibt’s, wenn’s Spargel gibt“, bringt es Brigitte Leicht auf den Punkt. Man müsse nicht alles Obst und Gemüse das ganze Jahr über haben.

Zeit für Regeneration

Und die Pflanzen bräuchten nach der Erntezeit reichlich Zeit, um aus dem Boden zu wachsen und Kraft und Reserven für die kommende Spargelzeit zu sammeln, ergänzt Markus Leicht.

Erfahrungen im Einzelhandel

Auch im Einzelhandel ist jetzt Schluss mit Spargel. Noch bis Samstag gibt es die Stangen aus regionaler Produktion, berichtet Alexandra Kramer, Marktleiterin bei Edeka Kuhn in Leopoldshafen. „Wir bekommen unseren Spargel von regionalen Erzeugern über die OGA in Bruchsal. Wenn es nötig ist, bekommen wir mehrmals täglich frische Ware.“ In dieser Spargelzeit habe der Markt mehr von dem beliebten Gemüse umgesetztals im vergangenen Jahr. Und: „Grüner Spargel wird immer mehr gefragt“, sagt auch Alexandra Kramer und bestätigt den Trend der Erzeuger. Wildspargel werde auf dem Land nicht verlangt, berichtet sie: „Das gibt’s in speziellen Geschäften in der Stadt.“ Einfrieren ist für sie ebenfalls keine Option: „Ich esse Spargel in der Saison, und ich bevorzuge den weißen. Im Spargelsalat mische ich aber schon auch mal mit grünem.“