Der Hardtwald ist zwar groß, aber seine Bestände sind in beträchtlichem Umfang gefährdet, wie Martin Moosmayer, Leiter des Forstamts beim Landkreis, und Revierförster Joachim Freiberger berichten.
Der Hardtwald ist zwar groß, aber seine Bestände sind in beträchtlichem Umfang gefährdet, wie Martin Moosmayer, Leiter des Forstamts beim Landkreis, und Revierförster Joachim Freiberger berichten. | Foto: Lechner

Viele komplett abgestorben

„Uns rennt die Zeit davon“: Im Hardtwald ist jeder zweite Baum krank

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Von einer Katastrophe will Martin Moosmayer noch nicht sprechen. „Noch haben wir die Situation einigermaßen im Griff, aber wenn es so weiter geht“, meint der Leiter des Forstamtes beim Landkreis Karlsruhe und weist dabei westlich von Spöck demonstrativ auf ein von Kiefern dominiertes Teilstück des Hardtwald. Schon auf den ersten Blick kann man erkennen, was ihn und seinen Kollegen, dem unter anderem für den Spöcker Wald zuständigen Revierförster Joachim Freiberger, so stark beunruhigt. Die Hälfte aller Kiefern dort ist teilweise oder vollständig abgestorben.

Von unserem Mitarbeiter Franz Lechner

„Wir haben hier ein 14 Hektar großes, überwiegend aus Kiefern bestehendes Waldstück, in dem über die Hälfte aller Bäume krank oder tot sind“, erklären die beiden Forstbeamten, was sie so erschreckt. Der Spöcker Wald ist nämlich längst nicht der einzige Teil des Hardtwaldes, um den es aktuell sehr schlecht aussieht.

Trockene Sommer setzen Bäumen zu

Dass der trockene Sommer 2018 für das geschlossene, zwischen Rastatt und Mannheim verlaufende Waldgebiet schlecht war, ist zwar bekannt – wie schlecht, wurde aber erst in den letzten Monaten so richtig klar.

„Der letzte Sommer hat viele Kiefern sehr stark geschwächt, den Rest geben ihnen jetzt Schädlinge und Krankheiten wie der Kiefernadel-Pilz und der Kiefer-Borkenkäfer, vor allem in unseren mittelalten Beständen haben wir deshalb ein regelrechtes Kiefernsterben“, beklagt Moosmayer.

Und das hat weitreichende Folgen. Auf mehr als der Hälfte – nämlich auf genau 8 000 Hektar – des insgesamt 15 000 Hektar großen Hardtwaldes wächst nämlich die Kiefer. Eine Fehlentwicklung, deren Anfänge bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. „Damals hat man den wegen des hohen Wildbestandes sehr lichten Hardtwald hauptsächlich mit Kiefern aufgeforstet“, erzählt Moosmayer.

Kiefern-Bestand soll reduziert werden

Im Grunde wurden also schon damals die Grundlagen für das heutige Kiefernsterben im Hardtwald gelegt. Monokulturen sind nämlich immer besonders anfällig gegen Umwelteinflüsse wie Klima, Schadinsekten oder Krankheiten. Das ist heute natürlich auch der Forstverwaltung bewusst. „Deshalb arbeiten wir ja schon seit einigen Jahren am Umbau des Hardtwaldes, also auch daran, die hohen Kieferbestände deutlich zu reduzieren“, sagt der Leiter des Landkreis-Forstamtes.

Ziel sei ein artenreicher Mischwald, wobei es der Forstverwaltung aber nicht nur darum gehe, die Kiefermonokulturen abzubauen. „Wir müssen angesichts des Klimawandels künftig auch vermehrt auf neue, trockenheitsresistente Arten setzen“, betont Moosmayer und nennt unter anderem „Kirsche, Walnuss, Esskastanie, Hainbuche und Traubeneiche“ als geeignete Baumarten.

Vielleicht kommen exotische Bäume aus Übersee

Aber auch exotische und daher bei Naturschützern eher umstrittene Baumarten wie die aus Amerika stammenden Douglasien und Roteichen oder die mediterranen Flaum-Eichen und Libanon-Zedern sind für den Leiter der Forstverwaltung Alternativen. „Wenn wir den Hardtwald als geschlossenes Waldgebiet erhalten wollen, müssen wir zumindest über solche Baumarten nachdenken“, fordert der Forstmann.

Zeit zum Nachdenken bleibt den Förstern allerdings kaum noch. „Bis vor kurzem dachten wir noch, wir hätten genug Zeit für den Umbau des Hardtwaldes“, sagt Moosmayer und fügt hinzu „aber das letzte Jahr war eine Zäsur für uns. Jetzt wissen wir, dass uns die Zeit davonrennt.“

Naturverjüngung aus Zeitmangel kaum noch möglich

Ein langsamer Umbau durch Naturverjüngung wie ursprünglich geplant, scheint bei dem heftigen Kiefersterben jedenfalls an vielen Stellen kaum noch möglich. Auch weil die rasch wuchernde Traubenkirsche die Naturverjüngung behindert.

„Wenn wir gezwungen sind den Wald aufzuforsten, kostet das aber richtig viel Geld“, sagt Moosmayer und zeigt bei Leopoldshafen auf den „Hardtwald der Zukunft“, ein etwa ein Hektar großer eingezäunter Jungwald aus verschiedenen Baumarten. „Die jungen Bäume der Zaun und die vielen Pflegearbeiten kosten allein für diesen Hektar 25 000 Euro“, erklärt der Forstbeamte.

Wie schlimm es derzeit um den Hardtwald in manchen Regionen aussieht, kann auch der normale Waldnutzer etwa im Spöcker Wald gut beobachten. In Waldstücken mit hohem Kiefernanteil kommt die Forstverwaltung mit dem Fällen kranker Bäume aktuell nämlich kaum noch nach. „Normalerweise sind wir um diese Zeit schon längst mit dem Pflanzen neuer Bäume und nicht mit Baumfällarbeiten beschäftigt“, bittet Joachim Freiberger die Bevölkerung um Verständnis für die ungewohnte Situation.