Vor allem auf Starkregen und Überschwemmungen, wie hier in Jöhlingen, haben sich die Gemeinden im nördlichen Landkreis bei ihrer kommunalen Notfallplanung eingestellt. Aber auch das Szenario einer Pandemie ist in mancher Planung bereits enthalten. Die Pläne werden fortlaufend aktualisiert. | Foto: Waidelich

Vorkehrungen der Gemeinden

Unwetter dominieren in den Notfallplänen in der Hardt

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Wie ist es um die kommunale Notfallvorsorge im nördlichen Landkreis bestellt? Während der Corona-Pandemie rücken die Vorkehrungen weiter ins öffentliche Interesse. Eine Umfrage bei den Gemeinden zeigt, dass sie immer wieder auf den Prüfstand gestellt und angepasst werden.

Weingarten

Die Gemeinde hat 2018 die kommunale Notfallvorsorge aktualisiert und den Katastrophenschutzexperten Andreas Kling mit ins Boot geholt (die BNN berichteten mehrfach). Es wurde ein Workshop abgehalten und Führungskräfte konnten sich austauschen. Wie Bürgermeister Eric Bänziger im BNN-Interview betonte, wurden unter anderem die Listen für den Katastrophenfall aktualisiert sowie Vorräte gesichtet und aufgestockt.

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Linkenheim-Hochstetten

Der jüngste Krisenworkshop fand in Linkenheim-Hochstetten am 3. März statt – moderiert von der EnBW, so der Bürgermeister der Doppelgemeinde, Michael Möslang. Schwerpunkte waren die Themen Starkregen und Stromausfall.

Die anrollende Epidemie hatten wir diskutiert, waren uns aber einig, dass wir in diesem Fall keinen Krisenstab brauchen.

Michael Möslang, Bürgermeister Linkenheim-Hochstetten

„Die anrollende Epidemie hatten wir diskutiert, waren uns aber einig, dass wir in diesem Fall keinen Krisenstab brauchen“, so Möslang. Seifenbestände wurden geprüft und Desinfektionsmittel nachbestellt. Ein Krisenstab sei aber wegen zeitlich flexibler Mitarbeiter und eines schnellen IT-Dienstleisters bis zum heutigen Zeitpunkt nicht nötig gewesen.

Walzbachtal

Bereits im vergangenen Jahr wurde im Walzbachtaler Rathaus eine Stelle für Sachbearbeitung im Bevölkerungsschutz geschaffen, erzählt Bürgermeister Timur Özcan. Für die Stabsarbeit, das Erstellen einer Stabsdienstordnung und den Aufbau eines Krisenstabes wurde eine Mitarbeiterin geschult.

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Darüber hinaus wurde ein Krisenhandbuch ausgearbeitet und in wichtige Schulungen investiert. „Dieses liegt uns seit Beginn dieses Jahres in aktueller Form vor und ist eine wichtige Grundlage für die herausfordernde Zeit“, sagt Özcan über das Krisenhandbuch. Auch eine Notstromversorgung wurde angeschafft und Einspeisestellen wurden eingerichtet.

Eggenstein-Leopoldshafen

„Vorhandene Notfallpläne haben sich bewährt und konnten auch auf die vorliegende Pandemie angewendet werden“, erklärt Ordnungsamtsleiter Philipp Jänicke. Aber Anpassungen und Überarbeitungen gehörten zur Notfallplanung dauerhaft dazu, wie er meint.

Wegen der Corona-Pandemie wurde in der Doppelgemeinde ein Krisenstab gebildet. „Die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen hält ein ständig aktualisiertes Basismodul für die kommunale Notfallplanung vor.“ Darauf aufbauend seien Detailpläne für einzelne Szenarien, unter anderem Hochwasser, erstellt worden.

Pfinztal

Von einer andauernden Verfeinerung der kommunalen Notfallplanung spricht ebenfalls Christian Bauer von der Gemeindeverwaltung Pfinztal. In den vergangenen Jahren seien beispielsweise erste Notstromversorgungen eingerichtet und weitere geplant worden. Die weitere Umsetzung erfolge in den kommenden Wochen.

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Vor rund zwei Jahren sei die Hochwasserkatastrophenplanung überarbeitet worden. Derzeit stünden weitere Überarbeitungen und Festlegungen an. In Zukunft soll es auch länger angelegte Übungen der Verwaltung geben als bisher.

Dabei soll simuliert werden, wie ein Szenario über ein bis zwei Wochen anwächst und immer wieder verschiedene Bereiche der Verwaltung neben dem Tagesgeschäft fordert.

Dettenheim

Die Gemeinde Dettenheim ist in puncto kommunale Notfallplanung sehr gut aufgestellt, so Hauptamtsleiter Swen Goldberg. Die Planung habe die Gemeinde im vergangenen Jahr erheblich überarbeitet und geändert und Anfang März in Kraft gesetzt.

Der Fokus der Szenarien liege vor allem auf Notstrom, Starkregen und Hochwasser. Aber auch eine Pandemie beziehungsweise eine Massenimpfung sind vorgesehen. Weitere Einsatzpläne seien in Planung, lägen jedoch derzeit kapazitätsbedingt auf Eis.

Stutensee

Einen Stresstest für bestehende Strukturen nennt Lukas Lang, Pressesprecher der Stadt Stutensee, die Corona-Pandemie. Unter anderem schwere Unwetter, Hochwasser und Erdbeben decken die Katastrophenschutzeinsatzpläne der Großen Kreisstadt ab, die sukzessive fortgeschrieben werden. Die Pläne müssten nicht nur für Pandemien, sondern auch für weitere mögliche Szenarien stetig geprüft und überarbeitet werden, so Lang.

Er ist sich sicher, dass es künftig von Bund und Ländern definierte Regelungen geben wird, wie Kommunen im Falle einer Pandemie verfahren sollten. Im vergangenen Jahr habe man auf Basis der Pläne damit begonnen, eine vollständige so genannte Stabsdienstordnung für den Katastrophenfall zu erarbeiten – die Arbeit daran wurde im Januar abgeschlossen. Darauf gab es eine Übung mit den Führungskräften des Verwaltungsstabes.

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Graben-Neudorf

In diesem Jahr ist die Fortschreibung der kommunalen Notfallplanung mit Workshops und Übungen geplant, erklärt Graben-Neudorfs Bürgermeister, Christian Eheim. Die Planung richtet ihren Fokus auf einen flächendeckenden Stromausfall und weitere Szenarien.

Die Gemeinde verfüge ebenfalls seit langem über einen eigenen Pandemie-Plan, der zuletzt im vergangenen Jahr fortgeschrieben worden sei. Beim Aufkommen der Corona-Pandemie habe man laut Eheim darauf zurückgreifen können.

Stabsdienstordnung
Unter einer Stabsdienstordnung versteht man in der Gemeindeverwaltung eine Sammlung von Handlungsrichtlinien im Katastrophenfall oder bei außergewöhnlichen Ereignissen. Diese sollen dazu dienen, Informationen zusammenzutragen und auszuwerten und die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen sicherzustellen. Des Weiteren legt eine Stabsdienstordnung fest, wie – also in welcher Form – wo und in welchen Abläufen die Verantwortlichen arbeiten. Auch welche Mitarbeiter außerhalb ihres Dienstes alarmiert werden, sieht die Stabsdienstordnung vor.