Schöne Gegend oberhalb von Weingarten - der "Bittberg" wird als temporäre Ausweichstrecke für die gesperrte Ortsdurchfahrt zumindest theoretisch diskutiert. | Foto: Lother

Diskussion dauert an

Umfahrung Weingarten – irgendwie anders?

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Das wird noch spannend. Die baustellenbedingte Sperrung der Jöhlinger Straße in Weingarten, die bekanntlich zu weiten Umwegen und Ärger in Pfinztal und Walzbachtal führt, beschäftigt Bürger und Verwaltungen weiter stark. Am 5. November soll in Weingarten über den für 2019 geplanten zweiten Bauabschnitt zwischen Mühlstraße und Katzenbergweg – genauer: dessen „technische Planung“ – informiert werden. Gibt es im neuen Jahr eine neue Möglichkeit die Baustelle zu umfahren? Kürzer und mit weniger Belastungen für die Berghausener „Laub“-Kreuzung? Dazu Fragen und Antworten.

Die Baustelle in Weingarten hat das Zeug, zum Dauerbrenner zu werden. Wie geht es weiter?

Nach den bisherigen Planungen sollen in den beiden kommenden Jahren der zweite und dritte Bauabschnitt der dort erforderlichen Arbeiten umgesetzt werden. Die zentrale Fragen, die man sich in Pfinztal und Walzbachtal stellt: Lässt sich die Bauzeit verkürzen, bleibt es bei der weiträumigen Umfahrung oder gibt es eine Alternative?

Sieht es denn danach aus?

Das ist noch völlig offen, zumal es unterschiedlich zu deutende Rauchzeichen gibt.

Welche?

Am 1. Oktober gab es bei Landrat Christoph Schnaudigel einen „Runden Tisch“ mit den Bürgermeistern der drei Gemeinden. Der Landrat hat dazu eingeladen, weil er vor der Genehmigung für den zweiten Bauabschnitt nochmals nachgeprüft haben wollte, ob es nicht eine alternative Lösung für die Umfahrung gibt. Das Landratsamt ist insofern eingebunden, als es die Planung der Gemeinde mit deren Umfahrungsvorschlägen genehmigen soll. Jetzt ist es so, dass Bürgermeister Bänziger vor einigen Tagen auf BNN-Anfrage antwortete, dass es in der Sache nichts „Neues“ gebe – was so zu deuten ist, dass die Überlegungen seines Hauses noch nicht zu einer anderen Umfahrung geführt haben. Zur Bauzeit hat er schon erklärt, dass da schon alles ausgereizt sei. Anders hingegen die Info aus Walzbachtal. „Die Gemeinde wird ein notwendiges landwirtschaftliches Grundstück erwerben, um eine geeignete Verkehrsführung aus Richtung Mauertal in Richtung Jöhlingen zu ermöglichen. Völlig offen ist allerdings die Finanzierung einer solchen Baumaßnahme“, wurde vom dortigen Rathaus mitgeteilt. Das passt nicht unbedingt zur Mitteilung aus Weingarten.

Gibt es denn theoretisch Alternativen zu großräumigen Umfahrung und einem einmal angedachten „Wechselbetrieb“ im Mauertal?

Theoretisch ja. Von Jöhlingen aus nah an der Ortslage Weingarten über „Kirchberg/Bittberg“ Richtung B3. Zurück ginge es südlich des Weingartener Ortseingangs von der B3 ab ins Mauertal und am Naturfreundehaus vorbei weiter nach Jöhlingen. Dieser Vorschlag lag auf dem „Runden Tisch“ im Landratsamt. Die Umsetzung ist allerdings unter anderem wegen des momentanen Zustands der Strecke nicht ganz einfach. Was das Mauertal und die weitere Fahrt nach Jöhlingen betrifft, hat Weingartens Bürgermeister Eric Bänziger ausführlich dargelegt, warum dessen Nutzung als Ausweichstrecke nicht in Frage komme. Er nannte dabei viele rechtliche und verkehrliche Probleme.

Wie geht es jetzt dann tatsächlich weiter?

Gute Frage. Was gibt es an Fakten? Weingarten informiert am 5. November über die Grundzüge des geplanten zweiten Bauabschnitts. Bürgermeister Bänziger wird das Thema Umleitung nicht ansprechen – aber die Probleme „mit den unbelehrbaren Autofahrern, die meinen, durch die Baustelle fahren zu können“. Walzbachtal will mit dem geplanten Grundstückserwerb offenbar einen Schritt in Richtung Mauertal-Nutzung gehen – zunächst unbeschadet der weiteren Kostenfrage und den Argumenten aus Weingarten. Das Landratsamt hat eine theoretisch denkbare Lösung auf den „Runden Tisch“ gelegt, deren Machbarkeit noch weiter geprüft werden muss. Die Behörde wartet mit Blick auf die Genehmigung für die Umleitungen zum zweiten Bauabschnitt auf Rückmeldungen.

Was ist in Fahrtrichtung Bruchsal passiert?

Der Weg über die Siedlung Binsheim nach Obergrombach und weiter Richtung Bruchsal dient während der Sperrung als Ausweichstrecke. Die soll für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt werden.

Das beschauliche Mauertal zwischen Weingarten und Jöhlingen steht im Zentrum eines weiter ungelösten Konflikts. Die Gemeinden Walzbachtal und Pfinztal wollen weiterhin nicht akzeptieren, dass die Bauarbeiten in Weingarten, die noch zwei Jahre dauern sollen, weiträumige Umfahrungen notwendig machen. Der Weingartener Bürgermeister hingegen hat verschiedentlich seine Sicht der Dinge dargelegt: Es geht einfach nicht auf kurzem Weg durchs Mauertal. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er es sich leicht gemacht habe. Anfang September hat er umfassend beschrieben, warum auch eine Einbahnregelung mit morgens und abends unterschiedlicher Fahrtrichtung nicht machbar sei. Abgesehen von vielen technischen Details sei die Haftungsfrage ein entscheidendes Hindernis.
Die vom Landratsamt ins Gespräch gebrachte Überlegung mit Mauertal und der ortsnahen Trasse über Kirchberg/Bittberg dürfte deshalb Stand heute wenig Chancen haben. Seitens des in der Sache vermittelnden Landratsamts besteht indes die Hoffnung, dass sich bis Jahresende doch noch andere Erkenntnisse ergeben. Bei der Rheinbrücke Karlsruhe gab es ja angesichts des um drei Monate verschobenen Sanierungsstarts auch erstaunliche Entwicklungen: Die drei Monate Verzug spielen für den Bauablauf keine Rolle, sie wurden eingespart.
So gibt es vielleicht auch in Sachen Mauertal Last-Minute-Änderungen, wobei klar ist, dass alle Überlegungen mit Kirchberg/Bittberg aus der Not geboren sind und allenfalls als Überbrückung dienen können. Vielleicht muss man bei allem Nachdenken auch einmal in Betracht ziehen, welche Folgen die Umleitungen über und die Staus in Berghausen haben: jede Menge zusätzlich gefahrener Kilometer, jede Menge Zeitverlust, jede Menge zusätzlicher Schadstoffe. All das sollte zumindest noch einmal bedacht sein, wenn eine befristete Alternative diskutiert wird. Das vermittelnde Landratsamt hat sich mit seinem Vorschlag weit nach vorn gewagt. Das hätte es nicht, wenn es dessen Umsetzung nicht für einen halbwegs realistischen Ansatz hielte.                               Matthias Kuld