Privatmuseum im Keller: Unzählige Relikte aus den 50er-, 60er- und 70er Jahren hat Gerd Diesing aus Leopoldshafen zusammengetragen. | Foto: Alexander Werner

Sammler aus Leopoldshafen

Gerd Diesing und sein Privatmuseum: Typisches aus den 1950er bis 1970er Jahren

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Gerd K. Diesing hat vielfältige kreative Talente und Interessen. Inspiriert von seinem Vorbild Heinz Erhardt verfasst der Leopoldshafener einen Gedichtband mit heiteren Geschichten. Sein Manuskript mit Erinnerungen und Reflexionen über seine Heimat „Ruhrgebiet“ will er mit reichlich altem Fotomaterial in ein neues Buch einfließen lassen. Daneben dreht er seit den 80er Jahren Filme über Reisen oder Events, die er bei Veranstaltungen in der Umgebung präsentiert. Und Diesing gestaltet Kunstwerke in 3D-Technik, die er etwa bei Ausstellungen präsentiert, die der Kulturverein Eggenstein-Leopoldshafen zeigt.

Von Alexander Werner

Das ist aber längst nicht alles. Seit etwa 20 Jahren pflegt Diesing noch eine Leidenschaft, die seinem seit jeher starken Faible für Nostalgie und Sammeln entsprungen ist. Als der mittlerweile pensionierte Bauingenieur 1990 mit seiner Frau Karin von seinem vorherigen Studien- und Wohnort Karlsruhe nach Leopoldshafen zog, boten ihm die „nackten Kellerräume“ seines Hauses dafür beste Möglichkeiten. Diesing machte sich daran, intensiv Relikte vor allem aus den 60er- und 70er Jahren, aber auch aus den 50er Jahren, zusammenzutragen. Daraus wuchs ein sich mehr und mehr füllendes Privatmuseum – auch mit Führungen im Freundes- und Bekanntenkreis.

Zeitgemäße Atmosphäre: Gerd Diesing sammelt Typisches aus den 50er-, 60er- und 70er Jahren. Daraus wuchs ein stattliches Privatmuseum – auch mit Führungen im Freundes- und Bekanntenkreis.

Den Anfang machte der gebürtige Wattenscheider, Jahrgang 1952, mit familiären Vermächtnissen wie Sesseln, Nierentisch, Stehlampe oder Musiktruhe. Selbst Überreste wie das Emblem und die Felgen seines ersten Autos – ein BMW 1800 TI – fanden ihren Platz.

Zuerst Flohmärkte durchforstet

Eigentlich habe er damit eine zeitgemäße Atmosphäre für heimische Oldie-Partys aufleben lassen wollen, erzählt Diesing. Gäste hätten dafür noch in ihren Schränken gekramt und seien in passender Kleidung erschienen. „Das brachte den Funken. Ich sagte mir, daraus muss man einfach mehr machen“, erinnert sich Diesing. Zuerst waren es Flohmärkte, die er durchforstete. Ob „banale“ Alltagsgegenstände, Designartikel, Haushaltsgeräte oder Schallplatten: der Sammlertrieb Diesings kannte keine Grenzen.

Historischer Staubsauger funktioniert tadellos

Nun geht das selbstredend auch ins Geld. Die Preise auf den Märkten seien immer weiter hochgegangen, resümiert Diesing. Blieb der Zuwachs bis dahin einigermaßen überschaubar, sei es mit seiner Anmeldung bei Ebay 2002 ausgeufert, berichtet er. Davon zeugen auch Filme von Rintintin, Lassie, Fury oder Bonanza, Bücher, Comics oder Magazine von Bunte bis Playboy. Sein historischer Staubsauger mache zwar viel Lärm, funktioniere aber noch tadellos, betont Diesing mit Hinweis auf frisch gereinigte Kellerteppiche schmunzelnd.

Es ist ein gut geordnetes und beschildertes Chaos

Willkürlich zu stapeln oder aneinanderzureihen hatte er nie im Sinn. „Es ist ein gut geordnetes und beschildertes Chaos“, sagt er. So charakterisiert der Sammler ein überraschend wohnliches Ambiente mit angenehmen Lichteffekten und Aufenthaltsqualität. Immerhin verbringt er dort Zeit, genießt seine Oldie-Musik, ohne auf die Lautstärke achten zu müssen.

Schaufensterpuppe namens „Ramona“

Beim Zuwachs geht Diesing mittlerweile konzentrierter vor. Er tauscht auch aus, um wie bei einem Fund originaler Möbel in Rastatt, stimmige Ensembles zu erhalten. Auffällig ist seine 2016 erworbene Schaufensterpuppe von 1966. Die kleidete er nicht nur ein, sondern gab ihr dazu den Namen Ramona nach einem Lieblingslied von den „Blue Diamonds“. Das Küchenbuffet aus den 50er Jahren ließ er restaurieren und bescherte ihm selbst den authentischen Anstrich in Rosa und Hellblau. 2018 habe er endlich ein Revox-Tonband A-77 ergattert, repariert und aufgemöbelt. Das Gerät habe er sich früher nicht leisten könne, fügt Diesing an. Es war aber nur ein Stück auf einer noch recht langen Wunschliste.